Gleisbaustelle Kaiserstraße
SCHIENENBAU AM MARKTPLATZ: Noch ein Mal werden in diesem Herbst oberirdische Gleise nahe der Pyramide in der Kaiserstraße verlegt. Ab Montag, 6. November, kann man dort wieder oberirdisch auf schnurgerader Schiene mit der Bahn fahren. Vermutlich in etwas mehr als vier Jahren ist auch dies vorbei. | Foto: jodo

Kaiserstraße gesperrt

Letzter Eingriff der Gleisbauer

Mit der Sperrung der Kaiserstraße überbrücken die Karlsruher Kombi-Bauer die Herbstferien. Während die Schüler und viele Berufstätige in der Halbzeitpause zwischen Sommerurlaub und Weihnachtstrubel herumhängen, läuft der U-Strab-Bauzug vermutlich letztmals auch oberirdisch auf vollen Touren.

Schikane verschwindet

In der Fußgängerzone auf Höhe des Marktplatzes lässt der Kombi-Bauherr, die städtische Tochter Karlsruher Schieneninfrastruktur Gesellschaft (Kasig), die leichte Schienenschikane verschwinden.

Treppe in die Unterwelt

Zudem wird zuvor eine provisorische Tunneldecke durch eine massive Betonplatte ersetzt. Daneben entsteht an der Ecke von Kaiserstraße und Karl-Friedrich-Straße in dieser Herbstwoche der Treppenabgang in die Unterwelt, an deren Bahnsteigwand vielleicht einmal eine Majolika-Schöpfung von Markus Lüpertz prangt.

Werden Schienen ab 2022 rausgerissen?

Damit ist es mit dem oberirdischen Gleisbau im Zentralabschnitt der Kaiserstraße zwischen Europaplatz und Kronenplatz vermutlich ein für alle Mal aus. Es sei denn, die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) hielten dort in den letzten vier Jahren des oberirdischen Straßenbahnverkehrs noch eine Gleissanierung für unausweichlich. Schließlich will die Stadtpolitik auf der Basis des Kombi-Bürgereentscheids von 2002 die Schienen ab 2022 herausreißen, um dann die Kaiserstraße mittels edlen Steinbelags und neuer Bäume in eine wahre Flaniermeile zu verwandeln.

U-Strab- soll Ende 2020 rollen

Voraussetzungen für das Verschwinden der Schienen sind allerdings die derzeit für Ende 2020 geplante Inbetriebnahme der U-Strab sowie die Fertigstellung des Autotunnels Kriegsstraße als der zweiten Komponente der Kombilösung ein Jahr später.

„Es ist der letzte Eingriff“

„Von uns jedenfalls ist es der letzte Eingriff an der Oberfläche in der Kaiserstraße“, bestätigt Kasig-Chef Uwe Konrath. Folglich wird die Kaiserstraße wegen einer Baustelle im Zusammenhang mit der U-Strab auch nie mehr – wie so oft in den vergangenen acht Jahren vor allem zur Ferienzeit – für die Straßenbahnen gesperrt. Rollt in drei Jahren die U-Strab, dann werden 2021 nur noch zwei Linien oberirdisch durch die Fußgängerzone fahren. Ist dann ein Jahr später auch der Autotunnel fertig, wird der oberirdische Bahnbetrieb in der zentralen Kaiserstraße ganz eingestellt.

Scweissarbeit in der Kaiserstrasse
VOLLER EINSATZ in den Ferien: Die Arbeiten in der Kaiserstraße liegen laut Kasig im Zeitplan. | Foto: jodo

Der Rückzug der U-Strab-Baustellen in der City verzögert sich indessen etwas. Noch werden die abgezäunten Flächen von der Kasig benötigt. Konrath verspricht nun, dass im nächsten Frühling die Metallgitter und Holzwände um die Pyramide fallen.

Rückzug bis Sommer 2018

Bis zum Frühsommer 2018 sollen alle Plätze an der Kaiserstraße keine U-Strab-Baustellenplätze mehr sein, versichert der Kasig-Chef. Lediglich eng begrenzte Holzverschläge um die jeweiligen U-Strab-Treppen blieben dann noch auf den Plätzen stehen, erklärt Konrath.

Durch die aktuelle Ferienbaustelle ist der Bewegungsraum für die Fußgänger bei der Pyramide zusätzlich eingeschränkt. Konrath betont, dass diese Behinderung auf dem Marktplatz mit Ende der Gleissperrung am Montagmorgen, 6. November, Geschichte sei.

Dort können also bald einige Buden des Christkindlesmarkts stehen, um dessen vollständiges Comeback vom Friedrichsplatz zum Marktplatz in den nächsten Jahren anzukündigen. Zudem sichert Konrath zu, dass die U-Strab-Baustelle zwischen Café Böckeler und der Lammstraße noch vor Einsetzen des großen Weihnachtstrubels Ende November aufgehoben sei.

 

 

Kommentar

 

 

Der Druck ist raus

Das achte Jahr des Stadtumbaus neigt sich. Unter den ersten sieben fiel manches sehr mager aus. Die U-Strab-Bau-Bilanz für 2017 lässt sich hingegen recht gut sehen: Diesmal geriet der Zeitplan nicht ins Rutschen. Im bergmännisch unter Überdruck vorgetriebenen Südtunnel unter der Karl-Friedrich-Straße ist die Betonröhre gerade einen Monat früher als geplant fertig geworden.

Damit rückt das Ende der Rohbauarbeiten immer näher. Im Sommer 2018 will die Kasig im Nordkopf der U-Station „Ettlinger Tor“ die letzte tragende Wand betoniert haben.

Der Druck einer möglichen Instabilität des unterirdischen Bauwerks, die trotz aller Sicherheitsmaßnahmen ein Absacken der Karlsruher Erde und damit eine Katastrophe wie in Rastatt beim Ausbau der Rheintalbahn hätte auslösen können, besteht nun nicht mehr.

In den sieben Jahren zuvor blieb der Fortschritt der Arbeiten dagegen weit hinter den Versprechungen der U-Strab-Strategen zurück. Der Karlsruher Bauexpress stoppte und zuckelte bisweilen so oft und so stark, dass er vier Jahre Verspätung einfuhr: Statt Ende 2016 soll die U-Strab jetzt Ende 2020 rollen.

Die Inbetriebnahme des Autotunnels Kriegsstraße soll wegen dessen um drei Jahre auf Sommer 2017 verschobenen Baustarts Ende 2021 folgen. Damit kann die Kombilösung aus Bahn- und Autotunnel unter der City mit dem Abzug der Straßenbahnen aus der Kaiserstraße und deren Umbau – allerdings alleine auf Kosten der Stadtkasse – vermutlich schrittweise im nächsten Jahrzehnt aufgehen.

Die Karlsruher müssen also weiter viel Geduld aufbringen, bis die gewünschte Zukunft ihrer Einkaufscity anbricht. Immerhin ist oberirdisch vom U-Strab-Bau bald kaum noch etwas zu sehen. Übrigens war vor 2010 versprochen, dass die Baustellen nur zwei Jahre die Plätze in Beschlag nehmen würden. In Wahrheit wurde daraus mehr als die dreifache Zeit. Rupert Hustede