Die Sanierung der Stadthalle ist in vollem Gang. | Foto: Jörg Donecker

Sanierung in 52 Schritten

„Mausgrau“ statt Retro-Charme in der Stadthalle

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Nicht in schicker Abendrobe, sondern nur in Warnweste und mit Schutzhelm darf man derzeit die Stadthalle betreten. Die Sperrholzplatten verleihen der Baustelle einen passenden Duft. Bis Oktober 2019 wird saniert was das Zeug hält: Für insgesamt 58,13 Millionen Euro erhält das Anfang der 80er Jahre errichtete Gebäude unter anderem eine verbesserte Akustik in den Sälen, die altbackene Holzoptik der Wände verschwindet, es Klimatisierungskonzept und Brandschutz werden erneuert.

Erste Fortschritte seit dem Sanierungsbeginn Anfang Juli erläuterten die Architekten Matthias Kraemer und Heiko Richter von der Firma SSP am Dienstag bei einer Tour durch die Baustelle. Trotz einiger baulicher Überraschungen werde man den anfangs definierten Zeit- und Kostenrahmen einhalten. Zur besseren Koordination der vielfältigen Aufgaben wurde das Projekt in 52 Funktionsbereiche unterteilt, etwa Säle, Seminarräume, Technikräume oder Toiletten.

Alte Dämmung enthielt Schadstoffe

„Im Demontageprozess ist schon eine ganze Menge passiert“, erklärte Heiko Richter. So seien etwa 60 Tonnen Dämmmaterial entfernt worden – und damit Schadstoffe. Denn in den Bestandskanälen fanden die Arbeiter so genannte Künstliche Mineralfasern (KMF); die Brandschutzklappen enthielten Asbest. Deshalb soll jetzt – anders als ursprünglich geplant – nicht nur ein Teil, sondern fast die komplette Installation ausgetauscht werden. Durch den hohen Koordinationsaufwand bei der Schadstoffsanierung komme es teilweise zu gestörten Montageabläufen, weshalb man nun gegensteuere und unter anderem den Bauablauf geändert habe: Man arbeitet sich nicht mehr „von oben nach unten“ durch die Sanierung, sondern nach Funktionsbereichen in den verschiedenen Ebenen. Bis Ende März sei die Demontage abgeschlossen, parallel beginne bereits der Aufbau einzelner Bereiche, etwa der Küche.

Im Untergeschoss zeigte sich in der bis auf den Beton freigelegten Rasterdecke eines der „spannendsten Probleme“, wie Architekt Matthias Kraemer erläuterte: „Das Runde muss ins Eckige, beziehungsweise anders herum.“ Und zwar müsse die modernere, heutzutage größere Technik durch die alten, 21 Zentimeter großen Löcher im Deckenbeton hindurchgeschoben und dahinter verlegt werden. „Mehr konnten wir aufgrund der Statik nicht entfernen“, so Kraemer. Um dies zu bewerkstelligen, werde nun eigens ein detaillierter Logistik-Plan für die Technik-Verlegung erstellt. Im Mombert-Saal würde im Zuge der Brandschutz-Erneuerung auch ein alter Bestandsschaden beseitigt: Der wegen eines zu nassen Estrichs beschädigte Parkettboden wird erneuert. Die unteren Säle sollen dann bis Ende 2018 fertig saniert sein.

Freundliches Anthrazit oder Mausgrau

Im Untergeschoss befindet sich zudem ein großer Technikraum, der in Zukunft noch größer werden wird, um den modernen Anforderungen gerecht zu werden. „Wo es früher schon wie im Film ,Das Boot‘ aussah, würde es mit der neuen Technik auf gleichem Raum noch dichter zugehen“, so Kraemer zur Veranschaulichung.
In allen Sälen wird auch an der Akustik kräftig nachgebessert, etwa beim Herzstück des Gebäudes, dem Brahmssaal mit 1 850 Plätzen für Konzerte. Dort ist die Saaldecke mittlerweile gänzlich demontiert, Gerüststangen durchziehen in alle Richtungen den Raum. Im März 2019 soll er fertig sein.

Zu guter Letzt versprach Kraemer ein ästhetisches Update der Innenfassaden: Helleres Holz und anstatt der dunkelroten Retro-Fugen mit 80er-Jahre-Charme ein „freundliches Anthrazit oder Mausgrau, vielleicht auch weiß“.