Malerei auf der Wand, Infos in der Hand: Mit dem mobilen Angebot der Stadt Karlsruhe lässt sich die Kunst im öffentlichen Raum fundiert erkunden – so gelangt man etwa zur „Gruppe mit Ringen“ an der Carlo-Schmid-Schule in der Nordstadt.
Malerei auf der Wand, Infos in der Hand: Mit dem mobilen Angebot der Stadt Karlsruhe lässt sich die Kunst im öffentlichen Raum fundiert erkunden – so gelangt man etwa zur „Gruppe mit Ringen“ an der Carlo-Schmid-Schule in der Nordstadt. | Foto: Jörg Donecker

Online-Angebot „Kunst am Bau“

Kunstwandeln in Karlsruhe: Mit Google Maps und GPS

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Ins Museum oder lieber an die frische Luft? Die Karlsruher können Kunst und Spazierengehen kombinieren – und zwar kostenlos. Wer ein Handy mit aktiviertem GPS dabei hat, kann sich von der neuen Internetseite „Kunst am Bau“ der Stadt Karlsruhe führen lassen. Zu den vorgeschlagenen Kunstwerken hat der Künstler Karlheinz Bux im Auftrag des Kulturamts kurze Informationstexte aufgeschrieben.

Die Website ist schnell gefunden: „Karlsruhe Kunst am Bau“ gegoogelt, schon ist man da. Wer vor der BNN-Zentrale in Neureut startet, dem werden unter anderem die Fassade der Carlo-Schmid-Schule in der Nordstadt und die Bahnhaltestelle August-Bebel-Straße vorgeschlagen. Doch als Kunstwerk mit der kürzesten Entfernung (1,1 Kilometer) werden „Drei Tore“ im Ahaweg aufgeführt.

Kultur und Frischluft – ganz ohne Eintrittsgeld

Die Majolika? Da hat der Satellit wohl gerade schräg zur Sonne gestanden. Lieber erstmal in die Nordstadt, Ohiostraße. Die Carlo-Schmid-Schule ist schnell gefunden. Die beste Sicht auf die skizzenhaft und himmelblau von der Fassade leuchtenden Figuren der „Gruppe mit Ringen“ hat man vom Parkplatz des Nachbargrundstücks aus. Das Handy erklärt: Rainer Braxmaier und Jürgen Zimmermann haben dieses Werk im Jahr 2011 geschaffen.

Und jetzt gibt’s direkt neue Vorschläge: Die „Große Mandorla“ – wieder bei der Majolika – oder ein „Blaues Gebirge“, das so interessant aussieht, dass dorthin die nächste Etappe führt: Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft in der Willy-Andreas-Allee, gibt das Handy Auskunft. Also schnell hingefahren, und dann: Welches Gebäude jetzt nochmal? Der auf der Internetseite verknüpfte Link „Ort in Google Maps anzeigen“ verweist auf das Steinbeis-Haus.

Gestatten, August Bebel: Seinen Namen tragen Straße und Haltestelle in der Nordweststadt, sein Porträt ziert dort die Wände.
Gestatten, August Bebel: Seinen Namen tragen Straße und Haltestelle in der Nordweststadt, sein Porträt ziert dort die Wände. | Foto: Jörg Donecker

Aber da drin ist gar kein Atrium, wo das Gebirge stehen soll. Zum Glück enthält der Infotext zur Kunst den entscheidenden Hinweis: Gebäude B. Das ist nebenan, und ist man erst an Bauzäunen, Treppenhäusern und Rennwagen vorbei durchs Erdgeschoss gewandert, dann springt es einen aus dem Augenwinkel schon blau und meterhoch an: im eingeglasten Atrium wächst das Gebirge in organischen Formen empor.

Blaues Gebirge mit unheimlichen Augen an der Hochschule Karlsruhe

Ein klein bisschen unheimlich wirkt es unterm grauen Januarhimmel: Die Hügel haben Augen! Man kann aber auch fröhliche Gesichter in den wellenartigen Verzierungen erahnen. Den Figurengarten aus dem Jahr 1972 aus gebranntem und glasiertem Majolika-Ton hat übrigens Mathias Ohndorf geschaffen. „In Form- und Farbbehandlung sind die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts gegenwärtig“, schreibt Karlheinz Bux dazu sehr treffend.

Jetzt werden wieder neue Ziele vorgeschlagen: Ein Gemälde am Bismarck-Gymnasium oder „Die Wiese lacht oder das Gesicht an der Wand“ in der Weststadt. Klingt interessant, aber führt schon ziemlich weit vom Ausgangspunkt weg.

Mit dem Konzept „Kunst am Bau“ geht der Staat als Bauherr die Verpflichtung ein, einen gewissen Anteil der öffentlichen Baukosten für Kunstwerke zu verwenden. Meistens sind es etwa ein Prozent der Kosten, so auch bei der Stadt Karlsruhe – im Land werden sogar zwei Prozent dafür reserviert, wie Claus Temps vom Kulturamt der Stadt Karlsruhe erklärt. Kunst am Bau hat eine lange Tradition, die Anfänge gehen bis in die Weimarer Republik zurück. Karlsruhe gab sich 1983 eigene Richtlinien für die Beteiligung von Künstlern an Bauvorhaben.
Die in dem neuen Internetangebot vertretenen Werke sind aber nicht ausschließlich städtische Aufträge und nicht ausschließlich „Kunst am Bau“ im engeren Sinne. „Es überschneidet sich teilweise mit Kunst im öffentlichen Raum“, erklärt Temps. „Wir haben versucht, alle Projekte in der Stadt aufzunehmen und es so anwenderfreundlich wie möglich zu gestalten.“ So sind auch Werke aufgeführt, deren Bauten und Grundstücke in privater Hand oder in Landesbesitz sind.

Dann vielleicht doch zurück gen Norden, zur Bahnhaltestelle August-Bebel-Straße. Mit Sprühdose, Pinsel und Rolle haben die Graffiti-Künstler Baske ToBeTrue, Sier, MotorOne und Super Soker die Haltestelle im Pop-Art-Stil mit Porträts berühmter Karlsruher(innen) verschönert: Neben Namensgeber August Bebel sind Karl Wilhelm und Luise von Baden, Hedwig Kettler, Henriette Obermüller und Adolf Kußmaul dargestellt.

Teilhabe nach dem Karlsruher Kulturkonzept

Und dann geht es doch nochmal Richtung Stadtzentrum: Goldglanz lockt. Und zwar in die Kinderklinik an der Kußmaulstraße. In einem Treppenhaus tropft das Edelmetall geradezu von der Decke: Goldregen heißt das von Jürgen Zimmermann gemalte Werk, das die Kinder im Krankenhaus „erheitern und sie mit lichtem, goldenen Glanz in ihren Heilungsprozessen unterstützen“ soll, wie Bux im Erklärtext schreibt.

So erreicht die öffentliche Kunst selbst die Kleinen und Kranken – kulturelle Teilhabe, wie sie das Karlsruher Kulturkonzept vorsieht.