Ettlinger Tor
Am Ettlinger Tor kreuzen sich die beiden Tunnel der Kombilösung: der Südabzweig der U-Strab und der Autotunnel unter der Kriegsstraße. Dieses "Kombi-Bauwerk" ist im Rohbau fast fertig. Nur oberirdisch schaufeln am Ettlinger Tor noch die Bagger. | Foto: jodo

Stadtumbau wird noch teurer

Kombi-Kosten steigen auf 1,2 Milliarden Euro

Die Karlsruher Kombilösung wird noch teurer. Dies geht aus einer Prognose des Kombi-Bauherrn Kasig hervor, die nächste Woche als Vorlage einer Gemeinderatsdebatte dient. Die Kalkulatoren der Kasig rechnen die Herstellungskosten für den Karlsruher Stadtumbau aktuell auf 1,2 Milliarden Euro. Dies bedeutet einen neuerlichen Kostensprung um rund 100 Millionen Euro gegenüber der Schätzung vom März 2017 als Gesamtaufwand für die Kombination aus U-Strab und Autotunnel unter der Kriegsstraße. Ursprünglich sollte die Kombi lediglich eine halbe Milliarde Euro verschlingen. Einst wurden aber nur die reinen Baukosten berechnet.

Man habe vor über einem Jahr die Bewertung von Chancen und Risiken in die Rechnung einbezogen, unterstreicht OB Frank Mentrup, der Aufsichtsratschef der Kasig. „Mehr Risiken haben sich bewahrheitet und weniger Chancen erfüllt“, zieht er Zwischenbilanz. Dies führe zu der teuersten Zahlenvariante von „Szenario D“.

„Es besteht die große Hoffnung, dass der Bau des Autotunnels nicht so hohe Preissprünge bringt“, sagt Mentrup gegenüber den BNN. Die städtische Tochter Kasig räumt wegen weiterer Teuerungsrisiken ein, dass die tatsächlichen Kombi-Kosten bei Abschluss des Jahrhundertprojekts etwa 2021 höher als 1,2 Milliarden Euro liegen können. Die Mehrkosten bei der U-Strab werden vor allem auf zwei Faktoren zurückgeführt: Zum einen wird die U-Strab auch wegen des zusätzlichen Aufwands zur Sicherung des bergmännischen Druckluftvortriebs für den Südabzweig unter der Karl-Friedrich-Straße um insgesamt 100 Millionen teurer. Um den Mehraufwand hatten die Kasig und die Firma BeMoTunnelling – gipfelnd im mehrwöchigen „Baustreik“ – 2015 gestritten. Nun zahlt die Kasig nach. Laut OB hat man „einen durch zwei Gutachten abgesicherten Kompromiss“ gefunden.

Die U-Strab kostet nach dem neuen Kostenansatz, der auf Zahlen vom September 2017 beruht, 834 Millionen Euro. Der Straßentunnel ist dagegen weiter für 230 Millionen zu bekommen. Daraus ergeben sich nach dem mittleren Risiko-Szenarium Kombi-Baukosten von 1,06 Milliarden Euro.

Die Gesamtherstellungskosten, die auch die Kosten für Finanzierung, Personal und Marketing einschließen, landen bei 1,2 Milliarden Euro. Zweiter Grund für den Kostensprung sind stark steigende Baupreise. Überhaupt treiben im anhaltenden Bauboom die vollen Auftragsbücher der Firmen die Kosten für die Bauherren in die Höhe. Mentrup räumt deshalb Probleme bei der Vergabe von Einzelgewerken ein. Gerade erst habe die Vergabekammer eine Vergabe aufgehoben.

Nicht nur die Kosten können galoppieren, der Zeitplan kann dadurch leicht ins Rutschen kommen. Auch Mentrup erkennt bei schleppender Vergabepraxis „ein hohes Zeitrisiko“, was ein Verschieben auf „der Zeitschiene“ bringen könne. Trotzdem visieren Mentrup und die Kasig weiter die Inbetriebnahme Ende 2020 für die U-Strab und Ende 2021 für den Autotunnel an.

 

 

 

Kommentar

„Milliardäre“

Rupert Hustede

 

 

Alles wird teurer – auch die U-Strab. Bei Mammutprojekten, bei denen zwischen erstem Kostenplan und Endabrechnung „locker“ 20 Jahre liegen, kann der Kostensprung den Rahmen üblicher Rechenkunst sprengen. Karlsruhe will sich zwar allzu gerne mit den Metropolen messen. Inzwischen hat sich Badens Nummer eins mit seinem Jahrhundertprojekt im Milliardärs-Club etabliert.

Mit den Milliarden-Lawinen, welche „Stuttgart 21“, Hamburg mit der Elbphilharmonie oder gar Berlin mit seiner Bauchlandung beim St. Nimmerleins Flughafen ausgelöst haben, kann sich die Kombi-Bau-Stadt aber immer noch nicht so richtig messen.
Sicher schmerzt es den Konzern Stadt und damit die Steuern zahlenden Bürger, dass die Zeche für den City-Umbau weiter wächst. Doch seitdem mit OB Mentrup mehr Licht in den Kosten-Tunnel kam, scheinen zwei Dinge klar: Auch eine transparente Gesamtrechnung ist nur eine Prognose. Wenn man also in sieben Jahren um 2025 den kompletten Stadtumbau abrechnet, dann werden wohl schon rund 1,5 Milliarden Euro zusammenkommen.
Immerhin sind jetzt die risikoreichsten und aufwendigsten Tiefbau-Arbeiten für den Vortrieb und das Betonieren der U-Strab-Röhre geschafft. Bei der Kombi kann Karlsruhe also nun trotz der gewaltigen Steigerung um 100 Millionen Euro durchatmen, noch lange aber nicht aufatmen.

Lassen sich indes die Vergabeprobleme beim Innenausbau nicht rasch lösen, droht auch der Zeitplan der U-Strab-Strategen ins Rutschen zu geraten: Statt Weihnachten 2020 wird bereits jetzt Silvester 2021 oder 2022 als Start des unterirdischen Bahnverkehrs gut vorstellbar. Eine weitere Verzögerung der eigentlich seit Weihnachten 2016 überfälligen Inbetriebnahme der U-Bahn wird zudem entsprechend an der Kostenspirale drehen.