Warten auf das Christkind.... | Foto: ©Natallia Vintsik - stock.adobe.com

Aufgefallen

Luther und das Christkind für alle

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Das Reformationsjubiläum – 2017 wurde es ausgiebig begangen. Das rief die Gemeinsamkeiten der Konfessionen, aber auch die Unterschiede in Erinnerung. Doch wie steht es um das Christkind? Gehört es den Katholiken? Den Protestanten? Oder ist der Gabenbringer ein Teil der gemeinsamen christlichen Tradition? Nicht etwa, dass wir 500 Jahre nach dem Anschlag von Martin Luthers Thesen daraus eine Glaubensfrage machen wollten. Aber Wissen hat noch nie geschadet.

Erstens – zweitens – drittens

Also machen wir uns kundig. Und erfahren erstens: Das Christkind ist nicht identisch mit dem Jesuskind in der Krippe. Zweitens: Es ist vor allem in Gegenden mit einem hohen Katholiken-Anteil (etwa im deutschen Südwesten) für die Bescherung zuständig. Aber drittens: Das war nicht immer so.

Das Christkind – Konkurrenz für Sankt Nikolaus

Denn ursprünglich war Sankt Nikolaus der exklusive Geschenke-Lieferant. Erst in der Reformationszeit bekam er Konkurrenz: Das Christkind tauchte auf – zunächst als „Heiliger Christ“. Einiges spricht dafür, dass Martin Luther persönlich diese Lichtgestalt aus der Taufe gehoben hat. Sie war als evangelischer Gegenentwurf zum katholischen Nikolaus gedacht. Denn die Protestanten wollten die Heiligenverehrung eindämmen, aber nicht ganz auf einen himmlischen Gabenbringer verzichten.

Die Attribute eines Rauschgold-Engels

Die Katholiken wiederum fanden Gefallen am Christkind, das bald mit allen Attributen eines Rauschgold-Engels ausgestattet wurde. Die Konkurrenz belebte das Geschäft – zur Freude der Kinder: Denn schließlich füllte am 6. Dezember der Nikolaus die Stiefel, während an Weihnachten das Christkind bescherte. Eigentlich eine schöne ökumenische Aufgabenteilung.

… und dann kam auch noch der Weihnachtsmann

Doch dann erschien als dritter im Bunde der Weihnachtsmann. Der ist – entgegen verbreiteten Vorstellungen – keine Erfindung amerikanischer Brausebrauer. Nur das rot-weiße Gewand verdankt er einer Coca-Cola-Werbekampagne der 1930er Jahre. In Deutschland hatte jedoch schon 1835 der (evangelische) Hoffmann von Fallersleben diesen Gabenbringer besungen: „Morgen kommt der Weihnachtsmann.“

Wer bringt die schönsten Geschenke?

Puuh, das ist ganz schön kompliziert. Aber irgendwie auch wieder nicht. Ein kleiner Bub hat einmal gesagt „Das Christkind ist für alle da. Und der Nikolaus und der Weihnachtsmann auch.“ Dann allerdings lachte der schlaue Bursche verschmitzt und sagte: „Die schönsten Geschenke bekomme ich sowieso von Oma und Opa.“