BNN Portraitserie "Digitale Köpfe" Nerurkar Sharkbomb JUNGES UNTERNEHMEN AUS KARLSRUHE
Wie ein Haifisch im Wasser - so umtriebig ist Martin Nerurkar in der Karlsruher Gaming-Szene. | Foto: Andrea Fabry

Karlsruher Gaming-Gesicht

Martin Nerurkar versucht sein Glück auf der Gamescom

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Das Spielen hat Martin Nerurkar einfach im Blut. Schon mit sechs Jahren experimentierte er mit eigenen Brettspielen und am Computer, heute entwickelt der 36-Jährige selbstständig Computerspiele mit seiner Firma Sharkbomb Studios, arbeitet freiberuflich als Dienstleister im Grafikbereich und ist gut vernetzt in der Karlsruher Gaming-Szene. „Ich bin chaotisch“, gesteht er gleich zur Begrüßung. Immer unterwegs zwischen Terminen, spontanen Treffen und neuen Ideen. „Seine Leidenschaft zum Beruf zu machen, hat eben auch den Effekt, dass man immer im Projekt versunken ist.“

Game-Design mit Chaos und Methodik

In dem etwa 30 Quadratmeter großen Ein-Raum-Büro im Gründerzentrum in der Karlsruher Oststadt herrscht kreatives Chaos in Reinkultur: Gleich neben der Tür eine kleine Küchenzeile, in der Ecke ein Sofa. Im Raum verteilt Schreibtische, darauf, darunter und drumherum: Computer, Kabel, Notizzettel, Spielkonsolen-Zubehör, Mikrofone, Headsets, Kaffeetassen.

Hoch über Nerurkars Schreibtisch springt ein Plüsch-Hai aus der Wand. Er ist sowas wie das Maskottchen von Sharkbomb Studios. „Die Namensfindung war ein sehr methodischer Prozess“, erzählt Nerurkar. „Es musste was Englisches sein, denn die Spielebranche funktioniert nur international. Auch musste die Domain für die Website noch verfügbar sein…“

Auf ganz ähnliche Weise entstand der Name seines aktuellen Spiels „Nowhere Prophet“, an dem Nerurkar seit etwa drei Jahren arbeitet. Die Entwicklung des Spiels wird durch die Medien- und Filmgesellschaft (MFG) Baden-Württemberg gefördert.

Die Ästhetik ist eher minimalistisch, die Figuren comichaft. Die Farben dafür leuchtend wie das Pink auf Nerurkars lackierten Fingernägeln. „Der Realismus ist ein Phänomen in den Games vor allem der 80er und 90er Jahre“, meint der junge Spieleentwickler. Durch die rasende Weiterentwicklung der Technik in Computern und Spielekonsolen allerdings würden solche Games schnell auch optisch von der nächsten Generation überholt. Dagegen könne ein grafisch einfacheres Spiel auch in ein paar Jahren noch modern aussehen.

Im Video erklärt Martin Nerurkar (auf Englisch), wie ein Spiel entsteht – von der Idee und ersten Bleistiftskizzen bis zum fertigen Game:

Inhaltlich erzählt Nerurkar mit Nowhere Prophet die Geschichte einer Gruppe von Ausgestoßenen in einer postapokalyptischen Welt, die sich auf den langen Weg hin zu einer neuen, lebenswerten Heimat macht. Die Gamestruktur arbeitet auch mit Karten, ein Brettspielcharakter ist nicht zu übersehen. „Ich habe schon mit meiner Oma früher Halma gespielt, mit meinem Vater Schach“, erzählt Nerurkar. Noch heute spielt er gerne Rollenspiele. „Mir macht es Spaß, mit anderen Menschen gemeinsam kreativ zu sein.“ Doch Nerurkar spielt heute auch Games, die ihm persönlich keinen Spaß machen. „Das ist mein Job. Man muss ja wissen, was funktioniert.“

Obwohl dem Ingenieurssohn ein „technischer Kopf“ in die Wiege gelegt war, wollte er immer Künstler werden, sagt Nerurkar. Nach einem Architekturstudium in Stuttgart bahnte er sich seinen beruflichen Weg ins Game Design – unter anderem war er bei der Karlsruher Gameforge und bei Keen Games in Frankfurt angestellt, bevor er sich selbstständig machte.

Das folgende Video gibt Einblick in eine frühe Version des Spiels „Nowhere Prophet“:

 

Doch Martin Nerurkar arbeitet eigentlich nie an nur einer Sache. Mit seinem Virtual-Reality-Projekt „Wheelhouse“ will er das Bewusstsein für die Hindernisse fördern, die sich Rollstuhlfahrern täglich in den Weg stellen. Alle zwei Monate organisiert er den „Games Culture Club“ in Karlsruhe. „Das sind meistens so drei bis acht Leute, die gemeinsam essen, trinken und über ein bestimmtes Thema reden.“

Die Gamescom ruft

Damit nicht genug: Nerurkar ist auch Mitorganisator eines weiteren regionalen Gaming-Events: „Talk and Play“ nennt sich die Veranstaltung für Spieleentwickler. „Da bringt jeder seine Spiele mit und lässt sie von den anderen testen“, erklärt Nerurkar. „Feedback ist sehr wichtig.“ Aus diesem Grund hat er auch am heutigen Dienstag sein Spiel „Nowhere Prophet“ im Gepäck auf dem Weg zur größten Computerspielemesse Europas, der Gamescom in Köln: Wenn die Spielefans diese Woche wieder zu Tausenden in den Schlangen ausharren, will Nerurkar ihnen als Zeitvertreib sein Spiel zum Testen geben.