Grüner Schülerprotest: Die Aktion Dragonerbaum will für die gefällten Bäume am Karlsruher Franz-Rohde-Haus neue pflanzen. | Foto: privat

Karlsruher Aktion Dragonerbaum

Klima-Protest fernab von „Fridays for Future“

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Schülerinnen und Schüler sollen nicht an schulpflichtigen Freitagen, sondern in ihrer Freizeit für den Klimaschutz protestieren – diese Forderung kennt man von den „Fridays for Future“-Demonstrationen zur Genüge. In der Karlsruher Weststadt machen etwa 15 Kinder genau das: Mit ihrer Baumpflanz-Aktion „Dragonerbaum“ protestieren sie für mehr Klimaschutz.

Stein des Anstoßes ist die Sanierung des historischen Franz-Rohde-Hauses in der Dragonerstraße. Die Freiburger Investitionsfirma ErgonInvest hatte im Februar 2017 das Gebäude gekauft und den Erhalt des schützenswerten Baumbestands zugesichert. Ein Jahr später begannen die Baumfällarbeiten, für viele Anwohner ein gebrochenes Versprechen des Investors.

Schüler versuchten Baumfällarbeiten zu stoppen

Die 13-jährige Alma war am 23. Februar 2018 mit ihren Freunden live dabei, als die ersten Bäume fielen. Sieben kerngesunde Buchen seien an diesem Tag gefällt worden, so die Schülerin. „Das Geräusch der Säge kann ich seitdem nicht mehr hören.“ Ihr Protest gegen das Fällen der Bäume blieb allerdings ungehört. Die herbeigerufene Polizei bestätigte den Schülern: Die Fällung der Bäume war genehmigt.

Auf den Tag genau ein Jahr später wurden auf dem Gelände des Franz-Rohde-Hauses erneut Bäume gefällt. Auch diesmal waren die Schüler vor Ort. Auf der Straße seien sie dann von einer Frau angesprochen worden. Bis heute kennen sie ihren Namen nicht, aber die anonyme Spenderin bot den Schülern an, ihnen einen Baum zu schenken. Das war die Geburtsstunde der Aktion „Dragonerbaum“.

Kein Leiter, aber viel Engagement

Die Schüler haben sich sehr basisdemokratisch organisiert, einen wirklichen Leiter gibt es nicht. Alle haben was zu sagen und alle helfen mit. Alle – das sind vor allem Alma, ihre Freundin Maria, deren jüngere Geschwister Sebastian und Anna, außerdem noch Luise, Tamina, Lily, Luisa, Ada, Amelie, Johannes, Maria und Aedan. Es ist ihr gemeinsames Projekt, keiner soll dabei vergessen werden.

Acht Bäume haben sie mittlerweile beisammen, dazu noch einige Sträucher. Die wollen sie in der kommenden Woche gemeinsam einpflanzen, in den privaten Gärten der Anwohner und Unterstützer. Dafür sind die Schüler tagelang von Tür zu Tür gelaufen, haben Spenden gesammelt und Standorte für die Bäume gesucht. Der erste Baum – eine Winterlinde, gestiftet von der anonymen Spenderin – ist bereits gepflanzt.

Schüler fühlen sich nicht ernst genommen

Alma und ihre Freunde ärgert besonders, dass der Investor ursprünglich zusagte, den Baumbestand zu erhalten. Aber auch von der Stadt Karlsruhe sind sie enttäuscht. „Karlsruhe kann nicht alle Bäume abholzen und alles zubauen und sich dann als ’grüne’ Stadt bezeichnen lassen“, so die 13-Jährige. Eine Reaktion von Seiten der Politik kam bislang kaum, die Schüler fühlen sich in ihrem Protest nicht ernst genommen. Sie wissen, dass sie den Neubau nicht verhindern können, aber sie haben einen Wunsch: „Wir wünschen uns, dass die Entscheider und Investoren nicht nur für heute denken, sondern vor allem für morgen. Dann hätten diese Bäume hier nie sterben müssen.“