Große Landesausstellung
Ein Flusspferd am Rheinufer gehört zu den Stars der Großen Landesausstellung, in der das Staatliche Naturkundemuseum Karlsruhe ab Donnerstag, 21. Juni 2018, Tiere und Pflanzen in Kalt- und Warmzeit am Oberrhein zeigt. | Foto: jodo

Leben in Dschungel und Eis

Landesausstellung „Flusspferde am Oberrhein“ in Karlsruhe

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Weiches Winterfell gibt unter den Fingern nach. Ein Nashorn quietscht in überraschend hoher Tonlage aus dem Lautsprecher. Wie entrückt klingt dagegen der Ruf der Singschwäne… Wer es wagt, schnuppert an der Duftprobe eines Fuchses. Puh, mit dieser beißenden Note in der Nase wirkt das holzig angehauchte Aroma, mit dem der Biber sein Revier markiert, nahezu mild.

Flusspferde am Oberrhein

An alle Sinne appelliert die Große Landesausstellung „Flusspferde am Oberrhein – Wie war die Eiszeit wirklich?“, die nun den XXL-Saal samt Vorraum im Staatlichen Naturkundemuseum Karlsruhe am Friedrichsplatz füllt. Am Mittwoch, 20. Juni 2018, wird Ministerpräsident Winfried Kretschmann zur Eröffnung mit geladenen Gästen erwartet, dazu schließt das Naturkundemuseum schon um 15 Uhr. Für alle Interessierten zugänglich ist die Ausstellung dann ab Donnerstag, 21. Juni 2018, 9.30 Uhr.

Lebensgroße Tiermodelle

Die Schau widmet sich Geologie und Evolution der zurückliegenden 125 000 Jahre im Oberrheingraben, der Heimat der heutigen Einwohner Karlsruhes und der Region. Lebensgroße Tiermodelle, detailreiche Dioramen und ausgeklügelte museumspädagogische Angebote verführen Besucher dazu, sich in die Klimaschwankungen von Kalt- und Warmzeit zurückzuversetzen.

200 Artefakte auf 700 Quadratmetern

1,2 Millionen Euro stecken in der Sonderschau auf fast 700 Quadratmetern, das Land steuerte den Großteil bei. Rund 200 Artefakte sind der kostbare Kern. Die Karlsruher sind stolz darauf, dass fast alle Exponate aus ihrem Haus stammen, dem wissenschaftlichen Museum, dessen „Eiszeit-Keller“ bei jedem Tag der offenen Tür zu den Publikumsrennern gehört. „Jetzt erfüllt sich für uns ein lang gehegter Wunsch: Wir können unsere über Jahrzehnte gewachsene Sammlung in einer herausragenden Umgebung zeigen“, sagt Museumsdirektor Norbert Lenz.

  • Moschusochse
  • Sabine Mahr
  • Diorama
  • Anna Prim
  • Polarfuchs
  • Pflanzen
  • Vielfraß
  • Wasserbüffel
  • Rhino
  • Schädel
  • Lemming
  • Puzzle
  • Leopard

 

Eisige Kälte scheint die bulligen Tiernachbildungen an der rechten Saalflanke zu umfangen. Ein Flusspferd reißt das Maul auf in schlammiger Uferzone. Das Riedgras dort überzuckert künstlicher Raureif. Moschusochse, Lemming und Polarfuchs waren in urzeitlichen Wintern am Rhein daheim dank Strategien, mit denen sie dem Nahrungsmangel und fehlender Deckung in ewig weißer Kulisse trotzen.

Wollnashorn und Wasserbüffel am Rhein

Gegenüber machen sich Wald- und Wollnashorn breit – und der europäische Wasserbüffel der Warmzeit, dessen Ende kam, als der Dschungel am Rhein infolge rasch sinkender Temperaturen abstarb.
Nach der Saal-Premiere mit lebensgroßen Walskeletten sowie der vergangenen Sonderschau zur Megafauna Amerikas zeigt sich die Extrafläche im Westflügel nun erstmals ohne Blickfang in der Mitte. Warm- und Kaltzeit, Sommer und Winter haben die Kuratoren klar gegenübergestellt.

Raffinierte Mitmachstationen

Packen wollen sie vor allem kleine Besucher mittels Mittelinseln im Design von Kiesbänken. Raffinierte Rotfilterfolien, Höreffekte, Puzzlefiguren und mehrere Riechstationen sind dort eingebaut. Wer Platz nimmt auf einer der zentralen Sitzbänke, der hört das grollende Knurren des Leoparden im Auenwald – und wie das Flusspferd prompt mit lautem Platschen in den Rhein abtaucht.

Die Große Landesausstellung „Flusspferde am Oberrhein – Wie war die Eiszeit wirklich?“ im Staatlichen Naturkundemuseum Karlsruhe ist erstmals zu sehen am Donnerstag, 21. Juni 2018. Besuchern steht sie sieben Monate lang, bis 21. Januar 2019, dienstags bis freitags von 9.30 bis 17 Uhr sowie an Samstagen, Sonn- und Feiertagen von 10 bis 18 Uhr offen.
Das Begleitprogramm umfasst Führungen, Vorträge, Kinderkurse und zwei „Eiszeit Spezial“-Abendführungen ab 19 Uhr. Der Kurator Eberhard „Dino“ Frey führt Interessierte am Sonntag, 24. Juni 2018, um 11 Uhr durch die Schau, die Kuratorin Ute Gebhardt am 16. September und 2. Dezember 2018.
Ein Aktionstag am Samstag, 6. Oktober 2018, bietet Führungen, Vorführungen und Mitmachaktionen für die ganze Familie bei freiem Eintritt. In Workshops zum Fischfang in der Eiszeit bauen am Samstag, 27. Oktober 2018, Kinder ab neun Jahren und Erwachsene Harpunen und eine Querangel.