Grünes Licht für den eigenfinanzierten Bau eines Parkhauses neben dem geplanten neuen Wildparkstadion gaben die Mitglieder mit sehr großer Mehrheit | Foto: GES

Ball nun beim Gemeinderat

KSC-Mitgliederversammlung: Nachtschicht mit kritischen Nachfragen

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„Zum gestrigen Spiel möchte ich nichts sagen. Es soll ja eine erfreuliche Veranstaltung werden“, hatte der KSC-Präsident Ingo Wellenreuther früh am Abend vorausgeschickt. Lacher. Die Mannschaft des Fußball-Drittligisten, die am Tag davor mit 2:5 gegen den SV Wehen Wiesbaden verloren hatte, saß mit ihrem Trainerteam im Saal. Für die nächsten Stunden. Wellenreuther verlebte dann einen gar nicht so lustigen Abend in der Badnerlandhalle.

Mitglieder des Vereins hatten Nachfragen. Verhältnismäßig viele gar. Kritische zudem. Sogar einige, angeblich fristgerecht eingereichte Anträge, waren nicht beim Adressaten gelandet. Wieso, das ließ sich nicht auflösen. Zwischendurch kam sich Wellenreuther vor „wie im falschen Film“. Das war lange bevor die Entlastung seines Vorstands nicht einhellig ausgefallen war – 33 anwesende Mitglieder verweigerten dem Vorstand diese, 30 enthielten sich.

Beruhigende Antworten gefunden

Wellenreuther, der Präsident des rund 7 500 Mitglieder zählenden Clubs, hatte dafür kein Verständnis, hatte er doch von Beginn an „um Vertrauen“ geworben. Dabei hatte er Antworten gefunden, die den Großteil der über 600 anwesenden Mitglieder nach den stundenlangen Erörterungen den Ort der alljährlichen Zusammenkunft beruhigter in die Nacht treten ließen. Die Botschaften: Dem Fußball-Drittligisten KSC geht es wirtschaftlich beileibe nicht so schlecht, wie das im September „kolportiert worden“ sei (siehe auch „KSC mit moderaten Verlusten„).

Keine Rede von Insolvenz

Von einer drohenden Insolvenz kann und konnte nie die Rede sein. Besserungsscheine? Die Kostenverzichte von Kreditgebern haben sich erklärtermaßen auf 9,7 Millionen Euro addiert, 1,9 Millionen Euro entfallen auf die Stadt. Keine Verbindlichkeiten, betonte der Clubchef nochmals. Dass sie zu solchen werden, sei an wieder auflebende Bedingungen geknüpft, die in jedem einzelnen Fall des KSC ein positives Eigenkapital des Vereins voraussetzen, wie Geschäftsführer Michael Becker erklärte. Davon aber ist der KSC so weit weg wie die Erste Liga von seinem sportlichen Ist-Zustand auf Rang sechs der Dritten Liga. Der Kölmel-Vertrag? Ablösbar zum 30. Juni 2019 gegen eine Schlusszahlung von 8,38 Millionen Euro, was für den KSC kein notwendiges, wenn auch attraktives Szenario wäre, weil das auf Sicht eine Ersparnis von 4,37 Millionen Euro bringen würde. Denn danach betrüge der zu zahlende Restbetrag nach Abzug der an Michael Kölmel schon geleisteten Zahlungen (8,25 Millionen Euro) 12,75 Millionen Euro. Die Ausgliederung? In Vorbereitung. Neu: Der Verein hat einen „renommierten Ausrüster“ als Nachfolger für den aktuellen Partner Jako (Vertrag endet am Saisonende) und das für die Zeit zwischen 2019 bis 2024 gewonnen.

Signal an die Stadt zum neuen Stadion

Doch das für Wellenreuther und seinen Vorstand bedeutendste Ergebnis hatte er als Veranstaltungsleiter schon nach etwa 75 Minuten erzielt. Es war das eingeforderte Signal an die Stadt, dessen Gemeinderat an diesem Dienstag die letzte Entscheidung treffen soll, damit alsbald am jetzigen Standort ein neues Stadion entstehen kann. Ein mit 123 Millionen Euro Gesamtkosten für Baukörper und Infrastruktur veranschlagtes Projekt. „Voraussetzung dafür, dass die Stadt morgen einen Zusatzbeschluss macht, ist die Zusage, dass wir durch übliche Bedingungen ein Parkhaus selbst finanziert bekommen.“
Der Hintergrund: Besagtes Parkhaus, ein Wunsch des KSC mit einem Kostenvolumen von sieben bis acht Millionen Euro, war ursprünglich im Leistungspaket der Stadt enthalten, zur Budgetentlastung hatte der KSC in diesem Jahr aber zugesagt, für die Finanzierung selbst zu sorgen. Entsprechend müssten am Freitag beim Notar die Verträge angepasst werden. Einige Mitglieder überrumpelte das. „Wir bekommen hier die Wahl ,Friss oder stirb‘‘‘, monierte einer und wies auf offene Fragen zum Businessplan und zur Finanzierung hin.

Früherer KSC-Sportdirektor Rolf Dohmen im Saal

Noch am Nachmittag habe man mit Vertretern der Stadt zusammengesessen. Wer also den knappen Zeitfaktor kritisiere, „der muss sich an die Stadtverwaltung halten“, so Wellenreuther. Vizepräsident Holger Siegmund-Schultze griff die monierten Ungewissheiten auf und verwies darauf, dass im neuen Stadion 200 Veranstaltungen pro Jahr stattfinden sollen und man aus der Vermarktung der Stellplätze mit einer jährlichen Einnahme von 1,2 Millionen Euro kalkuliere. Am Ende erhielt das Präsidium das erwünschte Mandat bei 21 Enthaltungen und einer Gegenstimme. „Kontrovers diskutiert“ werde „hinter verschlossenen Türen“, das selbstredend auch mit dem Präsidium, betonte Michael Steidl. Der Verwaltungsratsvorsitzende lobte die Fortschritte des Vorstands beim Umstrukturierungsprozess. „Für diese Spielzeit wurden vom Präsidium deutlich reduzierte Ausgaben von 2,5 Millionen Euro geplant“, so Steidl.
Im Saal befand sich auch der frühere KSC-Sportdirektor Rolf Dohmen, der Wellenreuther im Herbst 2019 herausfordern will. Auch Dohmen nahm viele Informationen mit: Geschäftsführer Michael Becker soll mehr Kompetenzspielräume bei der alltäglichen Arbeit erhalten. Die entsprechende Satzungsänderung dazu nahmen die Mitglieder an. Petra Schalm (Gondelsheim) wurde in den Vereinsrat gewählt.