Die Verantwortlichen des KSC wollen mit der Stadt eine gemeinsame Erklärung veröffentlichen.

Baustelle Wildparkstadion

KSC versucht die Wogen im Streit mit der Stadt Karlsruhe zu glätten

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Nachdem es zwischen KSC und Stadt in Sachen Stadionbau einmal mehr gewaltig geknirscht hat, versucht der KSC, die Wogen zu glätten – offenbar mit Erfolg. Vereinspräsident Ingo Wellenreuther berichtet, dass er am Donnerstag Oberbürgermeister Frank Mentrup angerufen habe. „Wir vertragen uns wieder“, so der KSC-Chef.

In dem Gespräch habe er Fehler von Seiten des KSC eingeräumt und bedauert. Konkret geht es um eine „unpräzise“ formulierte Pressemitteilung vom Dienstag, in der der Verein fälschlich mitgeteilt hatte, er habe keine Lizenz der Liga erhalten und könne so nicht in Liga zwei aufsteigen. Zudem sei das Schreiben an die Medien zu schnell rausgegeben worden.

Gemeinsame Erklärung am Freitag

Erst wenige Minuten zuvor hatte der Verein das Rathaus über die Nachricht aus Frankfurt informiert. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hatte mitgeteilt, dass auch die provisorische Südtribüne überdacht werden müsse – während Karlsruhe darauf verzichten möchte. Nun wollen Verein und Stadt im Schulterschluss versuchen, die Liga noch umzustimmen. „Unser gemeinsames Gegenüber ist die DFL. Insgesamt ist im Stadionprojekt eine gute Zusammenarbeit von KSC und Stadt nötig.“ Zu der wolle man nun zurückkehren. Am Freitag würden Stadt und KSC eine gemeinsame Erklärung abgeben.

CDU-Fraktionsschef Pfannkuch: DFL soll ein Einsehen haben

Wie Mentrup hofft ebenso die Kommunalpolitik weiter auf ein Einsehen der DFL in Sachen Verzicht auf eine Überdachung der provisorischen Südtribüne im Wildpark. „Ich halte eine entsprechende Ausnahmegenehmigung für eine sehr realistische Option“, sagt der CDU-Fraktionschef Tilman Pfannkuch. Auch in Frankfurt müsse man einsehen, dass es unverhältnismäßig wäre, 820 000 Euro für ein Provisorium auszugeben. Sollte die DFL sich aber nicht überzeugen lassen, müsse man wohl doch in den sauren Apfel beißen, so Pfannkuch.

Auch erneuter Einspruch möglich

Würde der Gemeinderat Mitte Mai das Dach bestellen, wäre es – wie derzeit von der Liga gefordert – bis 1. September fertig. Dies sagte der OB zu. Sollte die Liga der jetzt eingereichten Beschwerde des Vereins nicht stattgeben, könnte auch gegen dieses zweite Urteil der Liga in der nächsten Phase Einspruch eingelegt werden – sollte Frankfurt die Karlsruher Argumente wieder nicht überzeugen.

Grüne verweisen auf andere Ausnahmegenehmigungen

„Aktuell sehen wir keinen Handlungsbedarf“, erklärt Renate Rastätter von den Grünen, die bereits das am Ende doch mehrheitlich vom Gemeinderat beschlossene Dach für die Nordkurve ablehnte. In der Vergangenheit habe es in vergleichbaren Fällen Ausnahmegenehmigungen gegeben. Grundsätzlich seien Stadträte per Amtseid verpflichtet, verantwortungsvoll mit Steuergeld umzugehen. Insofern könne man nicht einfach Geld rauswerfen. Die Kult-Fraktion und die Sozialdemokraten warten die weitere Entwicklung ab. „Wir verfolgen das und beraten in Ruhe“, so Fraktionschef Parsa Marvi.

Das ist nicht seriös

FDP-Fraktionschef Tom Høyem über Wellenreuther

Noch am Donnerstagvormittag forderten Vertreter von Grünen, Kult und FDP eine Entschuldigung Wellenreuthers beim Stadtparlament. FDP-Fraktionschef Tom Høyem erklärte, der KSC-Chef habe seine Rolle nicht verstanden. Er sehe Wahlkampf in der Sache, „das ist nicht seriös“. Kult-Fraktionschef Cramer sagte: Grundsätzlich solle man eine Hand, die einen füttert, nicht beißen. Rastätter sprach von einem „unerträglichen Generalangriff“. Pfannkuch sieht sich hingegen von seinem Parteifreund Wellenreuther nicht beleidigt: Der Verein müsse äußern dürfen, wenn er mit einer Entscheidung nicht zufrieden ist.

Wellenreuther sieht keine Beleidigung

Wellenreuther betont, er habe den Gemeinderat aus seiner Sicht weder angegriffen noch beleidigt. Er halte jedoch daran fest, dass der Gemeinderat und der OB bei der Abstimmung über die Dächer im Februar zu einer Fehleinschätzung gekommen seien. Beide hätten gedacht, dass es kein Problem sei, eine Ausnahmegenehmigung zu bekommen. „Uns war klar, dass das schwierig wird.“ Damals sei man beschimpft worden. Und nun habe die Stadt den Eindruck erweckt, dass der Verein schuld sei, dass die Liga im ersten Bescheid hart blieb. „Da fühlten wir uns ungerecht behandelt“, so Wellenreuther.
Sollte der Verein weiter in der Dritten Liga spielen, ist die Überdachung der provisorischen Südkurve nicht notwendig. Auch die im Norden wäre dann den Vorgaben entsprechend keine Pflicht gewesen.