Unterstützung im Gespräch: Bei Petra Schümer (rechts) findet Maria immer ein offenes Ohr. | Foto: jodo

Zuflucht im Frauenhaus

Maria und der Traum vom guten Leben

„Ich dachte, er ist ein guter Mann“, sagt Maria (Name von der Redaktion geändert) und streicht sich durch das lange dunkle Haar. Es fängt ja auch gut an, damals, in Marias alter Heimat, dem Kosovo. Da ist dieser nette, junge Mann, der seinen Onkel besucht und ein Auge auf dessen Nachbarin wirft – Maria. Gerade 18 Jahre alt ist sie zu diesem Zeitpunkt. Die beiden lernen sich kennen, schreiben einander Nachrichten. Dann geht es schnell: Verlobung, Hochzeit. Der nette junge Mann nimmt Maria mit nach Deutschland, wo er selbst bereits seit über 20 Jahren lebt. Für Maria ist es der verheißungsvolle Auftakt eines gemeinsamen Lebens. Es soll ein gutes Leben werden.

Ich dachte, er ändert sich

Doch das Glück währt nicht lange. Marias Mann ist eifersüchtig, kontrolliert die junge Frau. „Ich durfte nirgendwo alleine hingehen, musste praktisch immer zu Hause bleiben“, sagt die heute 24-Jährige. Sie wird schnell schwanger. Die Kontrollsucht ihres Mannes nimmt da eher noch zu. Er schreibt ihr vor, was sie anziehen soll, nimmt ihr das Handy weg, unterbindet irgendwann sämtliche sozialen Kontakte. Zwischendurch wird er reumütig, entschuldigt sich immer wieder. „Ich dachte, er ändert sich“, sagt Maria und schüttelt den Kopf. Aber das tut er nicht, im Gegenteil, es wird immer schlimmer. „Irgendwann fing er an, mich zu schlagen“, sagt Maria.

Irgendwann ist das Maß voll

Auch das hält sie aus, irgendwie. Sie hält weiter fest an der Hoffnung auf ein gemeinsames Leben, bringt schließlich ihren Sohn zur Welt. Erst als ihre Mutter einen Schlaganfall erleidet und ihr Mann ihr verbietet, sie in der alten Heimat zu besuchen, ist für Maria das Maß voll. Sie wehrt sich, die beiden streiten. „Irgendwann hat er mich gewürgt und mein Sohn musste dabei zusehen“, sagt Maria. Sie ruft die Polizei – und geht. Nimmt ihren Jungen und verlässt mit ihm die schwäbische Provinz. Zuflucht findet sie im Frauenhaus in Karlsruhe.

Die meisten Frauen kommen mit Kindern

„Dort bin ich sehr unterstützt worden“, sagt Maria. Katja Schümer ist die Leiterin des Frauenhauses. „Die Frauen bleiben bis zu einem Jahr bei uns“, sagt die Sozialarbeiterin. Insgesamt gibt es zwei Häuser in Karlsruhe, eines in autonomer Trägerschaft, eines unter der Leitung des Sozialdienstes katholischer Frauen. In 21 Zimmern gibt es insgesamt 40 Plätze. Die meisten Frauen kommen mit Kindern.

Schön, dass es so gute Menschen gibt

Wo genau sich die Frauenhäuser befinden, bleibt aus Sicherheitsgründen geheim. In den Häusern finden die Frauen nicht nur Hilfe und Schutz, sie werden auch beim Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben unterstützt. Maria fand mit Hilfe des Frauenhauses eine Wohnung. Dort lebt sie seit gut einem halben Jahr, ihr mittlerweile vierjähriger Sohn geht in den Kindergarten. Maria macht einen Integrationskurs, spricht inzwischen sehr gut Deutsch. Sie ist froh, dass alles so gekommen ist. „Es ist schön, dass es so gute Menschen gibt“, sagt sie und lächelt Katja Schümer zu.

Die Freude am Leben nie verloren

Maria ist eine starke Frau. Keine, die im Gespräch die Augen niederschlägt, sondern eine, die jedem Blick standhält. Eine, die auch lachen kann, die die Freude am Leben nie verloren hat. Maria sagt Dinge wie „Wenn man ein Kind hat, muss es immer irgendwie weitergehen“ oder „Mein Sohn braucht seinen Vater.“ Deswegen hat sie auch wieder Kontakt zu ihm aufgenommen. Das Jugendamt koordiniert die Treffen, die unter Aufsicht stattfinden. Das Verhältnis der beiden ist angespannt. Maria aber versucht, das Beste daraus zu machen, will ihrem Sohn den Vater nicht vorenthalten. Der hat sich mittlerweile wieder verlobt, Unterhalt für Maria und den Kleinen zahlt er nicht. Das bedeutet für Maria vor allem einen Papierkrieg. Das Geld zahlt ihr derzeit die Unterhaltsvorschusskasse.

Ein neuer Mann? Dafür ist es zu früh

„Ich würde gerne eine Ausbildung machen“, sagt Maria. Als Kosmetikerin oder Friseurin, das könnte sie sich gut vorstellen. Auch die Arbeit im Frauenhaus hat ihr viel Freude bereitet: Dort ist sie irgendwann als Übersetzerin eingesprungen, hat auch anderen Frauen Mut gemacht. „Mein Sohn soll ein schönes Leben haben“, sagt Maria. Und sie selbst? Einen neuen Mann kann sie sich noch nicht an ihrer Seite vorstellen. „Da brauche ich noch Zeit“, sagt die 24-Jährige. Aber Freunde und Freundinnen hat sie mittlerweile in Karlsruhe gefunden, die sind ihr wichtig. Man hilft sich gegenseitig, während des Interviews passt eine Freundin auf ihren Sohn auf. Das gute Leben, Maria baut es sich selbst auf.

In Karlsruhe gibt es zwei Frauenhäuser, die insgesamt 40 Plätze für Hilfesuchende bieten. Voraussetzung für die Aufnahme dort ist nach Angaben der Leiterin Katja Schümer „immer häusliche Gewalt“. Dabei könne es sich aber durchaus auch um psychische Gewalt handeln. Wo in der Stadt die Frauenhäuser stehen, wird aus Sicherheitsgründen nicht verraten. Frauen unterschiedlichster Nationalitäten finden dort Schutz: „Im vergangenen Jahr kamen sie aus 25 verschiedenen Ländern“, sagt Schümer. Deswegen sind die Mitarbeiter auch immer wieder auf ehrenamtliche Übersetzer angewiesen. Gegründet wurde das erste Frauenhaus in der Fächerstadt übrigens schon vor über 100 Jahren von der Karlsruherin Maria Matheis. Hilfesuchende waren laut Schümer damals Schwangere, die von Rheinschiffern verlassen wurden und mit keiner Unterstützung rechnen konnten. Nähere Infos unter www.skf-karlsruhe.de.