Mit dem Smartphone im Internet surfen ist in der Nähe der Hot Spots von KA-WLAN problemlos möglich. In und um Karlsruhe gibt es etwa 100 Zugänge für das kostenfreie Funknetzwerk.
Mit dem Smartphone im Internet surfen ist in der Nähe der Hot Spots von KA-WLAN problemlos möglich. In und um Karlsruhe gibt es etwa 100 Zugänge für das kostenfreie Funknetzwerk. | Foto: Uli Deck / dpa

Karlsruher Vorzeigeprojekt

Kostenloses KA-WLAN soll weiter wachsen: neue Hot Spots geplant

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Mittlerweile gibt es in und um Karlsruhe bereits 100 Hot Spots von KA-WLAN. Und das Netz soll weiter wachsen. In den kommenden Wochen wird aller Voraussicht nach ein neuer drahtloser Internet-Zugangspunkt auf dem Gelände des Kreativparks Alter Schlachthof eingerichtet. Und auch in den Bergdörfern gibt es bald einen neuen Hot Spot.

An die Gründung des kostenfreien Funknetzwerks KA-WLAN kann sich Bernd Strehhuber noch sehr gut erinnern. „Eigentlich entstand das ganze Projekt aus einer Bierlaune heraus. Wir wollten den Karlsruhern einen freien Zugang ins Internet ermöglichen und haben uns zunächst einmal auf das Gelände der Universität konzentriert“, erzählt der Vorsitzende des Vereins INKA.

Das war im Jahr 2003. Internet war für viele Menschen noch ein Fachbegriff, Facebook noch eine vage Idee des Studenten Mark Zuckerberg und Smartphones ein Spielzeug von Informatikern und Nerds.

Bereits vier Jahre später war die Digitalisierung in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Durch die Einführung von Apples ersten iPhone waren mobile Computer im Hosentaschenformat salonfähig geworden und im Stadtzentrum wurden die ersten 17 Sendemasten für das freie Internet-Netzwerk KA-WLAN freigeschaltet.

Kinderkrankheiten ausgemerzt

Die damaligen Kinderkrankheiten wie instabile Funkverbindungen oder umständliche Anmeldung sind schon längst ausgemerzt. Und für den weiteren Ausbau erhält INKA inzwischen Unterstützung von Partnern wie dem Unternehmernetzwerk Cyberforum, dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sowie dem Wissenschaftsbüro und dem Amt für Informationstechnik und Digitalisierung der Stadt Karlsruhe.

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In den kommenden Wochen wird aller Voraussicht nach ein neuer drahtloser Internet-Zugangspunkt auf dem Gelände des Kreativparks Alter Schlachthof eingerichtet. Und auch in der Ortsverwaltung Stupferich kann laut Auskunft des Amts für Informationstechnik bald mit KA-WLAN gesurft werden.

In den anderen Bergdörfern sorgen solche Meldungen für Begehrlichkeiten. Der Ortschaftsrat Hohenwettersbach will das Rathaus ebenfalls mit dem freien Karlsruher Funknetzwerk bespielt haben, und an diesem Dienstag wird im Ortschaftsrat Wettersbach über einen Antrag der SPD-Fraktion zur Einrichtung von neuen Hot Spots in Grünwettersbach und Palmbach diskutiert.

Keine großen Hoffnungen für Grünwettersbach

Viele Hoffnungen sollten sich die Grünwettersbacher allerdings nicht machen, dämpft der städtische IT-Leiter Markus Losert allzu hohe Erwartungen. Wegen des vom Gemeinderat geforderten Ausbaus der Internet-Verbindungen an Schulen könnte in naher Zukunft zwar die Heinz-Barth-Schule als Bildungs-, Kultur- und Sportzentrum an KA-WLAN angeschlossen werden.

Ansonsten fehle es in Grünwettersbach und Palmbach derzeit aber an den technischen Voraussetzungen für die Einrichtung neuer Hot Spots.

Die meisten der bisherigen Internet-Zugangspunkte wie auch das Rathaus Grünwettersbach wurden nämlich direkt an das städtische Basisnetz angeschlossen und dieses reicht noch nicht bis in sämtliche Ecken des Stadtgebiets.

Die Einrichtung von Hot Spots an externen Hochgeschwindigkeitsleitungen ist laut Losert zwar möglich und wird von Fall zu Fall geprüft. „Aber man will sich nicht ohne Not Sicherheitsrisiken ins Haus holen“, betont Losert.

Manchmal werden kreative Lösungen gefunden

Eile sei beim Netzausbau keine geboten und neue Hochgeschwindigkeitsleitungen werden deshalb nur in Kombination mit anderen Baumaßnahmen verlegt. „Wenn an einer Straße ohnehin Tiefbauarbeiten vorgenommen werden, können dort natürlich neue Leitungen verlegt werden“, so Losert.

Manchmal werden auch kreative Lösungen gesucht und gefunden. Um die Seebühne im Stadtgarten ans Funknetz anzuschließen, wurde das dafür benötigte Kabel auf dem Grund des Stadtgartensees verlegt. „Dadurch können Zoobesucher von der Bühne aus kostenfrei im Internet surfen“, erläutert Losert den Sinn und Zweck dieser Aktion.

Für Strehhuber steht beim weiteren Ausbau des Netzes ebenfalls der gesellschaftliche Nutzen im Vordergrund. „Das kostenfreie WLAN war von Anfang an als Bürgerservice an stark frequentierten öffentlichen Plätzen und in wichtigen Institutionen gedacht. Daran hat sich bis heute eigentlich nichts geändert“, sagt Strehhuber.

Das bedeutet: In einem Jugendzentrum oder an einem von vielen Menschen genutzten Platz ist die Einrichtung eines Hot Spots auch in den dörflich geprägten Stadtteilen möglich.

KA-WLAN nur für öffentlichen Raum

Ein flächendeckendes Funknetz über sämtliche 27 Stadtteile wird aber auch in Zukunft nicht gespannt. Und die Grundversorgung der Karlsruher mit dem Internet ist ebenfalls nicht die Zielsetzung des Projektteams. „Wer in seiner Wohnung mit KA-WLAN im Internet surfen kann, hat schlichtweg Glück und wohnt direkt im Einzugsbereich eines der Funkmasten“, betont Strehhuber. Normalerweise werde KA-WLAN aber ausschließlich im öffentlichen Raum genutzt.

Die große Nachfrage lässt sich durch Zahlen dokumentieren. Im Dezember 2019 griffen 112.000 Nutzer insgesamt 3,5 Millionen Mal auf das Netzwerk zu. Dabei wurden 120 Terabyte Daten heruntergeladen.

Ein Ende des Trends erwartet der INKA-Vorsitzende nicht: „So lange eine Internet-Flatrate mit unbegrenztem Datenvolumen fürs Smartphone bis zu 80 Euro im Monat kostet, werden sich die Leute im öffentlichen Raum weiterhin in frei zugängliche Netzwerke einloggen.“