Kunsthalle Karlsruhe
Zuerst ins Grüne, dann ins ZKM: Bei ihrer Jahres-Pressekonferenz präsentiert die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe ihr letztes vollständiges Ausstellungsjahr vor Beginn der Sanierungsmaßnahmen. | Foto: Hora

Kultur

Kunsthalle Karlsruhe weicht für zwei Jahre ins ZKM aus – Vorstellung des Programms für 2020

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Zuerst ins Grüne, dann ins ZKM: Bei ihrer Jahres-Pressekonferenz präsentiert die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe ihr letztes vollständiges Ausstellungsjahr vor Beginn der Sanierungsmaßnahmen. Im Sommer 2021 schließt das Museum für mindestens fünf Jahre. Das Hauptgebäude wird im zweiten Halbjahr komplett geräumt.

Der wichtigste, weil öffentliche Interims-Standort steht nun fest: Von 2022 bis 2024 zeigt die Kunsthalle im Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe (ZKM) im jeweils ersten Obergeschoss des 1. und 2. Lichthofes die besten Objekte ihrer Sammlung. Weitere Lagerorte werden unterdessen vorbereitet.

Parallel arbeite man intensiv am Planungsprozess für eine mögliche Erweiterung des Museums auf dem Gelände des benachbarten Amtsgerichtes. Sie ist, betont Kunsthallen-Direktorin Pia Müller-Tamm, für das Museum essenziell.

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Großes Presse-Echo für Baldung-Schau

Aktuell sind es noch die Reize der Renaissance und eines ihrer rätselhaftesten Künstler, die einen Besuch in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe unbedingt lohnenswert machen. Zur Halbzeit der Großen Landesausstellung über Hans Baldung Grien vermeldet die Direktorin des Museums, Pia Müller-Tamm, bei der Vorstellung des aktuellen Jahres-Programms denn auch: „Wir bewegen uns auf der Woge des Erfolgs.“

Rund 25.000 Besucherinnen und Besucher zählt die Kunsthalle bisher in der Schau, die bis 8. März zu sehen ist. Das überregionale Presse-Echo zu diesem „für das Haus beispiellosen Großprojekt“ sei enorm. Die Besucher-Frequenz ziehe an. Eine französische Ausgabe des Katalogs befinde sich kurz vor der Auslieferung.

Ab in die pralle Natur mit François Boucher

Wie sich Stil und Inhalt der Kunst in den auf Baldung folgenden 200 Jahren verändert haben, das lässt sich ab Herbst an einem der wichtigsten Vertreter des französischen Rokoko ablesen. Dann steht die Kunsthalle im Zeichen des Künstlers François Boucher (1703 bis 1770) und beruft sich mit ihm abermals auf ihr Kerngebiet – die französische Kunst.

Markgräfin Karoline Luise hatte 1759 zwei Hirten-Idyllen bei Boucher in Auftrag gegeben.
Markgräfin Karoline Luise hatte 1759 zwei Hirten-Idyllen bei Boucher in Auftrag gegeben. | Foto: SKK

Mit der ersten monografischen Ausstellung in Deutschland über den früheren Hofmaler Ludwigs XV. und bevorzugten Maler der Madame de Pompadour im Jahr seines 250. Todestages knüpft das Museum zugleich an die lange Sammlungstradition des Hauses Baden an: Markgräfin Karoline Luise hatte 1759 zwei Hirten-Idyllen bei Boucher in Auftrag gegeben.

Es ist ewiger Frühling, der uns begleitet

Kuratorin Astrid Reuter

Das Team der Kuratorinnen um Astrid Reuter möchte Boucher auch als umstrittenen Künstler ins Licht rücken und mit ihm eine Epoche der Umwertung in der Kunst. „Was ist das Rokoko und was bedeutet es innerhalb der Aufklärung und wie bewerten wir es heute“, erklärt Reuter die Fragen, die in der Ausstellung (14. November 2020 bis 7. Februar 2021) im Zentrum stehen.

Boucher hat zum Beispiel die Tradition der arkadischen Landschaft vom geselligen hin zu einer neuen Intimität geführt. „Wir sehen Jugendlichkeit in bester Form, es ist ewiger Frühling, der uns begleitet“, so Reuter.

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Noch mehr Natur

Nach Baldung als Meister der rätselhaften Bildinhalte und kräftigen Farben nun also ein Künstler, der vor allem wegen seiner puren Malerei und seiner offenen Pinselführung bewundert wird. Die Inszenierung der Natur ist dabei ein Schwerpunkt, der an eine andere Ausstellung anknüpft, mit der die Kunsthalle ein aktuelles Thema beleuchtet: „Inventing Nature. Pflanzen in der Kunst“ (30. Mai bis 20. September) verfolge ein bioethisches Anliegen, so Müller-Tamm.

Dieses Werk von Adolf Schrödter heißt "Brasilianischer Urwald" und entstand im Jahr 1868.
Dieses Werk von Adolf Schrödter heißt „Brasilianischer Urwald“ und entstand im Jahr 1868. | Foto: SKK

Die von Kirsten Claudia Voigt konzipierte Ausstellung will das Verhältnis zur Welt der Pflanzen in den Blick nehmen. Mit 43 Werken aus der eigenen Sammlung und jenen weiterer 32 geladener Gäste entstehen Dialoge zwischen Objekten aus mehr als 500 Jahren Kunstgeschichte. Passend dazu lädt die Junge Kunsthalle von 18. April bis 4. Oktober zu „Iss mich! Obst und Gemüse in der Kunst“.