Nach jungem Grün strecken die Maikäfer nun ihre fächerförmigen Fühler aus. Die gefräßigen Waldbewohner schwächen damit die Bäume, die ohnehin unter Trockenstress leiden, weiter. (Archivfoto)
Nach jungem Grün strecken die Maikäfer nun ihre fächerförmigen Fühler aus. Die gefräßigen Waldbewohner schwächen damit die Bäume, die ohnehin unter Trockenstress leiden, weiter. (Archivfoto) | Foto: Lechner

Forstleute sorgen sich

Maikäfer und Trockenheit schwächen die Bäume

Anzeige

Sie brummen wieder: Ihrem Namen zum Trotz schwirren schon in diesen Apriltagen die ersten Maikäfer. Egal, ob abends auf der Terrasse, beim Chillen im Schlossgarten oder beim Spaziergang im Hardtwald: Die Sumsemänner sind schon da und ziehen schwerfällig ihre Bahnen.

Die große Masse kommt aber erst in den nächsten Wochen: „2019 ist ein Flugjahr“, sagt Ulrich Kienzler, der Leiter des Karlsruher Forstamtes. Von den beiden Großfamilien im Hardtwald steht nun der Südstamm in den Startlöchern. Will heißen: Zwischen Schlossgarten und Stutensee sowie im Oberreuter Hardtwald werden unzählige Maikäfer den Waldboden verlassen, in dem sie drei bis vier Jahre als Engerlinge gelebt haben.

Ab 10 Grad fliegen die Maikäfer

Zeitgleich mit den Austrieb von Eiche und Roteiche starten die gefräßigen Käfer und strecken ihre fächerförmigen Fühler vor allem nach dem jungen Grün dieser Baumarten aus. Dass die sommerlichen Temperaturen in den kommenden Tagen kühlerer Witterung weichen, wird die Krabbler nicht aufhalten, so der Forstdirektor: „So lange es nachts nicht weniger als zehn Grad gibt, sind die Maikäfer da“, sagt Kienzler.

Angefressen Blätter stressen Bäume

Ganz so extrem wie in früheren Zeiten ist es aber nicht mehr, als Nord- und Südstamm jeweils alle vier Jahre als Plagen losschwirrten. „Mittlerweile sind sie stärker vermischt, und es gibt jedes Jahr eine Population“, erklärt der Forstexperte. Und doch werde sich das Flugjahr bemerkbar machen, vor allem an Eiche und Roteiche. Dabei gelten diese Baumarten bislang als relativ stabil, da sie am besten mit der anhaltenden Trockenheit zurecht kommen. Wird nun ihr frisches Grün abgefressen, bilden die Bäume zwar neue Blätter, werden aber geschwächt – und damit auch anfälliger für Trockenstress.

Kombination mit Trockenheit ist gefährlich

Auf dem Speiseplan der Engerlinge stehen zudem die Feinwurzeln vieler Laubbaumarten. Bei jungen Larven hält sich der Appetit noch in Grenzen. Bei Engerlingen im letzten Jahr vor der Metamorphose ist er hingegen immens. Was in Kombination mit der anhaltenden Trockenheit im Vorjahr den Wald stark schädigte, so Kienzler. „Wenn die Feinwurzeln fehlen, ist die Wasseraufnahme von vornherein um 20 bis 30 Prozent reduziert“, erklärt er.
Ironie am Rande: Während Eichen, Buchen und Co von den gefräßigen Engerlingen auf diese Weise dezimiert werden, ist die Spätblühende Traubenkirsche – ein Neophyt, der sich rasant ausbreitet und aus Naturschutzgründen bekämpft wird – vor den Waldmaikäfer-Larven sicher. „Die Spätblühende Traubenkirsche hat offensichtlich Bitterstoffe, die die Engerlinge nicht mögen“, weiß der Forstmann.

Wunsch nach Regen

Für die nächsten Wochen wünscht Kienzler sich vor allem eines: viel Regen. „Drei Stunden Dauerregen helfen kaum – eine ganze Woche wäre großartig“, findet er. Die 18 000 jungen Eichen, die an vier Stellen im Hardtwald gepflanzt wurden, sind nämlich in der Anwachsphase und benötigen dringend Wasser. Nicht nur aus ökologischen Gründen, sondern auch als Investition in die Zukunft sei ihr Überleben wichtig. Schließlich soll Holz aus dem Hardtwald ja auch in Zukunft Ertrag bringen. „Vielleicht müssen junge Kulturen künftig bewässert werden“, befürchtet Kienzler – was freilich ein immenser Aufwand wäre.

Hoher Kieferverlust

Verloren gingen im Hardtwald in den vergangenen Jahren viele Kiefern (die BNN berichteten). Sie kommen mit der Hitze und der anhaltenden Trockenheit nicht zurecht. Zudem setzt ihnen der Diplodia-Pilz zu, der sich auch dank der Hitze enorm verbreitet hat. „Allein zwischen Schlossgarten und Forschungszentrum mussten wir wegen der Dürre und dem Pilzbefall in diesem Jahr 4 800 Festmeter Kieferholz entnehmen“, erklärt der Forstamtsleiter.

Beim Waldspaziergang auffällig: Trockenschäden

Beunruhigend fand Kienzler auch seinen jüngsten Rundgang im Oberreuter Wald. „Selbst 50, 60 Jahre alte Douglasien haben deutliche Trockenschäden“, sagt er. An den Waldrändern seien diese besonders ausgeprägt. Was zum Handeln zwinge. „Zur Verkehrssicherung müssen wir da sicher vorzeitig aktiv werden“, befürchtet er.

Mehr lesen

2017 war der Maikäfer in der Region Bühl und Achern früh unterwegs: „Früher Maikäfer beunruhigt Förster nicht“