Der CDU-Politiker Ingo Wellenreuther ist gegen den Auftritt von „Feine Sahne Fischfilet“ bei „Das Fest“.
Ingo Wellenreuther, Präsident des Karlsruher SC, fühlt sich ungerecht behandelt und wehrt sich gegen angebliche Störfeuer. | Foto: Deck

Verwaltungsrat erklärt sich

KSC-Boss Wellenreuther beklagt „unwahre Gerüchte“

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Ingo Wellenreuther, Präsident des Karlsruher SC, fühlt sich ungerecht behandelt, wehrt sich gegen angebliche Störfeuer und zeigt gleichwohl Verständnis dafür, dass Karlsruhes OB Frank Mentrup schriftlich „aktualisierte Antworten“ zu Zukunftsfragen des KSC und dessen Strategien erwartet, „vor allem nach der irritierenden Berichterstattung und der Verbreitung von unwahren Gerüchten in den Medien“, wie Wellenreuther am Sonntag anführte.

Für den KSC-Boss ist die Erledigung von Mentrups Anliegen reine Formsache, denn wesentliche Fragen seien ja erörtert: „Diese Antworten haben wir bereits am Mittwoch, den 5. September, am Rande eines Spitzengespräches zu Stadionfragen mündlich gegeben und werden auch die schriftlichen Fragen des OB gerne schriftlich beantworten.“

Mentrup hatte während seines Besuchs im Verlagshaus der BNN am Freitag darauf verwiesen, dass er dem KSC an besagtem Mittwoch die Zustellung eines Fragenkatalogs avisiert habe, dessen Beantwortung dem KSC die Möglichkeit gebe, „den Gemeinderat zu überzeugen“.

Mentrup spricht von „schwindender Vertrauensbasis“

Die neuen Antworten würden in die politische Diskussion zum Stadionneubau einfließen, so Mentrup, der daneben eine „schwindende Vertrauensbasis“ in der Betrachtung des KSC aussprach. Als „relativ bedeutsam“ führte er dabei den Weggang des Geschäftsführers Helmut Sandrock an (die BNN berichteten). Wellenreuther verwies darauf, dass es nicht um Personen gehen könne. „Die Banken waren sehr zufrieden, dass wir die Personalie des Geschäftsführers so schnell und mit Michael Becker sehr kompetent neu besetzt haben“, betonte er nochmals.

Wellenreuther wiederholte auch, dass der Fußball-Drittligist das Konzept des Vereins, wie von Sandrock den Banken und der Stadt vorgestellt, in allen Punkten umsetzen werde. Energisch widersprach er der Darstellung, dass den Verein an die 20 Millionen Euro Verbindlichkeiten belasten würden. „Es sind weniger als fünf Millionen Euro Verbindlichkeiten und zirka eine Million Rückstellungen. Wer etwas anderes behauptet, ist entweder nicht richtig informiert, nicht ausreichend sachkundig oder will dem KSC schaden.“

Wellenreuther: Kölmel-Vertrag keine Frage der Verbindlichkeiten

Die im Laufe der Jahre angehäuften Besserungsscheine in nicht genannter Höhe – vor einem Jahr war das Volumen vom Vorstand auf Nachfrage mit 6,7 Millionen Euro beziffert worden? Auf die Rückzahlung von Krediten beziehungsweise Zahlungen, die die Blau-Weißen von Vizepräsident Pilarsky und anderen bekommen haben, sei teilweise verzichtet worden.

Rückzahlungsverpflichtungen daraus entstünden erst dann, wenn der Verein irgendwann einmal keinerlei negatives Eigenkapital mehr habe und zusätzlich in einem Geschäftsjahr Gewinne erziele. „Deshalb sind das keine Verbindlichkeiten“, ordnete Wellenreuther den Sachverhalt in Vertretung des Vorstands ein.

Der Kölmel-Vertrag, zur Rettung des KSC im Jahr 2000 gegen Zahlung von 15 Millionen D-Mark geschlossen und 2010 mit einem Vergleich neu geregelt, sei auch keine Frage, die das Thema Verbindlichkeiten berührt. Der Drittligist hat vielmehr zum 30. Juni 2019 per Sonderkündigungsrecht die Chance, Kölmels zehn- beziehungsweise 15-prozentige Beteiligung an den TV-Erlösen zu beenden.

Dafür müsste der KSC den Ausgangsbetrag (7,5 Millionen Euro) zurückzahlen, andernfalls begleicht er weiter seine Anteilszahlungen bis zum Erreichen der festgelegten Maximalsumme von 21 Millionen Euro weiter. In Liga drei zahlt der KSC 105.000, in der Zweiten wären es etwa 1,2 Millionen Euro. Verwaltungsratschef Steidl bestätigte die Darlegungen Wellenreuthers und versicherte: Alles sei „unter Kontrolle“.

Zukunftsforum der KSC-Fans

Bei ihrem ersten Zukunftsforum erörterten etwa 80 KSC-Fans ihre Vorstellungen zu künftigen Finanzierungsmöglichkeiten des Vereins, dessen Kommunikation und Außendarstellung sowie freilich auch sportliche Aspekte.

Die Ergebnisse aus den in Workshops vertieften Themenbereichen wolle man zuerst dem Verein vorstellen, sagte Marco Fuchs, der zweite Vorsitzende des Fandachverbands „Supporters“. „Vielleicht müssen wir uns alle ein bisschen an die eigene Nase fassen und hinterfragen, ob wir in der Vergangenheit nicht viele Sachen zu rosig gesehen haben“, sagte Fuchs.

Noch immer sei es ihm „viel zu ruhig“ angesichts der Lage, in der die Anhänger ihren Verein wähnen. Die Zahlen nahm man immer so hin, hinterfragt wurde zu wenig, findet Fuchs. „Sicher ist, dass wir uns in den letzten Jahren immer weiter in die Abhängigkeit einer einzigen Person begeben haben, aus der man jetzt – Stichwort sportliche Situation – schwer wieder herauskommt.“

Verwaltungsrat lehnt Interview ab und äußert sich schriftlich

Mehr Transparenz, das wünschen sich die Fans. Welchen Blick auf die Lage ihres Vereins die Verwaltungsräte des KSC haben? Ihm gehören in Bernd Bechtold (b.i.g.-Gruppe), Dieter Hegele (Logistikunternehmer), Horst Marschall (Vorstandsmitglied BW-Bank i.R.), Gerhard Rastetter (Vorstandsvorsitzender Volksbank Karlsruhe i.R.), Martin Müller (GEM Ingenieurgesellschaft mbH), Ex-Präsident Hubert H. Raase (Hubert Raase GmbH) und Steidl (Steidl Küchenatelier GmbH) kompetente Persönlichkeiten der Wirtschaft an.

Eine Interviewanfrage der BNN lehnte der zur Beratung und Kontrolle eingesetzte Rat ab. Sprecher Steidl richtete am Sonntag die Haltung seines Gremium aus, man wolle sich weiterhin nicht öffentlich äußern. Ein Fragenkatalog blieb unbeantwortet.

Update: Am Montagmittag äußerten sich KSC-Präsidium und -Verwaltungsrat doch in einer gemeinsamen Erklärung auf der Homepage des Vereins.