Isa Dullenkopf
DIE KÜNSTLERIN strahlt vor ihrem in vielen Tönen leuchtenden Röhrenwerk. Isa Dullenkopf verewigt mit ihren Farben Karlsruhes unterirdische Jahrhundertbaustelle am U-Strab-Gleisdreick unter der Kaiserstraße beim Marktplatz. Fotos: jodo | Foto: jodo

Isa Dullenkopf malt U-Strab

Malerin lässt den Karlsruher Tunnel schillern

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Der Tunnelblick zieht die Künstlerin an. Und dann hält Isa Dullenkopf das Licht in der Betonröhre mit ihren Farben für alle Zeiten auf der Leinwand fest. Die Stadt wandelt sich – und Karlsruher Künstler verewigen konkret auf ganz individuelle Weise das flüchtige Gemisch aus Beständigem und Neuem.

Diese Zeitzeugen machen aus dem Stadtumbau mehr als Dreck und Krach, Behinderungen und Umleitungen, worüber die Karlsruhe seit einem Jahrzehnt ächzen.

Mehr als reines Abbild

Dabei schenken sie dem Betrachter weder pure Abbilder der Wirklichkeit noch nur beschönigenden Augenschmaus. Die Großbaustelle Karlsruhe mit dem Jahrhundertprojekt U-Strab wird vielmehr auch zum inspirierenden Kunstobjekt. Und die Baustellenwerke der Künstler gehen selbst in die Karlsruher Stadtgeschichte als individuelle Zeugnisse einer Umbruchepoche ein.

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Wandel im Farbspiel

Es entstehen Werke, die das Wesentliche des Wandels festhalten und im Spiel der Farben den ästhetischen Reiz der Baustellenstadt Karlsruhe entfalten.

 

Marktplatz
GRÜN FÜR DEN MARKTPLATZ: Mit leichtem Pinselstrich setzt die Malerin Weinbrenners Kulisse in Kontrast mit der Kombi-Baustelle. | Foto: jodo

 

Isa Dullenkopf lebt seit 1985 in der Fächerstadt. Der Liebe wegen ist sie hergezogen. Damals war ihr Schwiegervater Otto Dullenkopf noch der Oberbürgermeister von Karlsruhe. „Ich würde sagen, ich bin eine Karlsruherin“, bekennt die 61-Jährige, die in der Kurpfalz aufwuchs. In Mannheim ist sie geboren, über dem Rhein in Ludwigshafen hat sie als Kind und Jugendliche gelebt und danach in Heidelberg Kunstgeschichte und Romanistik studiert.

Kreativ zur Praxis

Doch die wissenschaftliche Theorie ist ihre Sache nicht. Isa setzt schon immer auf ihren eigenen Kopf und ihre Hände. „Ich bevorzuge die praktischen Dinge des Lebens“, meint die Mutter zweier erwachsener Kinder. Isa Dullenkopf folgt ihrer Neigung und wird kreativ – mit Keramik, Zeichnen und Malen. Bescheiden nennt sie sich eine Hobbykünstlerin und meint doch dabei nur, dass sie mit der Malerei allein nicht ihren Lebensunterhalt bestreitet.

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Faszination Baustelle

Isa Dullenkopf sitzt nicht mit der Staffelei im Tunnel unter der Kaiserstraße. Aber sie war dort und hat die Karlsruher Tube fotografiert. Die Aufnahmen können länger in der Schublade liegen, aber irgendwann packt es die Oberreuterin, und dann legt sie los. „Die Großbaustelle hat es mir von Anfang an angetan.“ Isa Dullenkopf schwärmt von dem blauen Rohr der Havarieleitung, das sich durch die Kaiserstraße zog, während sich „Giulia“, der Riesenbohrer, im Schildvortrieb durch den Untergrund vom Durlacher Tor zum Kaiserplatz durchfraß.

 

Blaues Rohr
DAS BLAUE ROHR der Havarieleitung beim U-Strab-Tunnel-Bohren im Luftraum der Kaiserstraße bestimmt das Stadtbild. | Foto: jodo

 

Die Künstlerin möchte gerade die Baustellenzeit als das Vergängliche bewahren. Ihr Werk wird an diese Stadtepoche für alle Zeiten erinnern, wenn ab 2022 die Innenstadt durch die Kombilösung aus den zwei Tunnels für die U-Strab unter der Kaiserstraße und für die Autos unter der Kriegsstraße wirklich dauerhaft verwandelt ist. Übrigens bekennt die Malerin, eine Befürworterin der U-Strab zu sein, wobei sie „die große Einbuße an Lebensqualität“ durch zwölf Jahre Bauzeit beklagt.

 

„Ich versuche schon expressiv zu sein“, betont Dullenkopf. Nur naturalistisch die nackten Betonfakten auf die Leinwand zu bringen, das reicht ihr nicht. Auf jedem der Baustellenbilder ist also auch etwas von ihr: So schenkt sie dem Marktplatz das so heiß diskutierte Grün. Zwar pflanzt Isa Dullenkopf keine Zypressen per Pinselstrich vor die Weinbrenner-Säulen der Stadtkirche.

Zurückhaltende Expressionistin

„Die zurückhaltende Expressionistin, die sich am Sichtbaren, am Gegenständlichen orientiert“, lässt stattdessen eine Baustellenplane als grünen Hügel vor dem roten Bagger wirken – ein in vielen Tönen changierendes Hoffnungszeichen.

Mehr als Bagger und Kräne

Wenn es ihr auch die Baustellen antun, so malt Isa Dullenkopf doch noch viel mehr als Gruben und Röhren, Bagger und Kräne. Sie ist auch eine begeisterte Karlsruher Fest-Malerin: Den Mount-Klotz mit zwei grünen Baumkronen in blauer Stunde macht sie mit ihren Acrylfarben zum wogenden Wellenberg der Begeisterung, an dem ein Meer aus Köpfen in Orangetönen, Blau-Violett und Rot überschwappt.

 

Fest
FARBENRAUSCH: Den Überschwang der Fest-Stimmung auf dem Berg der Günther-Klotz-Anlage hat Isa Dullenkopf mit starken Farben auf die Leinwand gezaubert. | Foto: jodo

 

Auch die Blumenpracht auf einem bepflanzten Platz der Fächerstadt verwandelt sie in einen Blütenteppich tausender Pinseltupfer. Was kann es da für Isa Dullenkopf Schöneres geben als das Aufreißen von Gräben im Botanischen Garten, der Adresse für Postkartenfotographen und Stadtidyllenmaler. „Die Baustelle im Botanischen Garten werde ich bestimmt nicht verpassen im Bild festzuhalten“, sagt Isa Dullenkopf: „Trassenband und Barken im Grün oder buntem Blumenflor wollen in Szene gesetzt werden.“

Doch Isa Dullenkopf, die so gerne Szenen ihrer Heimatstadt Karlsruhe auf Leinwand bannt, hat einen viel weiteren Horizont. Auch in entfernten Städten hält sie das Straßenbild im stets griffbereiten Skizzenbuch fest.

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Nur Selbstgesehenes

Besonders New York hat es ihr angetan: Auf großer Leinwand lässt sie eine Straßenschlucht in der grellen Buntheit überbordender Leuchtreklame und grell leuchtenden Scheinwerfern im Auge des Betrachters explodieren. „Ja, ich war schon in New York“, freut sich die 61-Jährige. Nie würde sie ein Bild aus einer Fotovorlage entstehen lassen, das sie nicht selbst an Ort und Stelle aufgenommen hat.

Die Werke von Isa Dullenkopf sind derzeit unbefristet bei T.P.I. Ingenieurbüro Trippe und Partner, Fritz-Erler-Straße 1-3 ausgestellt. Die Bilder hängen im Bürogang des zweiten Obergeschosses, man kann sie während der Arbeitszeit betrachten.