Kretschmann besucht Kalifornien
Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, steht vor dem Ferry Building in San Francisco. | Foto: Archiv

Kretschmann in San Francisco

Landesregierung auf Klimagipfel

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Es sind gute Zeiten für gemeinsame Klimaschutz-Aktivitäten von Städten und Regionen auf dem ganzen Globus: Je stärker US-Präsident Donald Trump die von Menschen gemachte Erd-Aufheizung leugnet, umso mächtiger wird auch die Gegenbewegung. Der kalifornische Gouverneur Jerry Brown ist einer von Trumps wichtigsten Widersachern. Gerade hat der Kopf des bevölkerungsreichsten US-Bundesstaats ein Gesetz unterschrieben, nach dem die Stromversorgung bis 2045 komplett auf erneuerbare Energien umgestellt werden soll.

Erfolgsgeschichte „Under2Coalition“

Vor drei Jahren haben zwölf Regionen die „Under2Coalition“ gestartet. Sie ist ein  Klimaschutzbündnis unterhalb der staatlichen Ebene. Gründungsregionen sind Baden-Württemberg und Kalifornien. Zwischenzeitlich haben mehr als 200 Staaten und Regionen das Memorandum unterzeichnet. Sie repräsentieren über 1,3 Milliarden Menschen respektive 40 Prozent der Weltwirtschaft aus mehr als 40 Nationalstaaten. Die grün geführte Landesregierung von Baden-Württemberg hatte offenkundig den richtigen Riecher.

Al Gore und Anne Hidalgo

Jetzt tagen Ministerpräsident Winfried Kretschmann und seine Ressortchefs für Umwelt, Verkehr und Wissenschaft beim Global Climate Action Summit in San Francisco. Im Moscone Center und im Yerba Center for Arts – dort, wo für gewöhnlich Apple-CEO Tim Cook neue iPhones präsentiert, tobt aktuell dieser Klimagipfel von unten. Frank Jensen, Oberbürgermeister von Kopenhagen, legt dar, wie die dänische Kapitale bis 2025 klimaneutral wirtschaften wird. Nichtregierungsorganisationen aus afrikanischen und asiatischen Ländern präsentieren nachhaltige Antworten für die Nahrungsmittelproduktion von morgen. Klimaschutz-Galionsfiguren wie der frühere US-Vizepräsident Al Gore oder die Pariser Oberbürgermeisterin Anne Hidalgo geben sich die Klinke in die Hand.

Amerikaner machen große Show

Dazwischen hält Winfried Kretschmann eine Rede über Klimapolitik als Exportschlager und spricht Umweltminister Franz Untersteller über die Herausforderung der Dekarbonisierung zu Zeiten des Atomausstiegs im energiehungrigen deutschen Südwesten. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer lässt sich von dem Klimagipfel und dessen 4 500 Besuchern bereitwillig mitreißen: Das Klimathema wird ganz groß, freut sich der Grüne angesichts der Dynamik hier am Pazifik. Um sogleich ein wenig bedauernd zu ergänzen, dass die Themen, die jetzt in San Francisco verhandelt werden, aus baden-württembergischer Sicht keineswegs neu seien: „Es ist nur so, dass die Amerikaner wissen, wie man eine große Show daraus macht.“
Eine solche ist es fürwahr. Blieben bei einer entsprechenden Klima-Veranstaltung von unten in Deutschland Verbände und Regionen wohl weitgehend unter sich, so ist der Global Climate Action Summit ein Muss für die Vorstandschefs der großen US-Unternehmen; Treuherzig verkündet beispielsweise Kevin Johnson, Chef des Kaffeerösters und Papiermüll-Produzenten Starbucks, man werde Schritt für Schritt seinen Abfallberg reduzieren. Und Audi verbindet die Weltpremiere des neuen Strom-Pkws e-tron geschickt mit dem Summit.

Treibhausgase aus Autoverkehr

Schließlich ist der Autoverkehr in Kalifornien ja auch CO2-Verursacher Nummer eins: Rund 40 Prozent des Treibhausgases kommt aus den Auspuffrohren der meist hoch motorisierten Fahrzeuge mit Benzinmotor. Die Heizung alter Häuser hingegen spielt als Klimagas-Quelle im traditionell warmen Pazifik-Bundesstaat nicht die bedeutendste Rolle. In keinem US-Bundesstaat ist deshalb die Verbreitung von E- und Hybridautos so groß wie hier.

Aktuelle Infos von der Reise gibt es in dem Blog.