"Little Steven" bei seinem Auftritt in Karlsruhe. | Foto: Pan Thermos

Zeltival Karlsruhe

„Little Steven“ ganz groß

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Was für ein saucooler Typ: Bei gefühlten Temperaturen von 50 Grad Celsius schreitet um 20.30 Uhr ein seltsamer Mann auf die Bühne des Karlsruher Tollhauses. Offenbar hat er sich für eine Piratenparty verkleidet. Er trägt einen langen dunklen Mantel, an seinem Hals flattert ein mindestens zwei Meter langes Tuch und seine Frisur wird versteckt von einem Kopftuch, das man heutzutage Bandana nennt. Fehlt eigentlich nur noch der Säbel.

„Der Boss“ ist sein Kumpel

Little Steven, Kumpel und Kollege von Bruce Springsteen, zeigte beim Zeltival, dass er auch ohne den „Boss“ in der Lage ist, ein fulminantes Spektakel auf die Beine zu stellen. Und ähnlich wie Springsteen mag er’s lang. Sehr lang. Fast drei Stunden lang brettern Steven Van Zandt und seine Band, die optisch an eine Bande streunender Outlaws erinnert, durch die Geschichte der Rock-, Soul- und Funkmusik. Und zwar nicht nur akustisch, sondern auch optisch: Wann hat es das zuletzt gegeben, dass drei Backgroundsängerinnen in güldenem Glitzerfummel wie beschwipste Go-go-Girls über die Bühne hüpfen? Insgesamt 15 (!) Bandmitglieder, darunter fünf Bläser, sorgen für einen Sound, für den wohl in frühen Vorzeiten mal der Begriff „satt“ erfunden wurde.

Mit Soul geht’s knackig los

Vor etwa 1100 begeisterten Zuschauern im meist gesetzten Alter, einige davon im durchgeschwitzten Springsteen-T-Shirt, starten „Little Steven & The Disciples of Soul“ mit zwei Titeln, die den Soul schon im Namen tragen: „Sweet Soul Music“, im Original von Arthur Conleys, und „Soulfire“, das Little Steven einst für die dänische Retro-Band „The Breakers“ schrieb. Was folgt, ist eine fein ausgewogene Mischung aus Little-Steven-Klassikern wie „Forever“, „Princess Of Little Italy“, „I Saw The Light“ oder „Out Of The Darkness“ und sorgsam ausgewählten Coversongs von Künstlern, die der 69-jährige Van Zandt schätzt und liebt.

Von James Brown bis zu den Beatles

Von Etta James gibt’s „The Blues Is My Business“, von James Brown „Down And Out in New York City“ und von den Beatles „Got To Get You Into My Life“, wobei sich die Band hier eher an der funkigen Version von Earth, Wind And Fire orientiert als am Liverpooler Original. Und um das Ganze noch vertrackter zu machen, spielt der „kleine Stefan“ auch Songs, die er einst für andere Künstler geschrieben hatte, wie beispielsweise „Love On The Wrong Side Of Town“, vor 40 Jahren ein Hit für Southside Johnny & the Asbury Jukes.

„Wow!“

Das Schöne am Zeltival ist ja auch, dass man sich bei vielen Konzerten ganz nach vorne drängeln kann und wenn man dann plötzlich direkt vor jenem finster dreinblickenden Mann steht, der einen als Consigliere Silvio Dante in den „Sopranos“ als Schauspieler das Lachen und das Fürchten gleichzeitig lehrte, dann hat das schon einen gewissen „Wow!“-Effekt.

Sogar im Freien tanzten die Fans

Dass gegen Ende des Konzerts immer mehr Menschen ins Freie flüchteten, hatte weniger mit den musikalischen Darbietungen als vielmehr mit den unschönen Temperaturen im Saal zu tun. Zum Glück war die Musik so laut, dass man sie auch draußen hören konnte. Und einige tanzten sogar fröhlich im Freien – mit einem coolen Drink in der Hand.