WACHWECHSEL: Im April übernimmt Stefan Siebert (links) bei der LBS Südwest den Vorstandsvorsitz von Wolfgang Kaltenbach. | Foto: jodo

Werben auch um junge Kunden

LBS Südwest: Vom Sie zum Du

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Früher wurde streng gesiezt: Als die Landesbausparkassen (LBS) Anfang der 70er Jahre mit dem Slogan „Wir geben Ihrer Zukunft ein Zuhause“ um Kundschaft warben, lag der Hypothekenzinssatz bei über zehn Prozent. Jetzt sind Niedrigzinszeiten – und die LBS Südwest umgarnt die Jugend mit YouTube-Videoclips. Dabei wird flott geduzt.

Das hat natürlich einen Hintergrund: Mit Beginn einer Ausbildung schlossen junge Menschen früher nahezu automatisch einen Bausparvertrag ab – oder ihre Eltern haben dafür gesorgt. Das sei nicht mehr die Regel, unterstreicht LBS Südwest-Chef Wolfgang Kaltenbach bei der Bilanzvorlage in Stuttgart. Daher sieht man generell Nachholbedarf bei zielgerechter Werbung. Denn im Brutto-Neugeschäft bei Deutschlands größter LBS wurden mit 169 456 neuen Verträgen 3,4 Prozent weniger abgeschlossen als im Vorjahr.

Siebert löst Kaltenbach ab

Dennoch kann sich Kaltenbach im April mit Rekordzahlen in den Ruhestand verabschieden und Stefan Siebert übernehmen: „Wir haben ein Rekordergebnis im Neugeschäft“, sagt
Kaltenbach – damit trat ein, was die zwei LBS’ler im vergangenen Sommer im BNN-Interview avisierten: Nach Bausparsumme ist das Brutto-Neugeschäft um 9,9 Prozent auf 10,23 Milliarden Euro gestiegen. Der Vertragsbestand liegt bei 77,67 Milliarden Euro (plus 4,6 Prozent).

Kaltenbach führt dies auch darauf zurück, dass nach der Fusion mit der LBS-Rheinland-Pfalz auch dort nun fast komplett das bewährte Vertriebsmodell aus Baden-Württemberg greift: Bei diesem bieten auch Sparkässler die Produkte der LBS’ler an.

LBS Südwest baut Marktführerschaft in ihrem Geschäftsgebiet aus

„Wir konnten unsere Marktführerschaft im Südwesten nochmals ausbauen“, erwähnt Kaltenbach stolz. In Baden-Württemberg haben mit den Bausparkassen Schwäbisch-Hall und Wüstenrot zugleich die bedeutendsten Konkurrenten ihren Sitz.

Das Baukinderheld ziehe. Auch Wohn-Riester sei – „obwohl es sicherlich ein bürokratisches Monster ist“ – finanziell interessant. Bei der Wohnungsbauprämie solle der Gesetzgeber auch nach dem Willen der LBS-Vorstände Norbert Lohöfer und Uwe Wöhlert die Sparförderung verbessern.

Noch einen Rekord gibt es: im Kreditgeschäft. Zum Jahresultimo erreichte der Bestand an Wohnbaudarlehen bei der LBS mit 9,67 Milliarden Euro (plus 5,2 Prozent) einen Höchstwert. Das alles könnte laut Kaltenbach und Siebert noch besser sein, wenn mehr potenzielle Immobilien-Verkäufer auch tatsächlich veräußern würden und zusätzliches Bauland zur Verfügung stünde.

„Hinzu kommt, dass wir Handwerker-Engpässe sehen“, so Kaltenbach – gerade bei Modernisierungen. Dennoch hat sich ein Modernisierungskredit der LBS mit Darlehenszusagen in Höhe von 203 Millionen Euro – das sind plus 41 Prozent – zu einem Hit entwickelt. Bis zu 50 000 Euro gewährt die LBS dabei ohne Grundbucheintrag. Laut Bausparkassengesetz sind eigentlich nur 30 000 Euro blanko erlaubt. Die LBS hat sich einen Kniff erlaubt und die weiteren 20 000 per Kreditversicherung erhöht.

Die Schattenseite im Zahlenwerk: Das Betriebsergebnis lag nicht wie prognostiziert bei 30 Millionen Euro wie im Vorjahr. Nur 21 Millionen wurden ausgewiesen, unter anderem wegen hoher Pensionsrückstellungen, so Kaltenbach.

Ohne betriebsbedingte Kündigungen werde wie geplant bis Ende 2020 weiter Personal abgebaut: von 793 Vollzeitstellen Ende 2018 auf 750. Personalziele nach Standorten gebe es nicht. In Stuttgart waren zuletzt 486 LBS-Vollzeitstellen, in Mainz 141 und in Karlsruhe 166.