Der Karlsruher Mundartdichter Harald Hurst im BNN-Interview. | Foto: BNN

Interview mit Harald Hurst

Literatur-Heimat

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Die Literatur- und Literaten- Szene hat sich seit der 1990er Jahre auch in Karlsruhe merklich verändert, Einzelkämpfertum ist den intensiven Literaturzirkeln gewichen, individuelle Autoren-Porträts verwandeln die einstige Karlsruher Autorenlandschaft in Hotspots herausragender literarischer Leistungen, darunter national bekannte Karlsruher Autoren wie Markus Orths, Silke Scheuermann oder Wolf Wondratschek. Und doch: »Literatur hat in Karlsruhe nach wie vor eine besondere Heimat «, so der Karlsruher Mundartdichter Harald Hurst (HH) in einem Interview mit der Karlsruher Kulturpublizistin Yps Knauber.

 

Herr Hurst, ist Karlsruhe eine Literaturstadt?

Eigentlich kann ich hier nicht nur einfach mit ja antworten, denn Karlsruhe ist mehr Literaturstadt als man glaubt! Voran die Literarische Gesellschaft hat viel Leben in den Literaturbetrieb der Stadt gebracht. Sie hat die Literatur – nicht nur mit dem Museum für Literatur am Oberrhein im Prinz-Max-Palais, sondern mit den inhaltlichen Leistungen wie den Literaturtagen, dem Hermann Hesse-Literaturpreis, dem Scheffelpreis und der Literaturzeitschrift »allmende « – mitten in der Stadt und weit über Karlsruhe hinaus etabliert.

Ist Karlsruhe ein gute Heimat für Literaturschaffende?

Karlsruhe ist ein gutes Milieu für Schreibende – keine Provinz und keine Großstadt. Hier kann man sich bemerkbar machen. In Berlin hingegen geht man unter!

Spielt Heimat heute Ihrer Beobachtung nach eine wichtige Rolle für Autorinnen und Autoren?

Heimat bleibt immer wichtig, auch für Autoren! Vielleicht ist der Heimataspekt wichtiger denn je. Die Suche nach Identität und Zugehörigkeit ist hinsichtlich der zunehmenden Globalisierung spürbarer geworden. Ich versuche es vorsichtig zu formulieren: Ich empfinde die momentane Entwicklung wie ein zweites Biedermeier. Die große Resonanz auf Literatur mit lokalem, regionalem Bezug, voran in der Krimiliteratur, steht für mich in einem unmittelbaren Bezug zu einer neuen Form von Heimatgefühl.

Und die Mundart-Literatur? Wie ist sie zu verorten? Hat sie noch eine Heimat?

Schreiben in Mundart ist für mich nicht Heimattümelei, sondern ein besonderes sprachliches Werkzeug, Heimat in sehr feinen Nuancen wiederzugeben. Sie muss sich als Literatursprache stets mit der hochsprachlichen Literatur messen lassen können. Ihre Stärke liegt in ihrer emotionalen Direktheit, in ihrer unmittelbaren Ausdrucksfähigkeit und Wirkungskraft.