die Köth
EIN BÜHNENSTAR ohne divenhaftes Getue war Erika Köth. Das Publikum lag ihr weltweit zu Füßen, die Karlsruher hingen besonders an ihr. | Foto: BNN-Archiv/Electrola

Bürgerverein erinnert an Star

Letzter Schliff für „die Köth“

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Karlsruhe hat „die Köth“ zur Königin gemacht. Der Bürgerverein Südweststadt ehrt jetzt das Andenken der weltberühmten Kammersängerin, die zu Beginn ihrer steilen Karriere in der Nähe des Kolpingplatzes wohnte.

Tafel für Köth
EIN ZEICHEN gegen das Vergessen setzt der Bürgerverein Südweststadt mit der Erinnerungstafel für Erika Köth in der Sachsenstraße. F | Foto: Sandbiller

Am Badischen Staatstheater bekommt die „Lerche von Darmstadt“ den letzten Schliff. Sie bezaubert die Karlsruher Operngemeinde als Gretel in „Hänsel und Gretel“, als Blondchen in der „Entführung aus dem Serail“ oder als Sophie im „Rosenkavalier“.

25 Partien in drei Jahren

Nach drei Jahren mit 25 Partien ist die umjubelte Opernsängerin 1953 nicht mehr am Rhein zu halten. Opernhäuser in der ganzen Welt reißen sich um die „Königin der Koloraturen“. Und Erika Köth springt, sie wechselt an die Münchener Staatsoper und singt bald an der Mailänder Scala.

Weltstar in New York

Die in Karlsruhe ausgebildete Sopranistin wird zu einem Weltstar der 50er und 60er-Jahre, zur „deutschen Nachtigall“ bei Auftritten in London und New York, in Salzburg und San Francisco, in Japan und der Sowjetunion.

Eine der besten Koloratursopranistinnen der Welt

„Überall huldigten ihr die Musikfreunde als einer der besten Koloratursopranistinnen der Welt“, schrieb der ebenfalls bei vielen Karlsruher Musikliebhabern unvergessene BNN-Redakteur Ulrich Hartmann zum Tode der Köth im Februar 1989. „Eine außergewöhnliche Gesangskultur und ihre zauberhafte Stimme machten sie zu einer der markantesten und beliebtesten Künstlerinnen der Nachkriegsgeschichte“, urteilte Hartmann.

Die „Königin der Nacht“ brilliert

Die „Königin der Nacht“ brilliert besonders in Mozarts Zauberflöte. Musikexperten bescheinigen ihr höchste Virtuosität.

 

Sopranistin Köth
DIE KÖNIGIN DER KOLORATUREN bezauberte. | Foto: BNN-Archiv/Röhnert

 

Der Ruhm öffnet ihr die Türen bei Radio, Fernsehen und Film. Sie moderiert in den 70er-Jahren die eigene Serie „Erika-Köth-Straße 94“ – ihre wirkliche Adresse in Neustadt an der Weinstraße.

1978 tritt der Star mit 53 Jahren von der großen Opernbühne ab. Sie wirkt nun als Liedsängerin und Musikpädagogin. Hin und wieder tritt sie mit Heinz Schenk im Blauen Bock des ZDF auf.
„Das war meine schönste Zeit, wo ich so arm war und nie Geld hatte“, schwärmt die Köth später von ihren Karlsruher Jahren. Ihren Aufstieg fördert Generalmusikdirektor Otto Matzerath. Die Sopranistin Else Blank verbessert ihre Gesangstechnik.

Meine alte Meisterin, ihr verdanke ich alles

„Meine alte Meisterin, ihr verdanke ich alles“, erklärt die Köth vor 40 Jahren den BNN. Karlsruhe vergisst die kleine Person mit der umwerfenden Stimme nicht. Immer wieder kehrt sie zu Operngastspielen oder Liederabenden in die Fächerstadt zurück und begeistert das badische Publikum.

Von der Sachsenstraße in die …

Daran erinnert jetzt die Gedenktafel am Haus Sachsenstraße 9. Dies war die letzte Adresse der Köth in Karlsruhe, ihrem Sprungbrett in die Weltklasse. 39 Vorhänge gab es „im nicht endenden Beifall“ beim Karlsruher Abschiedsabend für „die Köth“. „Es war ein ergreifendes Erlebnis“, heißt es am 7. Juli 1953 in den BNN. Wehmütig schaut der Autor im Schmerz über den Abgang der Köth „auf jene Zeit zurück, wo die Privatschatulle des Großherzogs solche Kräfte der Stadt erhielt“.

 

TV-Star Köth
MIT EIGENEN SENDUNGEN erzielte die Opernsängerin Breitenwirkung per TV. | Foto: BNN-Archiv/Röhnert

In der Pfalz – dem geschätzten Karlsruhe nahe – stirbt Erika Köth mit 63 Jahren an Leberkrebs. Darmstadt, Baldham bei München und Neustadt an der Weinstraße haben eine Erika-Köth-Straße, Karlsruhe nicht. Der Bürgerverein versucht mit der Gedenktafel, die Erinnerung an den Weltstar Köth in der Südweststadt wachzuhalten. 50 Bürger sind zur Enthüllung des Schildes gekommen, keiner hat die Köth noch auf der Karlsruher Musikbühne bewundert.

Ihr Herz ist voll Musik

Aber als späterer Star der leichten Muse ist sie den Senioren in bester Erinnerung. Köth-Verehrerin Gertrud Klose hat deren Biographie „Ihr Herz ist voll Musik“ mitgebracht. Beim Empfang schwärmt Bürgervereinsvorsitzender Jürgen Sickinger von der „Königin der Nacht“. Dazu bietet die Sopranistin Marta Schmidt, begleitet von Lothar Arnold am Klavier, eine Hommage auf die große Sängerin mit nun neu ausgewiesenen Spuren in der Südweststadt.