Die Rolle des großen Unbekannten nimmt Martin Müller bei dem Kampf um das Präsidentenamt des Karlsruher SC ein
Die Rolle des großen Unbekannten nimmt Martin Müller bei dem Kampf um das Präsidentenamt des Karlsruher SC ein. | Foto: da

KSC-Präsidentencheck

Martin Müller kämpft gegen Misstrauen an: „Fragen Sie mal unseren OB, wie weich ich bin“

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Vom Stammgast in der VIP-Loge des Karlsruher SC in das Rennen um das Präsidentenamt des Vereins – am Montagabend präsentierte sich Martin Müller den Mitgliedern im KSC-Fanzelt. Wo es der Politprofi Ingo Wellenreuther mit geschulter Rhetorik regelte, zeigte es an der einen oder anderen Stelle emotionale Ausschläge.

Martin Müller bedient das Klischeebild eines Mannes, bei dem Menschen leicht eine gewisse Vertrautheit mit der Sonnenseite des Lebens auf schicken Jachten und netten Partys vermuten mögen. Gepflegter Teint, grau meliertes Haar, Porschefahrer – das legere Sakko so passend wie alternativ die Sportjacke mit dem KSC-Schal um den Hals geschwungen. So ist der 55 Jahre alte Unternehmer bei den Heimspielen Stammgast in der VIP-Loge des KSC.

Politisch ist der Kandidat im SPD-Eck zu verorten

Müller ist mit seiner GEM Ingenieurgesellschaft mbH augenscheinlich erfolgreich unterwegs im Geschäftsfeld Projektentwicklung. Vor einem Jahr verkaufte der Durlacher 90 Prozent der Anteile eines Tochterunternehmens an die CG Gruppe des Freundes Christoph Gröner. Jene beziffert ihr Geschäftsvolumen in Karlsruhe auf 1,1 Milliarden Euro und Nutzflächen von 230.000 Quadratmetern. Politisch ist Müller ins SPD-Eck zu verorten, im Frühjahr stand er auf der Liste der Genossen für die Gemeinderatswahl.

Müller gilt als Mann, der das Leben feiert

Was weiß man noch über ihn? Sechs Kinder und ein Enkelkind hat Müller, verheiratet ist er in zweiter Ehe, vom KSC seit den 1990ern gefesselt und nach eigener Einschätzung ein Mann, der das Leben feiert. Dazu zähle, ab und an auch mal falsch abgebogen zu sein. „Ich bin ein offener Mensch“, erwähnte Müller am späten Montag noch in der Stunde vor Mitternacht, bevor er ins Auto stieg und sich auf den Rückweg nach München machte. Von der dortigen Expo Real, Fachmesse der Immobilienbranche, war er Stunden zuvor extra für die Kandidatenvorstellung angereist.

Er wirbt für den Bau eines neuen Nachwuchsleistungszentrums

Müller hatte dann für einen neuen Stil des Miteinanders geworben, einem Kurs wirtschaftlicher Konsolidierung und für den Bau eines neuen Nachwuchsleistungszentrums. Er schlug sich gut, zeigte an der einen oder anderen Stelle emotionale Ausschläge, wo es der Politprofi Ingo Wellenreuther mit geschulter Rhetorik regelte.

Dass Müllers Anreise nicht umsonst war, sollte am anderen Morgen feststehen. Der Wahlausschuss folgte am Dienstag der Einschätzung der Juristen bei der Deutschen Fußball Liga. Geklärt war letztlich die Bewertung der Engagements der CG Gruppe bei RB Leipzig und Hertha BSC. Der Ausschuss taxierte deren Investitionsvolumen als unerheblich genug, als dass Müllers Kandidatur in Konflikt mit Satzungsvorgaben des Paragrafen 11, Absatz 4, stünde.

Jetzt mag man sagen: ,Weichspüler‘. Das habe ich über mich gehört.

Müller fordert nun also faktisch Karlsruhes stadtbekanntesten Wahlkämpfer Wellenreuther. Und kämpft daneben gegen das Misstrauen an, dass da wahlweise lautet, er bereite eine Unterwanderung des Vereins durch die CG Gruppe vor beziehungsweise sei Erfüllungsgehilfe des SPD-Oberbürgermeisters Frank Mentrup.

Müller griff das Motiv einmal auf, als er meinte: „Jetzt mag man sagen: ,Weichspüler‘. Das habe ich über mich gehört. Okay. Fragen Sie mal unseren OB, wie weich ich bin“, rief Müller den Fans im Zelt zu und spielte auf seine Baurechtsstreitigkeiten mit der Stadt bei Projekten an.

 

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„Heuschrecken-Szenario“ weist er entschieden zurück

Der andere Punkt berührt den Nerv der Fanszene, der im Zuge der Ausgliederung eine strikte Einhaltung der 50+1-Regel zugesichert worden war. Ohne es explizit auf Müller und die CG Gruppe zu münzen, ließ Wellenreuther am Montag das von ihm als „Heuschrecken“-Szenario eingeführte Modell einer Fernsteuerung anklingen.

Müller wies das entschieden zurück, verurteilte Wellenreuthers „Spiel mit der Angst der Leute“. Er fragte: „Worin sollte dabei unser Interesse liegen?“ Standards im Wahlkampf sind ihm nicht fremd. Dass seinem Credo nach Zuhören die Menschen nicht dümmer mache, ist einer.

Für Skeptikern hat er eine eidesstattliche Erklärung dabei

Wie klug die Supporter aus Müller wurden, blieb offen. Dem KSC half er 2018 mit einem Darlehen in siebenstelliger Höhe aus. Mit sechs Prozent verzinst, wie offenbar alle derartigen Hilfeleistungen von verschiedener Seite, wie er zugibt. Der Mann muss es wissen. Er sitzt bislang im Verwaltungsrat.

Müller brachte den Skeptikern unter den Zuhörern am Montag eine eidesstattliche Erklärung der CG Gruppe mit. Diese werde demnach den Sponsoring-Vertrag beim KSC unabhängig von der Präsidentenwahl einhalten. Die Vorstände erklären, dass es gemäß der Satzung der Gruppe „nicht vorgesehen und nicht möglich“ ist, „dass sich die Gesellschaft an Vereinen irgendwelcher Art beteiligt, da dies geschäftsfremd wäre“. Zudem werde es „unter keinen Umständen“ eine Beteiligung am KSC geben.