Verhüllte Pyramide
Bald ganz entkleidet von Holzverschlägen ist Karlsruhes Wahrzeichen. Die Absperrungen rund um die U-Strab-Baustelle auf dem Marktplatz wurden entfernt. Fünf Jahre lang umgab ein Bretterzaun die Pyramide. Auch die Verschalung des Sandsteinkörpers wird in den nächsten Tagen entfernt. Die Pyramide verschwindet aber Ende Juni erneut für drei Monaten den Blicken: Unter einer Plane wird sie dann saniert. | Foto: jodo

U-Strab-Baustellenzäune fallen

Marktplatz wird nur kurz zur Asphaltwüste

Anzeige

Stünde da nicht die Pyramide, würde bald eine große Leere die Karlsruher angähnen. Der Stadtumbau bringt dem Marktplatz ein neues Provisorium. Der U-Strab-Bauherr Kasig macht jetzt ernst mit dem ewig Versprochenen: „Bis Mitte Juni wird der Marktplatz komplett frei“, bestätigen Karlsruhes Kombi-Bauer.

Festival der Mobilität

Wenn also am Wochenende 16./17. Juni die Baustellenstadt zum großen „Festival der Mobilität“ bittet, sollen die Bauzäune gefallen sein. Lediglich direkt an den drei Treppen und am Sockel für den Fahrstuhl in die Gleisunterwelt können dann noch Absperrungen aus der Asphaltwüste um die Pyramide ragen.

Bretterhüllen fallen

„Anfang Juni, das wird gelingen“, ist sich Baubürgermeister Michael Obert sicher. Dann wird auch die Pyramide nach fünf Jahren Verschalung die Bretterhüllen fallen. Die Holzwände um den Sockel des Stadtwahrzeichens sind schon abgerissen.

Marktplatzbäume abgeholzt

Abgeholzt sind die zarten Stämmchen von Ahorn & Co, die im Schutz der Pyramide heranwuchsen und für wachsendes Grün auf der U-Strab-Baustelle sorgten. Nun verwelkt dieses Maiengrün zwischen Bauholz im Abfallcontainer. Fest im Boden verwurzelte Bäume gab es vor der Baustellenzeit nicht auf dem Marktplatz und wird es zum Leidwesen vieler Bürger in neuer klassizistischer Strenge über der U-Strab-Welt auch nicht geben.

Marktplatz
FÜR EIN JAHR bekommen die Karlsruher vorerst ihren Marktplatz zurück. Fünf Jahre war er eine U-Strab-Baustelle, jetzt fallen die Bauzäune und die Baubüro-Container werden an den haken genommen. Nächstes Jahr kommt die Neugestaltung der Fläche. | Foto: jodo

Einst ging man davon aus, dass der Marktplatz nur von 2013 bis 2015 für die Bürger durch die U-Strab-Barrikaden weitgehend gesperrt blieb. Aus den zwei sind fünf Jahre geworden. In zwei Jahren wiederum soll nach heutigem Stand der Dinge die Karlsruher Pyramidenlandschaft als Bürgerplatz und Festzone frisch gestaltet und versiegelt sein.

Acht Millionen Euro direkt aus der Stadtkasse

Die Wiederherstellungskosten nach dem U-Strab-Eingriff hat die Kasig zu tragen. Die Stadt selbst muss 8,1 Millionen Euro direkt für die Verschönerung aufbringen, eine Million steuert das Land laut Obert als Sanierungsmittel bei.

Nun beginnt eine zweijährige und dabei zweigeteilte Übergangsphase, bis im Mai 2020 die neue Steinzeit beginnen kann: Bis zum Frühjahr 2019 können sich die Karlsruher an der grauen Weite einer nie gekannten Asphaltwelt zwischen Rathaus und Stadtkirche erfreuen. Mehr als 150 Jahre muss man wohl in der Stadtgeschichte zurückgehen, um auf so eine leer gefegte und ruhige „gute Stube“ zu stoßen. Keine Straßenbahnen rattern mehr über Weinbrenners Platz, keine Oberleitungen überspannen ihn. Keine Gleise liegen mehr an der Pyramide, kein altes Pflaster mit Rosetten kommt zurück.

Abbruch der Hochterrasse

Auch die provisorische Baustellen-Aussichtsterrasse der „Marktlücke“ wird demnächst abgeräumt. Nur das Wiederaufstellen des Ludwigsbrunnen solle im Laufe dieses Jahres beginnen, berichtet Obert. Die Wiederkehr der historischen Rathaustreppe folgt 2019.

Pyramide ohne Holzzaun
AUCH DIESE HOLZHÜLLE fällt. Doch zur Sanierung bekommt die Pyramide ein Gerüst und verschwindet hinter einer Plane. | Foto: jodo

Im Oktober saniert

In den nächsten Tagen werde die Pyramide entschalt, versichert Obert. Aber nur für kurze Zeit wird das Wahrzeichen nackt auf dem Markt stehen. Spätestens nach dem Festival Mitte Juni wird sie für eine aufwendige Sanierung unter Regie des städtischen Hochbauamts eingerüstet. Auch aus Gründen der Pietät liefen die Arbeiten an dem dann auch offenen Grabmal des Stadtgründers Karl Wilhelm unter einer Plane, erklärt der Bürgermeister. „Vermutlich im September, aber spätestens zum Stadtfest im Oktober ist die Pyramide dann endgültig enthüllt“, sagt der Baudezernent.

Sandsteinbau von 1825

In der Zwischenzeit wird zunächst der Putz ihres Innengewölbes gesichert, anschließend bekommt der Sandsteinbau von 1825 neuen Schliff. Im Frühjahr 2019 legt das Tiefbauamt mit der Neugestaltung der Marktplatzfläche los: Zunächst wird ein Leitungsgeflecht für Märkte und Feste eingebracht, anschließend wird Karlsruhes erste Adresse mit großen Natursteinplatten und kleinteiligen Mosaikbändern ausgelegt.

Wasser aus 30 Düsen

30 Wasserdüsen sollen zwischen Kaiserstraße und Pyramide den steinglatten Charakter verwässern. Die Planungen für die Platzgestaltung seien fast abgeschlossen, nur über die Ausführung der hohen Leuchten werde noch diskutiert, berichtet Obert.

Baustelle Karl-Friedrich-Straße
BIS JULI soll auch die Karl-Friedrich-Straße fertig werden. Dann kann ein Bus den Marktplatz direkt mit dem Hauptbahnhof verbinden. | Foto: jodo