So hat Karlsruhe gewählt

Kommunalwahl in Karlsruhe: Wo die Grünen besonders stark sind und die AfD auf Platz eins liegt

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Im Januar 1980 wurden die Grünen bei einem Parteitag in Karlsruhe aus der Taufe gehoben, knapp vier Jahrzehnte später haben sie ihre Geburtsstadt als stärkste Kraft bei den Kommunalwahlen erobert. In manchen Stadtteilen erreichen sie 40 Prozent. In sieben Wahlanalysen zeigen die BNN, welche Stadtteile wie gewählt haben.

Mit diesem deutlichen Wahlausgang hat wohl kaum jemand gerechnet: Mit 30,1 Prozent stellen die Grünen 15 von insgesamt 48 Gemeinderäten. Selbst in den Karlsruher Randbezirken, ehemals CDU-Hochburgen, liegen jetzt mit wenigen Ausnahmen die Grünen vorn. Bei Christ- und Sozialdemokraten herrscht dagegen Katzenjammer. Sie fallen mit 18,7 beziehungsweise 14,3 Prozent deutlich zurück und kommen gemeinsam nur noch auf 16 Sitze im Stadtparlament, gerade mal einen Sitz mehr als die Grünen.

Sieben Wahlanalysen nach Stadtteil

Doch auch bei den anderen Parteien gab es Überraschungen. Je dunkler die Farbe, desto stärker die jeweils (erstplatzierte) Partei. Keine Karte zu sehen oder zu klein? Hier klicken

  • In allen Stadtteilen stieg die Wahlbeteiligung im zweistelligen Prozentpunktebereich. In Oberreut ist sie mit 37 Prozent am niedrigsten, in Hohenwettersbach mit 75 Prozent am höchsten.
  • Die SPD büßt zwar überall Stimmen ein, trotzdem gelingt ihr in Karlsruhe-Wolfartsweier erstmals seit 2004 wieder ein überraschender Sprung an die Spitze eines Stadtteils – nicht zuletzt, weil die CDU in Wolfartsweier deutlich mehr Stimmen verloren hat.
  • Die AfD bekommt in Oberreut die meisten Stimmen und wird damit zum ersten Mal stärkste Kraft in einem Karlsruher Stadtteil. Mit 22 Prozent liegt sie in Oberreut auf dem Niveau vieler Pforzheimer Stadtteile.
  • Die Grünen, auch das zeigt ein Blick auf die Zahlen, sind dort am stärksten, wo die Quadratmeterpreise am höchsten sind (3300 bis 3700 Euro). Dort erreichen sie mit 40 Prozent Volksparteiwerte. In Stadtteilen, in denen besonders viele Wahlberechtigte leben, die 65 Jahre oder älter sind, schneiden sie schlechter ab.
  • Die Satire-Partei „Die Partei“ kann nach den Erfolgen bei der Europawahl auch bei der Kommunalwahl in Karlsruhe punkten. Sie ist – mit Einschränkungen auch die Linke – dort am stärksten, wo der Anteil der Männern (54 bis 56 Prozent) am höchsten ist. Aber auch in den studentisch geprägten Stadtteilen mit vielen Erst- und Zweitwählern, Ausländern und Konfessionslosen ist die Partei auffällig stark.
  • Die CDU kommt trotz Verlusten auch weiterhin auf hohe zweistellige Ergebnisse – besonders in Stadtteilen, wo viele (junge) Familien leben.

Schon am Sonntagabend hatte sich in den Wahl-Prognosen abgezeichnet, dass die Karlsruher Wähler neue Schwerpunkte in der Kommunalpolitik setzen. Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) betonte bereits am Wahlabend, dass das Ergebnis den Gemeinderat gewaltig verändern werde. „Ich hoffe, dass es beim partnerschaftlichen Miteinander bleibt“, lautete sein Wunsch.

Traditionell konservative Viertel werden grün

Schon bei der Landtagswahl 2016 hatte sich gezeigt, dass die Karlsruher Grünen längst aus ihrem Nischendasein herausgewachsen sind. Damals holten Bettina Lisbach mit 36,2 Prozent und Alexander Salomon mit 35,1 Prozent als Grüne-Kandidaten unangefochten die beiden Direktmandate. Mit Ergebnissen von über 40 Prozent waren die Südstadt, die Oststadt, Rüppurr und Beiertheim-Bulach sowie die Südweststadt, die Weststadt und Innenstadt-West die Hochburgen der Grünen. Als traditionell konservative Wahlkreise galten bislang eher Stupferich oder der alte Teil von Neureut. Den Erfolg 2016 hatten die meisten Vertreter der anderen Parteien in Karlsruhe auf den Kretschmann-Effekt zurückgeführt – ein Fehler wie sich jetzt herausstellte.