Das Titelblatt der „Kurfürstenbibel“ aus dem Jahr 1717. | Foto: Badische Landesbibliothek

Prächtiges Buch als Schenkung

Kurfürsten-Bibel für die Bibliothek

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Der Karlsruher Rechtsanwalt Gerhard Baer hat der Badischen Landesbibliothek eine seltene Luther-Bibel geschenkt. Sie wurde zum Reformationsjubiläum 1717 in Nürnberg gedruckt und ist eine besonders prächtige Ausgabe der berühmten „Kurfürstenbibel“. Dieses gut erhaltene Exemplar der für die heimische Lektüre hergestellten Bibel war über 172 Jahre hinweg ununterbrochen im Besitz der Familie Baer, informiert die Badische Landesbibliothek.

Den Namen „Kurfürstenbibel“ verdankt die großformatige Bibel den ihr beigegebenen elf Porträt-Stichen sächsischer Fürsten und Kurfürsten aus der Reformationszeit. Die Druckerei Endter in Nürnberg erhielt 1641 von Ernst dem Frommen, Herzog von Sachsen-Gotha, den Auftrag zum Druck einer revidierten Luther-Bibel. Der Herzog wollte in seinem vom Dreißigjährigen Krieg verwüsteten Land die Bildungsverhältnisse grundlegend verbessern und trieb in diesem Zusammenhang das Projekt einer neuen, allgemein verständlichen Bibeledition voran. Die in der Karlsruher Bibel vorliegende Textfassung stammt vom Nürnberger Pfarrer Johann Michael Dilherr. Diese Bibelversion war außerordentlich populär, bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wurde sie in etlichen Auflagen immer wieder neu gedruckt und überallhin verbreitet. Die sächsischen Herrscher, die seit der Reformation auch die Oberhäupter der jeweiligen Landeskirchen waren, werden zwischen Titelblatt und Bibeltext jeweils ganzseitig abgebildet und mit einem Lebenslauf vorgestellt.

Acht Kilo schwer und mehr als 200 Jahre alt

Gerhard Baer hat die 8,1 Kilogramm schwere Bibel von seinem Vater Rudolf geerbt, der nach dem Ersten Weltkrieg als Pfarrer in Gondelsheim tätig war. Dieser wiederum hatte sie von seinem Vater Mathias Baer übernommen, der als Gutspächter in Gemmingen ansässig war. Und dieser hatte die Bibel von seinem Onkel Samuel Bär, Gutspächter in Bruchhausen bei Heidelberg, dessen beide unverheirateten Töchter keine Nachkommen hatten. Die Baers sind nach dem Dreißigjährigen Krieg als mennonitische Flüchtlinge aus der Schweiz in den Kraichgau gekommen, die Familie lässt sich dort über Gerhard Baers Ururgroßvater Peter und seinen Urururgroßvater Heinrich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen.

Geschichte lässt sich nicht komplett verfolgen

Samuel Baer, der nach Mitteilung seiner Töchter in der Bibel 1886 einem Schlaganfall erlag, hat auf der Rückseite des Titelblattes vermerkt, dass er die Bibel 1846 gekauft habe. Bis zum Druckjahr 1717 zurück lässt sich die Besitzgeschichte nicht verfolgen. Vermutlich war ihr erster Besitzer Franz Ludwig Müller, der sie 1721 in einen robusten, schwarz-braun eingefärbten Schweinsledereinband binden ließ. Die Buckeln auf den vier Ecken sichern den Band gegen Abrieb, und die beiden Riemenschließen schützen den Buchblock gegen Schmutzeintrag. Müller hat seinen Namen und das Buchbindejahr in das Deckelleder prägen lassen.

„Bonus“-Ausstattung für die Jubiläumsausgabe

Zur Bildausstattung dieser Ausgabe gehört auch ein ganzseitiges Bildnis Martin Luthers in seinem Studierzimmer, hinter sich an der Wand die Porträts seiner Eltern und seiner Frau Katharina von Bora. Nicht nur der Gelehrtenfleiß – auch das Bild gewordene Familienbewusstsein machen den Reformator zum Vorbild für die Leser seiner Bibel. Das Blatt wurde 1717 eigens für diese Jubiläumsausgabe produziert. Der wissbegierige Leser wird außerdem mit einer chronologischen Lebensbeschreibung des Reformators versorgt. Außerdem enthalten sind 144 Textholzschnitte nach Kupferstichen von Johann Jakob von Sandrart. Sie haben Beischriften, die in Reimform moralische Belehrung erteilen.
(BNN)