Unter den Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat hat niemand so viele Abonnenten in den sozialen Netzwerken die Parsa Marvi.
Unter den Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat hat niemand so viele Abonnenten in den sozialen Netzwerken die Parsa Marvi. | Foto: jodo

Analyse der BNN

Kleine Parteien nutzen in Karlsruhe Social Media am intensivsten

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Im Gemeinderat spielen sie meist eine Nebenrolle, in den sozialen Netzwerken bestimmen sie hingegen den Diskurs. Den Karlsruher Ablegern der AfD, von Die Linke und Die Partei folgen bei Facebook mehr Menschen als den sieben weiteren Parteien und Gruppierungen zusammen. Das ergibt eine Analyse der öffentlichen Profile durch die BNN.

Bei Instagram ist das Missverhältnis noch größer. Auf Twitter dominiert die AfD. Unter den Stadträten hat dafür mit dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Parsa Marvi der Vertreter einer „Altpartei“ die Nase weit vorn.

„Die Präsenz in den sozialen Medien wird auch für die Kommunalpolitik immer wichtiger“, ist Michael Zerr überzeugt. Der Präsident der Karlshochschule hat Politikwissenschaften studiert und beschäftigt sich seit Jahren mit den Trends in der digitalen Welt. „Wer sich nicht dort tummelt, wo die Wähler sind, muss sich nicht wundern, wenn sie gehen“, sagt er.

AfD, Die Linke und Die Partei sind am aktivsten

Im größten sozialen Netzwerk Facebook sind alle zehn Gruppierungen des Stadtparlaments vertreten, insgesamt haben sie gut 15.000 Abonnenten. Hier lassen sich ihre Aktivitäten aber am schlechtesten vergleichen.

Anzahl der Fans auf Facebook

Während Grüne, CDU, SPD und Die Linke zusätzlich zur Parteiseite ein eigenes Fraktionsprofil nutzen, sind die übrigen nur einmal vertreten. Entsprechend schwankt der Anteil kommunalpolitischer Inhalte auf den Seiten.

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Lokale Politik spielt nicht bei allen die größte Rolle

In der Stadt verwurzelte Gruppen wie die Karlsruher Liste (224 Follower) oder Für Karlsruhe (557) stellen nur sehr unregelmäßig Inhalte ein, aber fast ausschließlich zu lokalen Fragen. Aktiver sind die großen Parteien, teils auch mit Landes- oder Bundesthemen. Bei der AfD (2.244) und Die Partei (4.685) überlageren nationale Themen die kommunale Politik.

„Die Parteien sollten sich klar machen, dass es nicht einfach darum geht, eine Seite zu haben“, sagt Zerr. „Es geht vielmehr darum, im Gespräch zu sein.“ Das habe beispielsweise Ex-OB Gerhard Seiler perfekt beherrscht – damals noch ganz analog. „Er war in so vielen unterschiedlichen Netzwerken präsent. Und alle haben gesagt: ,Das ist einer von uns’“, erklärt Zerr.

AfD nutzt Twitter am intensivsten

Im Facebook-Ableger Instagram, das den Schwerpunkt auf Bilder und Videos legt, liegen ebenso die AfD (1.038 Abonennten), Die Partei (963) und Die Linke (922) vorn – FDP und Freie Wähler kommen in dem Netzwerk gar nicht vor.

Anzahl der Follower auf Instagram

Besonders effektiv bespielen die Grünen Instagram. Gerade einmal 39 Beiträge finden sich in ihrem Profil, trotzdem folgen ihr fast 400 Menschen. Für Karlsruhe hat hingegen 133 Beiträge geteilt, erreicht damit aber nur 130 Follower.

Am wenigsten präsent sind die Gruppierungen des Gemeinderats bei Twitter – mit einer Ausnahme: Die AfD hat knapp 1.500 Abonennten, mehr als alle anderen zusammen. Über 4.000 Beiträge hat der Karlsruher Ableger bereits erstellt oder geteilt.

Anzahl der Follower auf Twitter

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Parsa Marvi ist in den sozialen Medien am besten vernetzt

Noch eklatanter sind die Unterschiede im Umgang mit den sozialen Medien bei den Fraktionsvorsitzenden. SPD-Stimmenkönig Parsa Marvi hat sowohl bei Facebook (3.345 Freunde), als auch bei Instagram (708) und Twitter (1.281) die Nase vorn. Auch Jürgen Wenzel ist mit insgesamt fast 3.000 Abonennten in den drei Netzwerken weit besser vertreten als seine Freien Wähler.

Andere wie der KAL-Frontmann Lüppo Cramer bleiben unter dem Radar. „Die sozialen Medien sind gewissermaßen zusätzliche digitale Orte in der Stadt“, sagt Michael Zerr. „Auch wer offline gut vernetzt ist, sollte das nicht vernachlässigen.“