Das Pflaster aus 16 Zentimeter dicken und bis zu 280 Kilo schweren Granitsteinen fasst auf der nördlichen Marktplatzseite die Pyramide ein. Auch das integrierte Mosaikband schließt sich schon. Der Rote Teppich für die Bürger ist nur Provisorium, um durch die Baustelle zu kommen. Er schützt die Steine vor vorzeitiger Verfärbung.
Das Pflaster aus 16 Zentimeter dicken und bis zu 280 Kilo schweren Granitsteinen fasst auf der nördlichen Marktplatzseite die Pyramide ein. Auch das integrierte Mosaikband schließt sich schon. Der Rote Teppich für die Bürger ist nur Provisorium, um durch die Baustelle zu kommen. Er schützt die Steine vor vorzeitiger Verfärbung. | Foto: Sandbiller

Neugestaltung

Kommen doch noch Bäume auf den Karlsruher Marktplatz?

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Wachsen doch noch Bäume in den Himmel über dem Marktplatz? „Das wird jetzt intensiv, ernsthaft und ergebnisoffen untersucht“, sagt Baubürgermeister Daniel Fluhrer. Der Protest aus der Bürgerschaft gegen die Totalversiegelung und die Offenheit des Baudezernenten, des neuen Querdenkers für die Stadtgestaltung, machen es möglich.

Mindestens acht große Bäume sollten es laut Fluhrer schon sein, um keine nur symbolische Augenwischerei zu sein, sondern eine begrünende Wirkung zu haben. Diese Bäume könnten demnach nur an den Platzseiten stehen, wo sie neben der U-Strab-Betonschachtel Wurzeln schlagen können.

Wir bekommen Lösung mit mehr Vegetation hin

Daniel Fluhrer, Baubürgermeister der Stadt Karlsruhe

Mit OB Frank Mentrup sei er sich einig, „dass wir eine Lösung mit Vegetation für den Marktplatz hinbekommen“, unterstreicht Fluhrer.

Zukunft des Marktplatzes lässt Bürgern keine Ruhe

Die Zukunft ihres Marktplatzes lässt den Karlsruhern keine Ruhe. Seit neun Jahren ist per Wettbewerb für die Kombi-City-Gestaltung eigentlich entschieden: Die gute Stube der Fächerstadt wird nach dem Einbau der U-Strab wieder totalversiegelt.

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Grün und Schatten durch Bäume galten dabei wegen dem in nur fünf Metern Tiefe liegenden Betondeckel der Haltestellenschachtel und dem Leitungsdschungel für den Christkindlesmarkt darüber als unmöglich. Zudem konnte und wollte sich die dem Denkmalschutz, der Stadtbildpflege und der Weinbrenner-Verehrung verpflichtete Stadtpolitik ohnehin nichts anderes als eine geschlossene Fläche im klassizistischen Ensemble um die Pyramide vorstellen.

Problem „Marktplatz“ nicht unter den Roten Teppich kehren

Zwei Phänomene lassen die Diskussion nun aber wieder aufflammen: Mit der spürbaren Erderwärmung ist der Klimaschutz das Topthema in Gesellschaft und Staat. Und dann hat auch noch in diesem Sommer das große Plätteln mit hellem Granit aus Portugal begonnen.

Viele Menschen schütteln da den Kopf. Sie meinen, dass die selbst ernannte „Grüne Stadt“, deren Gemeinderat erst jüngst den „Klimanotstand“ per Beschluss erklärt hat, diese ökologische Sünde nicht begehen dürfe. Auch im Rathaus hat man eingesehen, dass man das Problem „Marktplatz“ nicht unter den Roten Teppich kehren kann, den das Tiefbauamt als Schutzläufer auf das frische Steinparkett gelegt hat.

Wasserdüsen sollen für Abkühlung sorgen

Überhaupt haben Mentrup&Co auch auf Druck aus dem Stadtparlament inzwischen klimatisch nachgebessert: Zwischen Pyramide und Kaiserstraße sind schon 31 Düsen installiert. Schon im nächsten Sommer sollen dort Fontänen für Abkühlung per Dusche oder mittels Verdunstung sorgen, während dann noch bis Ende 2020 die Südseite des Platzes zwischen Rathaus und Stadtkirche Pflasterbaustelle sein wird.

„Ich kann jetzt keine Grundsatzdebatte mehr führen“, räumt Fluhrer ein. Aber „das Argument Weinbrenner“ dürfe angesichts des aufgeheizten Klimas ein Nachdenken über Verbesserungen wenigstens im Detail nicht abwürgen, meint er.

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Die Frage laute also: „Was können wir jetzt noch tun?“ Neben der Option auf acht plus x Bäume setzt Fluhrer auch auf „große mobile Pflanzkübel“. Überhaupt gehe es um ein Konzept für verschiebbare und damit frei gruppierbare Bänke und Stühle in der guten Stube. Überdies sind Sonnensegel im Gespräch.

Baubürgermeister regt neuen Anstrich fürs Rathaus an

Auch die Bürger sind gefragt: Fluhrer verspricht eine temporäre Adresse auf der Baustelle, „wo sich die Bürger mit Ideen einbringen können“. Für Fluhrer ist auch der rote Anstrich des Rathauses kein tabu. Vor sechs Jahren kam diese Farbgebung.

„Wir müssen die Fassadenfronten des Marktplatzes noch mal in die Hand nehmen“, meint er. Fluhrer plädiert dabei für das Anstrahlen des Rathauses und eine gelbe Farbe wie bei den anderen Weinbrenner-Bauten. Langfristig kann sich der Bürgermeister zudem Läden und Restaurants im Erdgeschoss des Rathauses vorstellen.