Schalwagen betoniert Tunnel

Kombi-Bauzug hat Fahrt aufgenommen

In diesem verregneten Sommer erregt die Gemüter die Doppelfrage: Beschert Weihnachten 2021 ein Duo, der Künstler Markus Lüpertz und sein Manager Anton Goll, der Fächerstadt eine in Kacheln gebrannte Schöpfungsgeschichte in sieben Untergrundstationen? Oder zerplatzt dieses Projekt bald am Widerstand der Karlsruher Kulturszene oder wegen eines Mangels an Sponsoren? Unterdessen ist es um die U-Strab selbst etwas ruhig geworden.

Kombi-Bauzug hat Verspätung

Dabei hat der Karlsruher Kombi-Bauzug, der seit seinem Start 2010 schon vier Jahre Verspätung eingefahren hat, in diesem Sommer mächtig Fahrt aufgenommen: Die Rohbauarbeiten im Haupttunnel unter der Kaiserstraße und unter dem Marktplatz nähern sich jetzt mit Riesenschritten dem Ziel.

Bald ist Einsturzgefahr gebannt

Auch beim Betonieren der Südröhre unter der Karl-Friedrich-Straße scheint es kein Halten mehr zu geben. Ist auch dieses letzte Zehntel des U-Strab-Tunnels geschafft, dann ist vermutlich im Herbst nach über sieben Jahren Bohren, Graben und Betonieren die Erdrutsch und Einsturzgefahr in der Karlsruher City durch die Untergrundarbeiten endgültig gebannt.

Zweimal kam es beim Riesenbohrer „Giulia“ in der Kaiserstraße und ein Mal beim Aushub unter Deckel bei der Station „Kronenplatz“ wie jetzt am Samstag beim Tunnelbau für die Rheintalbahn südlich von Rastatt zu gefährlichen Senkungen.

Jedes Mal ging es in der U-Strab-Baustadt auch dank enormer Sicherheitsvorkehrungen glimpflich ab. Und nach bis zu zwei Wochen mit der Sperrung der oberirdischen Gleise für Schadensüberprüfung, Sicherung und Reparatur konnten an diesen Stellen die Straßenbahnen wieder rollen.

Schalwagen arbeitet in der Trompete

Schon hat der gewaltige Schalwagen die ersten acht von 242 Tunnelmetern zwischen den Untergrundstationen Marktplatz und Ettlinger Tor betoniert. Abschnittsweise wird jetzt der unter einem wasserabweisenden Überdruck von maximal 1,2 bar bergmännisch gegrabene und mit Stahlbetonmatten provisorisch befestigte Stollen mit einer stabilen Betonröhre als Innenhülle ausgekleidet. Dabei kommen zuerst die vier schwierigsten Etappen für das unterirdische Ungetüm „Schalwagen“.

Auf den 32 Tunnelmetern südlich des Marktplatzes befindet sich nämlich die „Trompete“ des Tunnels. Dort weitet sich die Röhre Richtung U-Station „Marktplatz“ zur Dreigleisigkeit – damit auch der „Pfälzer Stummel“, das bei der Pyramide endende Sackgleis seinen Anschluss nach Süden hat.

Der Schalwagen hat nun an der dicksten Stelle der „Trompete“ begonnen. „Jetzt war mit dem Betonieren eine Woche Pause. In dieser Zeit wird der Schalwagen für das nächste Trompetenstück entsprechend verkleinert“, erklärt Kasig-Pressesprecher Achim Winkel. Haben auch die nächsten drei Abschnitte mit je acht Metern Länge ihre Betoninnenschale, dann kann laut Winkel alles ganz schnell gehen.

Zehn Meter an einem Tag

„Für die restlichen jeweils zehn Meter langen 21 Abschnitte mit gleichem Querschnitt wollen die Tunnelbauer in 21 Tagen fertig werden“, berichtet Winkel. Folglich kann die U-Strab-Röhre im Rohbau tatsächlich bei reibungsloser Betonage mit dem Schalwagen Ende Oktober fertig werden. Kasig-Chef Uwe Konrath könnte dann endgültig aufatmen, weil der U-Strab-Tunnel stabil im Untergrund liegt.

Beim Rohbau würde es dann im Winter nur noch um das Herstellen der Zwischenebenen und Aufgänge sowie letzter Wandelemente in den sieben U-Stationen, vor allem beim Schlusslicht „Europaplatz“ gehen. Zudem muss noch die Druckkammerinstallation für den Tunnelbau unter der Karl-Friedrich-Straße im Nordkopf der Station „Ettlinger Tor“ demontiert werden.

 

Bau des Autotunnels Kriegsstraße
HINTER DER SICHTSCHUTZWAND, für die Autofahrer also im Verborgenen, packt der gewaltige Schlitzwandgreifer den Autotunnelbau in der Kriegsstraße an.

Greifer  arbeitet  beim Nymphengarten

 

Und dann ist da noch der mit drei Jahren Verzug gerade begonnene Bau des Autotunnels unter der Kriegsstraße: Beim Nymphengarten baggert bereits der gigantische Schlitzwandgreifer zwischen den zuvor betonierten kleinen Schlitzleitwänden 20 Meter tiefe Schächte. Dort werden bald die ersten Stahlspundwände in Betonit befestigt. Sie bilden dann die Grundwasser abweisenden Seitenwände der Baugrube.

Kriegsstraße bekommt eine Wanne

 

Ist anschließend in den beiden ersten Abschnitten des Autotunnelbaus am Nymphengarten zwischen Ritter- und Lammstraße sowie im Erhardboulevard für die Ostrampe zwischen Kapellen- und Ostendstraße auch eine wasserdichte Sohle von oben aus durch Bohrungen eingedüst, dann ist die Baugrubenwanne perfekt. Danach kann ausgebaggert werden. Fehlt nur noch der Betondeckel, und fertig sind 2018 die ersten beiden Stücke des Autotunnels.

Unterführung wird abgebrochen

Inzwischen hat auch zwischen Ettlinger Tor und Mendelssohnplatz der Abbruch der Fußgängerunterführung zwischen City und Südstadt auf Höhe der Kreuzstraße begonnen. Wird der Autotunnel 2021 fertig, dann können die Karlsruher an der Kreuzstraße wie an mehreren anderen Fächerstrahlen den Boulevard ohne Autodurchgangsverkehr, aber mit dann mit Straßenbahnverkehr, ebenerdig queren.

Weniger Schikane

Die nächste Veränderung für die Autofahrer kommt am Ettlinger Tor. Dort entfällt in einigen Tagen für den Verkehr Richtung Karlstor die U-Schikane. Die Asphaltwalzen stehen schon in Stellung. Die Fahrbahn kommt auf den Deckel des Kombibauwerks.

Auf der Südseite des Ettlinger Tors wird anschließend noch einmal aufgebuddelt, damit im Spätherbst – so die Einschätzung der Kasig – die neue Ettlinger Straße nach Jahren der Sperrung wegen des U-Strab-Einbaus ohne Einschränkungen frei befahrbar ist.