Für die meisten Menschen kein einladender Anblick: In ganz Baden scheinen sich Wanzen derzeit auszubreiten, wie hier die Amerikanische Kiefernwanze. Die BNN wissen, warum. | Foto: Starck

Sechsbeiner können fliegen

Lästig aber harmlos: Wanzen breiten sich in Baden aus

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Sie sind klein, sie sind flink, haben sechs Beine und können sogar fliegen: Die Rede ist von Wanzen. In vielen Teilen Badens scheinen sie sich gerade überfallartig auszubreiten.

Sei es die Grüne Stinkwanze, die Graue Gartenwanze oder die Lederwanze – sie alle sitzen an Hauswänden und scheinen nur einen Plan zu haben: schnell ins Wohnungsinnere zu kommen. Nicht umsonst heißt es in einem bekannten Kinderlied: „Auf der Mauer, auf der Lauer sitzt ’ne kleine Wanze.“

Gast aus Amerika

Doch warum scheinen sich die ungeliebten Mitbewohner gerade jetzt so sehr auszubreiten? Biologe Wolfgang Hohner vom Naturkundemuseum in Karlsruhe erklärt die Gründe. Bei den kleinen Krabblern, die gerade überall in Baden unterwegs zu sein scheinen, handle es sich um die Baumwanze. Die ist eigentlich in Ostasien zuhause. Über Amerika sei sie nun auch nach Deutschland gekommen und habe sich dort breitgemacht.

Goldener Herbst begünstigt Ausbreitung

Der große Ansturm der Wanzen sei auf den goldenen Oktober zurückzuführen. „Es hat lange nicht geregnet“, erklärt der Biologe: „Bei Regen würden sich die Wanzen verkriechen.“ Hinzu kämen die für den Herbst ungewöhnlich hohen Temperaturen.

Sie ist in Baden zurzeit oft gesehen: die Baumwanze. | Foto: Mori Monteiro

Das sei auch der Grund, warum die Insekten sich gerne in den heimischen Bädern aufhielten. „Dort ist es ein bisschen luftfeucht“, sagt Höhner, das würde den Wanzen gefallen.

Hoffnung aufs Überwintern

Normalerweise würden die Wanzen eher im Spätsommer auftreten. Über den Sommer hinweg würden die Tiere mehrere Larven-Stadien durchlaufen. Die ausgewachsenen Wanzen wären im Herbst längst von der Bildfläche verschwunden – wäre da nicht das ideale Wetter: „Die Tiere suchen jetzt auch noch ein Plätzchen zum Überwintern“.

Verstärkte Wahrnehmung

Dass mehr Wanzen als üblich unterwegs seien, täusche. Vielmehr nähmen sie die Menschen zu dieser für die Insekten eigentlich ungewöhnlichen Jahreszeit verstärkt wahr. Wo sich die Tiere bereits überall ausgebreitet haben, sei schwer zu sagen. Hohner habe bei sich zuhause im Landkreis Rastatt noch keine entdeckt, in Karlsruhe und Baden-Baden aber auch im Enzkreis gibt es eine regelrechte Wanzen-Plage.

Keine Gefahr

Eine Gefahr stellten die amerikanischen Baumwanzen, die sich nur von Pflanzen ernährten, für den Menschen nicht fest – sie seien nur lästig. Bei einer größeren Ausbreitung könnten die Tiere die heimische Fauna aber durchaus beeinträchtigen. Allein in Deutschland gebe es über 1000 einheimische Wanzen-Arten.

Wolfgang Hohner vom Karlsruher Naturkundemuseum empfiehlt, bei geöffneten Fenstern oder Balkontüren keine Lampen im Inneren der Wohnung anzuschalten. Denn: „Insekten gehen ans Licht.“ Um die lästigen aber ungefährlichen Sechsbeiner wieder loszuwerden, solle man sie am besten mit einem Glas und einem Stück Pappe fangen und wieder ins Freie setzten. Dabei seien Geschick und Geduld gefragt, denn die Wanzen könnten fliegen. Aber: „Bloß nicht anfassen!“. Denn dann verbreiteten die Wanzen einen unangenehmen Gestank zur Abwehr.