So könnte ein Geothermie-Kraftwerk der Deutschen ErdWärme aussehen.
So könnte ein Geothermie-Kraftwerk der Deutschen ErdWärme aussehen. | Foto: Deutsche ErdWärme

Erneuerbare Energien

Kritische Fragen zu möglichem Geothermie-Projekt in Karlsruhe-Neureut

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Wer in Deutschland mit Geothermie Geld verdienen will, der muss erstmal Ängste abbauen. Zu tief haben sich die Bilder von Rissen in der Erde und in Häusern vielen ins Gedächtnis eingebrannt. Das weiß auch Manfred Dittmer, Chef der Karlsruher Firma Deutsche ErdWärme.

Entsprechend gut vorbereitet sitzt er am Dienstagabend im Sitzungssaal des Neureuter Rathauses, stellt sein Projekt vor und beantwortet geduldig die zahlreichen Fragen der Ortschaftsräte. Man habe aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt, versichert Dittmer. „Sicherheit steht im Fokus all unserer Aktivitäten“, sagt er mehrfach. Überzeugen kann er damit nicht alle – aber damit hat er wohl auch nicht gerechnet.

Vieles spricht für Neureut

Dass Dittmer im Neureuter Ortschaftsrat vorstellig wird, ist kein Zufall. Die Auswertung von Messdaten auf der Suche nach dem besten Standort dauert zwar noch an. Doch der Untergrund im Norden Karlsruhes ist schon jetzt mehr als ein Geheimfavorit, so tief lässt Dittmer zu Beginn seines Vortrags blicken: „Die Zeichen verdichten sich. Die Ingenieure geben uns positive Signale.“

Bis man ganz sicher sein könne, würden aber gut zwei Monate vergehen. Erst dann könne konkreter gesprochen werden und eventuell die Suche nach einem geeigneten Bohrplatz beginnen.

Seit Juni 2016 hat Dittmers Firma Deutsche ErdWärme die Erlaubnis, unter anderem im Raum Karlsruhe nach lohnenswerten Vorkommen zu suchen. In etwa 3 000 bis 4 000 Metern Tiefe erwarten Experten eine Temperatur von bis zu 200 Grad Celsius. Eine kommerzielle Förderung wäre denkbar. Mindestens vier Anlagen will die Deutsche ErdWärme im Bereich des Rheinsgrabens in den nächsten Jahren bauen.

Ortschaftsrat hat viele Fragen

Auf dem Weg dorthin wird Dittmer noch einiges an Überzeugungsarbeit leisten müssen, das zeigt sich in Neureut. Die Ortschaftsräte haken bei technischen Details immer wieder nach, doch das meiste Stirnrunzeln lösen Sicherheitsbedenken aus.

Die schiefgelaufenen Geothermie-Projekte, die in Staufen und Landau Hebungen beziehungsweise kleine Erdbeben ausgelöst haben, haben alle vor Augen. Dittmer äußert Verständnis, sagt aber: „In beiden Fällen wurden Fehler gemacht. Die notwendige Kenntnis des Untergrunds war nicht vorhanden. Diese Daten sind der wichtigste Sicherheitsaspekt.“ Seiner Firma liegen hochauflösende, dreidimensionale Bilder des Untergrunds vor. Im Großraum Karlsruhe musste die Deutsche ErdWärme diese Daten nichtmal selbst erheben. Sie konnte auf Rohmaterial von der Erdölsuche vor einigen Monaten zurückgreifen. Im nördlichen Landkreis muss sie bald selbst suchen.

 

Warum können ausgerechnet Sie es besser?

Eigene Projekte hat die 2014 gegründete Firma noch nicht umgesetzt, das ist mehrfach Thema. Man habe sich Erfahrung und Fachwissen eingekauft, versichert Dittmer. Doch dass er noch viele Gespräche brauchen wird, um Amtsträger und Öffentlichkeit zu überzeugen, wird er an der abschließenden Frage von CDU-Ortschaftsrat Karsten Lamprecht gemerkt haben: „Die Historie weckt große Ängste. Warum können ausgerechnet Sie es besser als andere, die Fehler gemacht haben?“ Man habe daraus gelernt, versichert Dittmer zum sicher fünften Mal an diesem Abend. Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein.