Durch Ritzen im Zaun linsen sie Kiebitze beim KSC-Training. | Foto: jodo

Spiel gegen Fürth

KSC-Fans hoffen und bangen vor Liga-Finale

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Katharina Erat hat für den direkten Klassenerhalt des KSC getan, was sie kann. Seit Tagen trägt sie ihr buntes Glücksbändchen am rechten Arm. Am linken Handgelenk tickt die KSC-Glücks-Uhr. „Und meine Tochter hat diese Woche als Touristin Köln besucht und im Dom extra eine Kerze für unser Team angezündet“, sagt die Frau, die seit Kindertagen für die Elf im Wildpark brennt.

Das entscheidende Liga-Finale, das Karlsruhe am Sonntag in Fürth bestreitet, verfolgt Katharina Erat daheim. Doch zu den letzten Trainingseinheiten kommt sie in den Wildpark. Und sie ist dort nicht allein.

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Aufgeteilt in kleine Grüppchen, warten mehr als 20 Fans auf ihre Jungs. „Unsere Helden“, wie einige treue KSC-Anhänger sagen. Die Helden sind freundlich. Auf dem Weg zum Übungsgelände grüßen und winken sie. Sie lächeln, wenn Fans Fotos machen – aus gebührendem Abstand, versteht sich.

Fans linsen durch die Ritze

Der Eingang zum Trainingsgelände ist dann jedoch zu, ein Sichtschutz verhindert Einblicke. Doch mancher Zaungast beobachtet durch Ritzen das Geschehen. Die Übungen der Torleuten auf dem Platz nebenan sind nicht abgeschirmt. Einige Kiebitze verfolgen, wie die Spieler nach dem Ball hechten.

„Ich denke, dass das Team am Sonntag taktisch lange auf ein Unentschieden setzt und in der Schlussphase versucht, den Siegtreffer zu landen“, sagt ein Rentner. Seit 1972 lebt der Mann in Karlsruhe. „Eigentlich bin ich Schwabe“, berichtet er.

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Bei der Partie gegen den VfB habe er überlegt, wer die drei Punkte dringender braucht – und dann dem KSC die Daumen gedrückt. „Aber eigentlich war ich früher eh bei den Stuttgarter Kickers“, erzählt der Sportfan.

Wir müssen mit voller Power nach vorne gehen und am besten mit zwei Stürmern starten.

Daniel, KSC-Fan

Daniel, der seit 15 Jahren der Elf im Wildpark die Treue hält, glaubt an einen selbstbewussten Karlsruher Auftritt am Sonntag. „Wir müssen mit voller Power nach vorne gehen und am besten mit zwei Stürmern starten.“

Daniel steht mit weiteren Fans vor der Grenke Akademie und diskutiert die Präsidenten-Frage. Doch auch das Spiel am Sonntag ist Thema. „Ich leide sehr“, gibt Matthias Berndt zu.

Seit er Rentner ist, unternimmt er jeden Tag eine Radtour. Stets macht er dabei im Wildpark Station, selbstverständlich auch in den Tagen vor dem Entscheidungsspiel – an dem der direkte Abstieg nur theoretisch, aber sehr wohl noch die Relegation droht.

Erinnerung an Relegation des KSC 1980

„Und mit Relegation haben wir keine guten Erfahrungen …“, heißt es im Kreis der Fans. Matthias Berndt erinnert sich, dass es auch mal anders lief. 1980 nämlich. In Zeiten der zweigleisigen Zweiten Bundesliga traten die jeweils Zweitplatzierten gegeneinander an im Kampf um den Aufstieg in Liga Eins.

„Karlsruhe gewann daheim 5:1 gegen Rot-Weiß Essen, das Rückspiel ging 3:1 aus“, so Matthias Berndt. Seit 28 Jahren ist er Mitglied beim KSC. 1965 war er mit elf Jahren erstmals im Wildpark. „Das war ein Spiel in der Ersten Liga gegen 1860 München. Wir Kinder saßen im Schneidersitz auf der Aschebahn, mit dem KSC-Fähnchen in der Hand.“

Auch im Trainingslager dabei

Nadja Seith hat im Oktober 1999 ihr erstes Spiel live im Wildpark erlebt. „Eine Freundin nahm mich mit, es ging gegen Köln“, sagt die Frau aus Stutensee. Seither ist sie Fan – und jetzt zusammen mit Katharina Erat bei dem Übungseinheiten im Wildpark.

Glauben an den Sieg: Nadja Seith (links) und Katharina Erat beobachten regelmäßig Übungseinheiten im Wildpark und reisten auch schon ins KSC-Trainingslager mit.
Glauben an den Sieg: Nadja Seith (links) und Katharina Erat beobachten regelmäßig Übungseinheiten im Wildpark und reisten auch schon ins KSC-Trainingslager mit. | Foto: jodo

„Wir waren auch bei den Trainingslagern in Österreich und der Türkei dabei“, berichten die Frauen. Sie schwärmen: „Nach dem Frühstück haben wir das Training beobachtet. Wir sind auch Shoppen gegangen und haben Ausflüge gemacht – aber immer zeitlich so abgestimmt, dass wir die Testspiele sehen konnten. Und am Ende hatten wir Fußball und Erholung.“

Ein Schluck Kaffee aus der 7:0-Tasse

Jetzt spüren beide Frauen die Aufregung vor dem Spiel am Sonntag. Katharina Erat ist zuversichtlich, dass die Sache gut ausgeht. Dass ohne den Umweg Relegation die Klasse gehalten wird. „Vor dem Spiel gegen Stuttgart habe ich gesagt, dass wir eine Chance auf ein Unentschieden oder den Sieg haben. Und am vergangenen Sonntag habe ich beim Zwischenstand von 1:3 gegen Arminia noch geglaubt, dass wir zurückkommen – und so kam es.“

Gegen Fürth rechnet Katharina Erat mit einem Karlsruher Sieg, der auswärts 1:2 oder 1:3 ausfällt, so ihr Gefühl. Die Fußballbegeisterte Karlsruherin legt am Sonntag dafür nochmals nach in Sachen Glücksbringer. „Ich habe einiges an KSC-Geschirr daheim“, verrät sie. Darunter eine 7:0-Valencia-Tasse. Aus dieser wird zum Ligafinale Kaffee getrunken.