Training Karlsruher SC
Spieler des Zweitligisten Karlsruher SC beim Mannschaftstraining im Wildparkstadion. | Foto: Uli Deck/dpa

Vorbereitung auf Geisterrunde

KSC im neuen Trainingsalltag: Kämpfen, Grätschen, Rennen in Mannschaftsstärke

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Die Fußballprofis des Karlsruher SC sind in Mannschaftsstärke zurück auf dem Trainingsplatz. Am Freitag standen die ersten zwei Einheiten der kurzen Vorbereitung auf die Geisterrunde in der Zweiten Liga an, die für den abstiegsbedrohten Club am 16. Mai mit dem Spiel gegen Darmstadt 98 beginnt.

Nach gut 50 Minuten ist es dann also wieder zur Sache gegangen. Es wurde gegrätscht, die Ellbogen ausgefahren, gesprintet und gebrüllt, was das Zeug hielt bei der flotten Partie auf dem Halbfeld. „Spiel!“, Ja! Ja!“, „Geh hin!“, „Komm schon, arbeiten!“ – die Rückkehr zur Trainingsnormalität am Freitagvormittag beim Karlsruher SC, sie war auch unüberhörbar.

Es hat einen Riesenspaß gemacht. Es war wie früher.

Philipp Hofmann, KSC-Stürmer

„Wir waren alle heiß darauf. Es hat einen Riesenspaß gemacht. Es war wie früher“, sagte Stürmer Philipp Hofmann nach den ersten 90 Minuten, in denen die Profis des Fußball-Zweitligisten nach der Corona-Zwangspause wieder in Mannschaftsstärke auf dem Platz standen.

Ein Anblick, den Sportchef Oliver Kreuzer nach Wochen der beschränkten Trainingsarbeit in Kleingruppen geradezu ins Schwärmen gerieten ließ: „Das ist doch unser Beruf! Es ist wunderschön, wenn ich die Jungs da sehe.“

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Glücklich über gemeinsame Einheiten

In den zurückliegenden Wochen durfte nur in Kleingruppen trainiert werden. „Da war Kreativität gefragt. Zuletzt wurde das aber schon zäher“, gabt Cheftrainer Christian Eichner zu. „In den kleinen Gruppen  haben wir das Beste aus der Situation gemacht“, sagte Verteidiger  Dirk Carlson: „Aber Fußball ist halt ein Mannschaftssport und es war wirklich schön wieder die ganze Mannschaft zu sehen und zusammen zu trainieren.“

In der Diskussion um einen Wiederbeginn der beiden Bundesligen ist es diese Woche ja schnell gegangen. Manches dabei manch einem zu schnell. Auch Kreuzer hatte für einen Start am 23. Mai plädiert, jetzt empfängt der KSC den SV Darmstadt 98 bekanntlich schon am 16. Mai in der heimischen Stadion-Baustelle zum Geisterrunden-Start.

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Kreuzer appelliert an Eigenverantwortung der Spieler

Das gelte es, zu akzeptieren. „Jetzt habt ihr eben nur eine Woche Zeit, dann geht es los“, gab Kreuzer den Spielern bei seiner 15-minütigen Ansprache mit auf den Weg. Dabei habe er hinsichtlich der Hygieneauflagen auch an die Eigenverantwortung der Spieler appelliert.

Disziplin sei gefordert, mahnte Kreuzer. Denn während die Abstandsgebote auf dem Platz außer Kraft gesetzt sind, gelten sonst weiter die üblichen Regeln: In geschlossenen Räumen Maske tragen, zum Beispiel.

Sollte dennoch einer der regelmäßigen Tests auf das Virus bei einem Spieler mal positiv ausfallen, liegt der Ball mit Blick auf das weitere Vorgehen beim örtlichen Gesundheitsamt, wie Kreuzer betonte. Seine „Quarantäne-Trainingswoche“ würde der KSC vor dem Re-Start von Sonntag an gerne in der Sportschule Schöneck verbringen. Am Freitagnachmittag fehlte dazu aber noch die Genehmigung.

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Trainer Eichner muss den „goldenen Mittelweg“ finden

Und Cheftrainer Christian Eichner ist gefordert, in diesen Tagen den „goldenen Mittelweg“ zu finden. Nämlich: „Relativ schnell relativ weit zu kommen im Spiel elf gegen elf.“ Blaupausen für eine derartige Vorbereitung hat der frühere Profi auch bei seinem Fußballlehrer-Lehrgang nicht erhalten – die Situation ist für Novizen so neu wie für alte Trainer-Hasen.

Im athletischen Bereich habe man sehr viel gearbeitet, „aber es geht ja auch um die Fußballfitness“, betont Eichner. Automatismen, Laufwege, Wettkampfhärte. Der Lehrgang übrigens ist noch unterbrochen, Homeschooling gab es für Eichner nicht. Wann er seine Prüfungstage absolviert, ist noch nicht ganz klar.

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Zuletzt zwei Niederlagen in Folge – lange ist es her

Klar ist die sportliche Lage, aus der heraus der KSC wieder startet: Tabellenvorletzter, 24 Punkte und zuletzt – lange, lange ist es her – zwei Pleiten in Folge (Nürnberg, Heidenheim). „Ich finde schon, dass das für uns eine neue Chance ist. Es geht von vorne los“, zeigte sich Hofmann, der in Vor-Corona-Zeiten eine Art Lebensversicherung für den angeschlagenen Aufsteiger war, optimistisch.

Mit elf Treffern ist er bislang bester Torschütze der Blau-Weißen. Auch am Freitagvormittag, als schließlich noch über das nur noch etwas verkürzte Feld gespielt wurde, traf der 1,95-Meter-Mann. „Es war gut zu sehen, dass es noch funktioniert“, sagte Hofmann.