Ein Lastwagen kommt aus dem U-Strab-Tunnel.
MIT ERDE aus der wachsenden Höhle unter dem Europaplatz kommt der Lastwagen am Mühlburger Tor aus dem U-Strab-Tunnel. Damit wird nun die Westrampe der U-Strab in der Kaiserallee als Transportweg genutzt. Gestern herrschte reger Lkw-Betrieb. | Foto: jodo

Erdaushub der U-Strab-Station

Lastwagen rollen im Tunnel

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Es ist zwar nicht die U-Strab, die durch den Tunnel unter der Kaiserstraße rollt. Aber immerhin haben Lkw den Fahrbetrieb in Teilen des Stollens aufgenommen. Die Personenbeförderung mag in der U-Strab-Röhre 2020 mit vier Jahren Verspätung beginnen, jetzt aber wird schon Mal Erde durch den Tunnel abtransportiert.

Mit der neuen Variante beim Aushub der U-Station-Schachtel unter dem Europaplatz bekommt erstmals die U-Strab-Westrampe am Mühlburger Tor eine Verkehrsfunktion: Dort rollen die leeren Lastwagen ein und kommen gefüllt mit dem Aushub vom „Euro“ wenig später wieder heraus.

Der Sockel im Tunnel

Dies ist möglich, weil auf dem Tunnelabschnitt zwischen Kaiserplatz und Europaplatz bereits vor Monaten der 1,5 Meter hohe Betonsockel, auf dem später die zwei U-Strab-Gleise liegen, im unteren Tunnelhalbrund gegossen wurde. Zudem ist inzwischen auch das westliche Tunnelendstück unter dem Kaiserplatz, wo vor eineinhalb Jahren die Riesenbohrmaschine „Giulia“ nach zwei Kilometern Schildvortrieb und Röhrenbau durchschlug, komplett an die Rampe in der Kaiserallee angeschlossen.
Die letzte Voraussetzung für den Lkw-Fahrbetrieb im Untergrund zwischen Europaplatz und Kaiserallee ist mit dem Abschluss der Ankerarbeiten in der U-Strab-Station-Schachtel zur Stabilisierung der Südwand und damit auch der Sohle gegeben.

Nun wird dort das im August 2016 wegen des Stabilitätsproblems zur Sicherheit eingestellte Ausbaggern wieder aufgenommen. „Und der meiste Aushub wird jetzt per Lkw durch den Tunnel und die Rampe abgefahren“, bestätigt Uwe Konrath, Chef des Bauherrn, der städtischen Tochter Kasig. Die geringere Menge des Aushubs wolle man weiter per Bagger mit Teleskoparm direkt auf dem Europaplatz ans Tageslicht bringen. Die Douglasstraße muss deshalb aber laut Kasig nicht mehr – wie so oft in den vergangenen sieben Jahren – gesperrt werden.

Station „Euro“ ist die letzte

Noch befindet sich mehr als ein Drittel der Erde in der per Injektion von oben in Deckelbauweise hergestellten Rohbauhülle. Sind die Erdmassen weggekarrt, stehen abschließend das Verlegen der zwei Meter dicken Bodenplatte sowie das Einziehen der endgültigen Wände auf dem Restprogramm beim Rohbau der U-Station. Konrath geht davon aus, dass bei der Station „Europaplatz“ als letzter von sieben U-Strab-Stationen bis Jahresende die Rohbauphase vorüber ist. Bis Jahresmitte kann dieses Ziel bereits bei den Untergrund-Baustellen für die Station „Kronenplatz“ sowie für die Kombination aus Station „Lammstraße“ und Gleisdreieck für den Südabzweig am Marktplatz erreicht sein.

Auch Ost-Rampe betriebsbereit

Für den Aushub für die Haltestelle „Kronenplatz“ unter dem Berliner Platz könnte auch noch die Variante mit den Lkw greifen. Immerhin können die Lastwagen bereits am Gottesauer Platz die Ost-Rampe hinunterrollen und durch die U-Station „Durlacher Tor“ laut Konrath rund 40 Meter in den von „Giulia“ gebauten Tunnel unter der Kaiserstraße rollen.
Mit Nachdruck treibe man dort nun den Sockelbau in der Röhre bis zum Kronenplatz voran, versichert der Kasig-Chef. Ist dieses Ziel erreicht, verschwinden die letzten Erdmassen im U-Strab-System unter der Kaiserstraße auch im Osten per Lastwagen und über die Rampe.

 

Hütchen stehen über der Tunnelbaustelle
DIE HÜTCHEN markieren die aktuelle Tunnelbauzone südlich des Marktplatzes. | Foto: jodo

Rohrschirm für den Südtunnel

Während an der Oberfläche die Arbeiten an der U-Strab durch Frost und Glätte, beispielsweise in der Ettlinger Straße, etwas beeinträchtigt sind, läuft unter der Erde laut Kasig in diesem Jahr seit 2. Januar alles nach Plan. Beim Südtunnel geht es an die letzten acht Meter. Dabei ist für den Vortrieb des zu einer Trompete aufgeweiteten Stollens der stabilisierende Stahlrohrschirm jetzt bis an die Wand der U-Strab-Station „Marktplatz“ ausgebaut.

Nun wird unter dem Schirm zunächst der linke und dann der rechte Teil der oberen Stollenhälfte mit Baggern gegraben. Ab März wollen die U-Strab-Bauer die untere Hälfte des 250 Meter langen Stollens, der vom Ettlinger Tor aus unter Überdruck gebaut wird, in Angriff nehmen. Ist die Hülle komplett, wird darin die eigentliche Tunnelröhre betoniert. Falls auch dieser letzte Rohbauabschnitt für den Tunnel unter der Karl-Friedrich-Straße aus Sicherheitsgründen unter Druckluft ausgeführt wird, kann sich dessen Fertigstellung dann leicht um ein halbes Jahr auf Mitte 2018 hinausschieben.

Kombi-Kosten im Frühling

Kasig-Chef Konrath betont dabei, dass dagegen der Innenausbau in den Stationen „Kongresszentrum“ und „Durlacher Tor“ bereits im Frühjahr beginne. Dann will die Kasig auch die aktualisierte und seit über einem Jahr in Aussicht gestellte Kostenkalkulation für die Kombilösung aus U-Strab und Autotunnel Kriegsstraße vorlegen. Bislang haben sich die Kosten des Jahrhundertprojekts von anfangs geschätzten 500 auf 970 Millionen Euro fast verdoppelt.