Besetzt: Wer in Karlsruhe eine Ladesäule für sein Elektro-Auto sucht, braucht mitunter Geduld.
Besetzt: Wer in Karlsruhe eine Ladesäule für sein Elektro-Auto sucht, braucht mitunter Geduld. Foto: jodo | Foto: jodo

Unterwegs im Strom-Fahrzeug

Ladesäulen für E-Autos sind in Karlsruhe das Nadelöhr

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Die Verkehrspolitik setzt auf das Elektroauto. Das ist zwar lokal emissionsfrei unterwegs, doch die Akzeptanz steht und fällt mit dem Netz an Ladesäulen. Diese sind mitunter besetzt oder zugeparkt. Wer per Elektroauto unterwegs ist, freut sich über das angenehme Fahrgefühl, muss aber darauf achten, dass er nicht mit leerer Batterie strandet.

Die Ladesäule in der Englerstraße beim Kantgymnasium in Karlsruhe führt dem Elektromobilisten eines der Kardinalprobleme dieser Antriebsart anschaulich vor Augen: Die Batterie ist erschöpft, und an der Stromtankstelle lädt bereits ein Auto.

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Eigentlich ist das kein Problem. Laut Internet-Recherche im Vorfeld stehen hier schließlich zwei Anschlüsse von 22 Kilowatt Leitung zur Verfügung. Und so ist es auch. Dumm nur, dass den Elektroautos für den Ladevorgang lediglich ein einziger Stellplatz zur Verfügung steht. In zweiter Reihe parken? Den Fußweg zustellen? Lieber nicht.

Angenehme Ruhe bei Tempo 60 im E-Auto

Mit dem Elektroauto durch Karlsruhe – im Prinzip funktioniert das prima. Doch der Teufel steckt oft im Detail. Auf dem Adenauerring geht die Fahrt in Richtung Westen, das erlaubte Tempo von 60 schafft eine angenehme Ruhe, und beim Ausrollen können sich E-Fahrer an dem guten Gefühl erfreuen, dass gerade wieder Bewegungsenergie von den Rädern zurück in den Stromspeicher fließt.

Und erst der erhabene Moment des Ampelstarts: Weil das maximale Antriebsmoment schon ab der ersten Zehntelsekunde zur Verfügung steht, kann dem E-Wagen beim Sprint bis Tempo 50 kaum ein konventionell angetriebenes Auto das Wasser reichen.

Die Ladesäule ist vom Diesel-SUV belegt

Es gibt einen weiteren Fahrzustand, in dem der Strom-Pkw seine Trümpfe ausspielt: Stau. Weder wird dabei nennenswert Energie konsumiert, noch braucht es die nervtötende Bedienung eines Kupplungspedals, sobald es zwei Meter weitergeht. Und doch geht es nicht ganz stressfrei zu in diesem Moment.

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Denn nachdem es nicht geklappt hat mit Laden in der Englerstraße, gebietet der Blick auf die Reichweiten-Anzeige einen Stopp an der nächsten Ladestation. Die ist gar nicht weit: Schräg gegenüber der Staatlichen Kunsthalle ließe sich per Ladekabel Elektrizität zapfen. Jedoch: Der zur Ladesäule gehörende Stellplatz ist belegt. Diesmal allerdings nicht von einem anderen E-Auto. Sondern einem Diesel-SUV mit Pfälzer Kennzeichen.

188 Ladepunkte in Karlsruhe

Im täglichen Leben mit der lokal emissionsfreien Elektro-Mobilität in Karlsruhe ist die Nutzbarkeit von öffentlichen Ladesäulen gefühlt einer der großen Pferdefüße. Laut den Stadtwerken gibt es aktuell 45 Säulen, die demnächst um weitere zehn ergänzt werden, das Stromtankstellen-Verzeichnis „Going Electric“ spricht von 52 Standorten und 188 Ladepunkten in Karlsruhe.

Das ist nicht schlecht. Doch das wissen eben auch andere Mitglieder der wachsenden E-Auto-Community. Zumindest lässt sich schon vor Antritt der Fahrt online feststellen, ob die angepeilte Ladestation gerade infrage kommt oder nicht.

Der E-Autofahrer kennt aber noch weitere Gründe für Enttäuschung. Da haben wir nun also glücklich einen Ladeplatz in der Stephanienstraße ergattert und den Stromfluss per Karte freigeschaltet, doch eine Stunde später hat sich am Ladezustand des Lithium-Ionen-Akkus nichts geändert. Liegt es am Auto? Oder am Strom-Spender? Immerhin klappt es beim zweiten Versuch.

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Die Wallbox in der heimischen Garage

Komfortabler als an den öffentlichen Stromsäulen fahren E-Mobilisten, wenn sie sich in der heimischen Garage eine so genannte Wallbox installieren lassen. Dort lässt sich die Batterie je nach Leistung und Größe des Akkus ebenfalls zügig laden.

Von Januar bis jetzt wurden über die Stadtwerke und durch Karlsruher Handwerksbetriebe sechs Wallboxen installiert; im gesamten vergangenen Jahren waren es lediglich vier. „Die wenigsten E-Auto-Besitzer verlassen sich ausschließlich auf das öffentlich zugängliche Ladesäulen-Netz“, berichtet Stadtwerke-Sprecher Markus Schneider. Vor der Anschaffung eines Strom-Fahrzeugs kümmern sich die meisten demnach um die passende Infrastruktur zu Hause oder auf dem Firmengelände.

Laut Kraftfahrtbundesamt (KBA) waren zum Januar 2019 in Karlsruhe 342 reine E-Autos und 244 Plug-in-Hybride angemeldet. Wegen der großen Dynamik in der Elektro-Mobilität sowie des wochenlangen Corona-Stillstands und der aktuellen Unklarheit über mögliche Kauf-Prämien sind diese Zahlen allerdings wenig aussagekräftig.