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Tabu-Thema Aids: Auch in Karlsruhe stoßen HIV-Infizierte und Aidskranke immer wieder auf Ablehnung und Ängste. Manuel S. lebt seit 23 Jahren mit dem Virus. | Foto: Jörg Donecker

Welt-Aids-Tag in Karlsruhe

Leben mit HIV: „Ich bin belastbar wie jeder andere“

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Er ist beruflich erfolgreich als kaufmännischer Angestellter in verantwortungsvoller Position, lebt in einer festen Beziehung, sieht fit und sportlich aus. Dennoch gibt es etwas, das Manuel S. für viele Menschen zum „Unberührbaren“ machen würde, wüssten sie von dem Virus in seinem Blut: Der 51-Jährige, der seinen richtigen Namen nicht preisgeben möchte, ist HIV-positiv.

Manch einer wird nach der Diagnose HIV von der Familie enterbt

„Ich bin schwul, das wusste ich schon von kleinauf“, erklärt er ohne Umschweife beim Interview in einem Karlsruher Café. Er spricht mit ruhiger Stimme und erzählt offen. Seit 23 Jahren trägt er das HI-Virus in sich, sein langjähriger Partner nicht. Manuel S. hat immer gearbeitet, ist bis jetzt gesund geblieben. „Ich habe großes Glück“, sagt er, und meint nicht den medizinischen Aspekt. Großes Glück habe er, weil seine Familie hinter ihm stehe, was er von vielen ihm bekannten HIV-positiven Menschen nicht sagen kann. „Im Freundeskreis habe ich da schon alles miterlebt“, meint er. Manche Familien enterbten ihre Kinder, brächen den Kontakt komplett ab. „Der Vater eines Bekannten hat sich erst am Sterbebett bei seinem Sohn entschuldigt. Da war es aber zu spät.“

Ich bin schwul und habe immer schwul gelebt

Manuel S. erfährt von seiner eigenen Infektion, als sein damaliger Partner mit Hepatitis A ins Krankenhaus kommt. Beim Partner wird das HI-Virus festgestellt, bei Manuel S. ist es erst drei Monate später nachweisbar. „Ich bin schwul und habe immer schwul gelebt“, sagt er achselzuckend, „ich habe mich mit dem Thema Aids auseinandergesetzt und mich informiert, aber mir war immer bewusst, dass ich mich infizieren könnte.“

Mit heutigen Medikamenten habe er das Virus aber sehr gut im Griff, sagt Manuel S., „ich werde wahrscheinlich ein ganz normales Lebensalter erreichen.“ Das sah zum Zeitpunkt seiner Ansteckung noch anders aus. Dennoch sei er von der Diagnose nicht sonderlich geschockt gewesen: „Es war halt so.“ Seiner Familie erzählt er beim Abendessen von der Diagnose. „Ich habe einfach gesagt: ,Mama, zehn Jahre geht es mir noch gut, 15 Jahre werde ich noch leben. Bis dahin – lass uns Party machen.“ Er wendet sich an die Aids-Hilfe die ihn an entsprechende Stellen vermittelt. Außerdem nimmt er einen Kredit auf und geht auf Reisen. „Den habe ich dann noch lange abbezahlt“, lacht er.

Bangen bei jeder Routine-Untersuchung: Ist das HI-Virus noch unter Kontrolle?

Die ersten Jahre nach der Diagnose nimmt Manuel S. keine Medikamente gegen das Virus. „Damals hat man das erst gemacht, wenn die Zahl der Helferzellen unter einen gewissen Wert gesunken war“, erzählt er. Vier verschiedene Wirkstoff-Therapien hat er seither bekommen, geht regelmäßig alle drei Monate zur HIV-Sprechstunde beim Schwerpunkt-Arzt: Blut abnehmen lassen, Werte besprechen. „Da habe ich schon jedes Mal die Angst: Hebt’s noch?“, sagt er im Karlsruher Dialekt. Im Alltag dagegen beschäftige ihn das HI-Virus überhaupt nicht. „Ich bin belastbar wie jeder andere, lebe in einer festen Beziehung und habe ein ganz normales Leben.“ Das allerdings sei nur in einem geschützten Umfeld so möglich.

Ahnungslosigkeit und Hemmungen bei vielen Ärzten

Berührungen, Küsse, das Benutzen derselben Toilette oder das Trinken aus einem Glas – in keinem dieser Szenarien besteht eine Ansteckungsgefahr mit dem Humanen Immundefizienz-Virus (HIV), das unbehandelt irgendwann Aids auslöst. Trotzdem stößt Manuel S. gerade bei Ärzten und in Kliniken immer wieder auf Hemmungen, Diskriminierung und sogar Ahnungslosigkeit. „Ich gehe bei Ärzten immer offen damit um, denn ich will ja die bestmögliche Behandlung bekommen“, sagt er. Sein Zahnarzt behandle ihn nur mit einer Plexiglasscheibe vor dem Gesicht und gebe ihm immer den letzten Termin des Tages, weil er sich dabei „wohler“ fühle. Einmal habe ein Vertretungsarzt seines Hausarztes bei einer Überweisung zur Orthopädie wegen Rückenschmerzen darauf bestanden, dass auf seiner Patientenakte „HIV-positiv“ stehe.

Man darf nicht meinen, dass jeder damit zurechtkommt

Ihm mache das nichts aus, sagt Manuel S., denn er habe ein stabiles persönliches Umfeld und stecke solche Situationen gut weg. „Nur einmal bin ich doch zusammengebrochen: Als mir der verantwortliche Arzt eine Operation mit der Begründung verweigerte, das Risiko für das OP-Personal sei zu groß.“ Ihm sollten die Mandeln entfernt werden. Anderen Betroffenen rät er, sich genau zu überlegen, wem man sich anvertraue. „Man darf nicht meinen, dass jeder damit zurechtkommt.“

Trotzdem blickt Manuel S. entspannt und zufrieden auf sein Leben. „Ich lebe vielleicht bewusster.“ Und mit einem Augenzwinkern sagt er: „Ich versuche, immer das ,positive‘ aus meiner Situation zu ziehen.“

Termine zum Welt-Aids-Tag
Anlässlich des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember veranstaltet die Aids-Hilfe Karlsruhe am Wochenende verschiedene Aktionen.Anlässlich des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember veranstaltet die Welt-Aids-Hilfe Karlsruhe am Wochenende verschiedene Aktionen. Am Freitag, 1. Dezember, von 12 bis 18 Uhr gibt es einen Infostand vor der Kleinen Kirche. In der Kleinen Kirche beginnt um 18 Uhr ein Konzert mit dem Hochschulchor „Vocal Resources“. Um 20 Uhr wird in Kooperation mit „Pride Pictures“ der Film „120 Beats per Minute“ in der Aids-Hilfe Karlsruhe, Wilhelmstraße 14, gezeigt.Im Badischen Staatstheater findet am Samstag, 2. Dezember, ab 20 Uhr die große Benefizgala zugunsten der AIDS-Hilfe Karlsruhe statt.