Lüpertz
TON IN TON, aber mit Hut: Im weißen Kittel testet der Kunstfürst Markus Lüpertz in seinem Majolika-Atelier weißen Spezialton für die U-Strab-Reliefs. | Foto: Fabry

Startkapital für U-Strab-Kunst

Legt Lüpertz im Herbst los?

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Auch ein Jahr nach der Entscheidung des Gemeinderats pro Lüpertz-Majolika-Reliefs in der U-Strab ist dieses umstrittene Kunstprojekt noch nicht in trockenen Tüchern. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Markus Lüpertz seine Großkunstschöpfung im Untergrund verwirklichen kann, ist stark gewachsen. Lüpertz-Promoter Anton Goll bestätigt BNN-Informationen, dass jetzt das Engagement einiger Hauptsponsoren sicher ist.

75 Prozent erreicht

„Damit sind 75 Prozent der für das Startsignal an Lüpertz notwendigen Summe erreicht“, sagt Goll. Er sei sich deshalb sicher, dass auch das restliche Sponsorengeld für die zwischen einer halben und einer ganzen Million Euro liegenden Projektkosten im Herbst eingeworben sei. „Ich stecke mitten in der Akquise“, berichtet Goll.

U-Strab
„WEISSE KATHEDRALE“ mit Lüpertz-Kunst: Zwei mal vier Meter groß sollen die Genesis-Tafeln aus Majolika-Fliesen mit bis zu 15 Zentimeter starkem Relief sein – gefertigt vom sc Kunststar Lüpertz im Atelier der Majolika und gebrannt in deren Ofen. Auf den 14 Bahnsteigen der sieben U-Strab-Stationen soll ein „Lüpertz“ hängen. | Foto: Art Connect/Anton Goll

Zudem hat Lüpertz jüngst drei Mal das seit einem Jahr für ihn in der Majolika hinter dem Schlossgarten eingerichtete Atelier mit Riesenstaffelei zur Materialerprobung aufgesucht. „Die Tests mit weißem Spezialton waren erfolgreich“, versichert Goll.

Ein Jahr reicht Lüpertz

Folglich könne der Künstler, sobald die Finanzierung endgültig gesichert sei, noch vor Jahresende richtig loslegen. Zur Kreation und Produktion der 14 Relieftafeln U-Bahnsteigwände in der Majolika soll laut Goll rund ein Jahr reichen. Läuft alles nach diesem Kunstplan, dann wird Lüpertz noch ganz locker vor der derzeit noch für Ende 2020 geplanten Inbetriebnahme der U-Strab fertig.

 

Anton Goll
DER ORGANISATOR: Anton Goll hat den Erfolg vor Augen. | Foto: jodo

Goll sieht eine glückliche Fügung darin, dass inzwischen auch der ökumenische Weltkirchenrat 2021 in die Fächerstadt kommt. Dann werde die Karlsruher „Genesis“ von Lüpertz als große Attraktion erfahren „und in die Welt getragen“, meint er.

Zweifel zerstreut?

Nachdem Lüpertz-Promoter Goll, mittlerweile Vorsitzender des Trägervereins „Karlsruhe Kunst Erfahren“, nicht wie von ihm versprochen bis Ende 2017 die damals auf eine Million Euro bezifferte Finanzierungssumme bei Sponsoren gesichert hatte, kursierten in der Stadtpolitik und der Bürgerschaft erhebliche Zweifel an der Umsetzung von „Genesis – die sieben Tage des Herrn“. Hatten sich doch im Sommer 2017 mehrere Institutionen davon distanziert, dass sie das in der Karlsruher Stadtpolitik und in der Kulturwelt heiß diskutierte Projekt offiziell unterstützten beziehungsweise dafür Geld in Aussicht gestellt hätten.

Noch keine Namen

Nun aber scheint sicher, dass 2018 führende Institutionen der Karlsruher Finanzwelt ihre lange signalisierte Unterstützung verbindlich zugesichert haben. Ihre Namen will Goll momentan nicht nennen. Dazu kommen laut Goll neu gewonnene Geldgeber. Zu Spenden auch aus der Bürgerschaft könne der Verein aber erst im Herbst aufrufen, wenn der „Startbetrag“ für das Lüpertz-Projekt erreicht sei.

Der „Ermöglicher“

Im Juli 2017 stimmte der Gemeinderat mit OB Frank Mentrup als „Ermöglicher“ dafür, dass der Malerfürst Lüpertz auch ohne Wettbewerb auf allen 14 Bahnsteigen der sieben U-Strab-Stationen mit jeweils einem Majolikarelief im Maßstab zwei mal vier Meter sein Werk ausstellen darf. Vollmundig suchte daraufhin Anton Goll als der Organisator der Lüpertz-Kunstaktion die Öffentlichkeit.

Die Finanzierung der notwendigen einen Million Euro für das Geschenk an Karlsruhe und die Welt durch Sponsoren sei so gut wie sicher, erklärte er im Juli 2017. Und bis Jahresende 2017 seien alle Zweifel an der Finanzierung ausgeräumt. Dann jedoch wurde es still um den Karlsruher Lüpertz-Kunst-Coup.

 

Lüpertz
´KARLSRUHES KUNSTFÜRST Markus Lüpertz bereitet sich weiter auf seine Schöpfungsgeschichte vor, welche die U-Strab schmücken soll. | Foto: Uli Deck

Gage reduziert

Ein weiteres halbes Jahr verstrich, bis nach BNN-Informationen Bewegung in die U-Strab-Majolika-Schmuck-Aktion gekommen ist. Im Februar 2018 hieß es bei der Präsentation des Trägervereins nun sei die Summe in kurzer Zeit beisammen, zudem seien insgesamt nur noch 600 000 Euro nötig, da der 77-jährige Kunststar Lüpertz seine Gage deutlich reduziert habe. 200 000 Euro seien für die Produktion bei der Majolika aufzubringen, hieß es beim Trägerverein.  Immerhin werden laut Goll zwölf Tonnen Spezialton für den U-Strab-Kunst bewegt.

Die Signale sind positiv

Der neue Kulturbürgermeister Albert Käuflein, der ganz im Gegensatz zu seinem Amtsvorgänger Wolfram Jäger (CDU) das Projekt unterstützt, versprüht auf BNN-Anfrage Optimismus. „Die Signale, die vom Verein bei mir ankommen, sind positiv. Darüber freue ich mich“, unterstreicht Käuflein. „Der Gemeinderat hat klare Bedingungen für die Umsetzung genannt. Die werden eingehalten“, ergänzt er. Käuflein ist „zuversichtlich, dass die Lüpertz-Kunst in die unterirdischen Haltestellen der Kombilösung kommt“.