Gut erkennbar: die neue Osttribüne des Stadions. Es naht der Beginn des Baus der Dachkonstruktion. Der Gemeinderat steht weiter hinter dem Projekt. | Foto: jodo

Neubau Wildparkstadion

Kostensteigerung beim Stadionbau: Selbst Kritiker im Gemeinderat wollen keine „Bauruine“

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Der Bau des Wildparkstadions könnte um bis zu 24 Millionen Euro teurer werden. Eine „Bauruine“ lehnten die Karlsruher Stadträte bei ihrer Sitzung am Dienstagabend jedoch ab. Kritik an den Kostensteigerungen gab es trotzdem. Die tiefen Zerwürfnisse der Vergangenheit wiederholten sich allerdings nicht.

Eine „Bauruine“ im Wildpark – dieser Ausdruck wurde mehrfach im Gemeinderat gebraucht, wollte niemand. Deshalb war der Weg der Abstimmung und zu einer klaren Zweidrittelmehrheit pro Weiterbau vorgezeichnet.

Dass das im Bau befindliche neue Wildparkstadion deutlich teurer kommt als geplant, beschäftigt seit Anfang März die Kommunalpolitik. Die Stadt hatte unterdessen den Korridor der Teuerung auch klar benannt und ein Worst-Case-Szenario beschrieben. Demnach hält es die Stadt für wahrscheinlich, dass der Bau des eigentlichen Stadionkörpers um bis zu 21 Millionen Euro, die Infrastrukturmaßnahmen im Umfeld um drei Millionen Euro teurer werden.

Anstatt aktuell geplant 119 Millionen könnte das Gesamtprojekt dann nach der Fertigstellung im Sommer 2022 bei 142 Millionen Euro landen, informierte die Stadt in den vergangenen Tagen noch einmal ausführlich die Stadträte.

Es gibt Kritik, aber der große Krach bleibt aus

Natürlich löste dies im Rat keine Freude aus, doch die tiefen Zerwürfnisse der Vergangenheit wiederholten sich nicht. Zwar war noch die alte Schlachtordnung in Sachen Stadion erkennbar: Grüne, AfD und Linke, immer schon Gegner des Projekt, kritisierten die Kostensteigerung, forderten wie andere auch klare Kostenkontrolle, aber ließen auch erkennen, dass der Bau beendet werden muss.

„Planungsfehler der Stadt“ seien zum Teil für die Kostensteigerungen mitverantwortlich, kritisierte Grünen-Fraktionsvorsitzender Aljoscha Löffler. Man sei verantwortungslos mit dem Geld der Stadt eine „Sportwette“ eingegangen. Nun müsse man zu Einsparungen kommen.

Dass der KSC jemals das Stadion abzahlen kann, können wir uns abschminken.

Lüppo Cramer (Karlsruher Liste)

Linke-Stadtrat Lukas Bimmerle sagte, von Anfang an hätte man vernünftig Kosten planen müssen. Jetzt stehe man aber vor der Frage, wie man mit dem Projekt umgeht. Man müsse den Bau anständig beenden.

Ähnlich äußerte sich Ellen Fenrich von der AfD: „Was bleibt uns anderes übrig als jetzt Ja zu sagen?“. Auch Friedemann Kalmbach (Freie Wähler/Für Karlsruhe) sah eine Alternativlosigkeit. Lüppo Cramer (Karlsruher Liste) stellte fest: „Dass der KSC jemals das Stadion abzahlen kann, können wir uns abschminken“.

CDU-Sprecher Detlef Hofmann verwies auf die Vielschichtigkeit der Kostensteigerungen, auch auf den gestiegenen Baupreisindex. Es sei nicht redlich, nun die Stadt für ein „Worst-Case-Szenario zu geißeln“.

SPD-Stadträtin Sibel Uysal verwies ebenfalls auf den Baupreisindex und auf das riskante Bauen im Bestand. Karl-Heinz Jooß (FDP) äußerte Unverständnis über Planungsmängel.

Mentrup hebt Idenfitikation mit dem KSC hervor

OB Frank Mentrup erinnerte an die Vorgeschichte, die Notwendigkeit eines neuen Stadions und die hohe Identifikation in Stadt und Region mit dem KSC. Er könne aber dem Gremium guten Gewissens empfehlen weiter zu machen. Dazu gehöre, dass der „Verein diese Krise ein Stück weit überwunden hat,“ spielte der OB auf die Vorgänge der vergangenen Tage beim KSC an.

Mannschaftsbus des Karlsruher SC
OB Mentrup hofft, dass der KSC seine Krise überwunden hat. Er verweist auch auf die hohe Identifikation in Stadt und Region mit dem Karlsruher Fußballverein. | Foto: Uli Deck/dpa

Der Gemeinderat nahm mehrheitlich das Ergebnis der dargestellten Kostenentwicklung und des ausgewiesenen Risikos zur Kenntnis und stimmte der Fortführung zu. Dabei seien im Rahmen eines Kostencontrollings ständig Optimierungen zu prüfen und Einsparungen einzuarbeiten, so der Beschluss. Die Gegenstimmen dazu kamen wesentlich von den Grünen.