Wer gerne ein gutes Buch liest, legt vermutlich keinen Wert darauf, gleichzeitig von Musiktalenten unterhalten zu werden. | Foto: @ frank peters - stock.adobe.com

Im Flugzeug oder in der Bahn

Lesen ohne Musikbeschallung

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Gibt es etwas Schöneres, als während einer endlosen Bahnfahrt quer durch Deutschland oder eines Fluges über den Atlantik ein richtig dickes Buch zu lesen? Wohl kaum. Man wird durch nichts abgelenkt, man hat (meist) keinen ordentlichen Handy-Empfang und man hat vor allem sehr viel Zeit. Sechs Stunden! Oder sieben! Am Stück! Wunderbar! Vorsicht ist allerdings geboten, wenn Sie einen Flug mit der indonesischen Fluggesellschaft Garuda planen. Dort sollen Passagiere künftig auf einigen Inlandsflügen mit „Live-Musik“ unterhalten werden. Dank „vielversprechender Talente“ soll den bemitleidenswerten Reisenden ein „andersartiges Flugerlebnis“ geboten werden.

Bitte nicht nachmachen!

Man kann nur hoffen, dass in Deutschland niemand auf eine ähnliche Idee kommt und künftig untalentierte Mützenträger während eines Fluges von Hamburg nach Stuttgart Dieter-Bohlen-Lieder ins Mikro plärren lässt. Eine durch und durch gruselige Vorstellung. In den USA gab es vor ein paar Jahren mal einen ähnlichen Versuch. Die Passagiere der Fluggesellschaft Southwest waren aber wenig erfreut über das Dudelprogramm über den Wolken. Sie würden lieber „schlafen oder lesen“, ließen sie die Verantwortlichen wissen.

„Silent Reading Partys“

Probleme mit Musikbeschallung haben die Lese-Fans eines kleinen Cafés in Osnabrück zum Glück nicht. Dort finden seit eineinhalb Jahren „Silent Reading Partys“ statt. Um die 40 Menschen treffen sich regelmäßig, um gemeinsam in aller Stille zu lesen. Die Idee für das Format hatte Stadtbibliothekar Michael Meyer-Spinner. Auf der Suche nach Veranstaltungskonzepten, die Literatur vermitteln oder Lesefreude wecken und sich von klassischen Formaten unterscheiden, sei er auf die Silent Reading Partys aus Amerika gestoßen, sagt er.

Neuer Job für Gottschalk

Dass Lesen immer noch „in“ ist, zeigt vielleicht auch die Tatsache, dass einer der ganz großen deutschen Unterhaltungskünstler künftig eine Literatursendung im Fernsehen des Bayerischen Rundfunk moderieren wird: Thomas Gottschalk soll viermal im Jahr mit Gästen über deren Neuerscheinungen und andere Kulturthemen sprechen. Es gehe um einen neuen Zugang zum Thema Literatur, sagte der Intendant des Bayerischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm. Gottschalk selbst verwies auf sein Lehramtsstudium und sagte: „Zum Lesen haben die meisten heute eine App – ich habe zumindest drei Semester Germanistik.“