Kollegin kommt gleich . Den Satz hört man in Biergärten und Gartenlokalen schon mal an schönen Tagen.
Heiß begehrt an schönen Wochenenden sind Biergärten oder im Gartenlokale. Wenn nur der Satz nicht wäre: Kollegin kommt gleich . | Foto: © J.Mühlbauer exclus. - stock.adobe.com

Aufgefallen

„Kollegin kommt gleich“

Eine Fahrradtour mit Freunden, die Sonne meint’s gut und im Gartenlokal wird gerade ein Tisch frei – das Leben ist schön. Jetzt braucht es nur noch kühle Getränke und eine Stärkung, dann ist das Glück vollkommen. Da naht auch schon die Verwalterin der kulinarischen Genüsse. Man lächelt ihr entgegen, sie lächelt freundlich zurück – und rauscht vorbei: „ Kollegin kommt gleich.“

Man hat ja Zeit…

Okay, im Gartenlokal gibt es offenbar Reviergrenzen. Das muss man akzeptieren, auch wenn der Körper nach Flüssigkeits- und Kalorienzufuhr lechzt. Zuständig ist offenbar die Kellnerin, die gerade einem Gast erklärt, dass der Tomatensalat zwar ohne Mozzarella, aber leider nicht mit Emmentaler serviert werden kann. Und die anschließend Verhandlungen darüber führt, ob Senioren Kinderteller-berechtigt sind. Das Problem scheint nicht ganz einfach zu lösen. Aber egal. Man hat ja Zeit. Es ist Wochenende.

Im toten Winkel

Verflixt, nur kurz war man ins Gespräch vertieft, schon ist die Herrin der Speisekarte verschwunden. Minuten später balanciert sie mozzarellafreien Tomatensalat durchs schmausende Gewimmel, um gleich darauf mit einem eben eingetroffenen Pärchen die Portionsgröße des Tafelspitzes zu diskutieren. Kollegin kommt gleich? Dieser eine Tisch scheint in ihrem toten Winkel zu liegen.

Kollegin kommt gleich?

Wie macht man eine Kellnerin auf seine Existenz aufmerksam, wenn Blickkontakt nicht funktioniert? Manche Leute strecken den Finger. Aber das kennt man ja aus der Schule: Wenn man dran kommen will, ruft der Lehrer einen anderen auf. Und wer schnipst, wird aus Prinzip übersehen. Ein schüchternes „Entschuldigung“? Eigentlich muss man sich ja nicht entschuldigen. „Bedienung“? Das klingt barsch. „Frau Ober“? Hört sich kultiviert an, passt aber nicht in ein Gartenlokal. „Fräulein“? Indiskutabel! Und „Hallo, junge Frau“ scheitert an den eher reifen Jahren der Herbeigesehnten.

… und dann, plötzlich…

Der Frühlingstag hat an Glanz verloren. Gerade überlegen die Ausflügler, ob sie auf dem Tisch tanzen oder weiterradeln sollen – da steht die Begehrte vor ihnen, den digitalen Bestellblock gezückt. Freundlich lächelnd bittet sie um Verzeihung darum, dass es heute ausnahmsweise etwas länger gedauert hat. Wer könnte diesem Charme widerstehen? Die Gäste schmelzen dahin wie das Spaghetti-Eis am Nachbartisch. Das Leben ist schön und das Bestellte – „die Kollegin bringt’s gleich“. Sagt die nette Kellnerin und verabschiedet sich schon mal. Sie hat jetzt Feierabend.