Die Medienkünstlerin Valeria Zitz hat mit „Do you see me?“ ein Kunstwerk an der Schnittstelle von Kunst und Technologie geschaffen: Sie lässt zwei Künstliche Intelligenzen in einen romantischen Dialog treten.
Die Medienkünstlerin Valeria Zitz hat mit „Do you see me?“ ein Kunstwerk an der Schnittstelle von Kunst und Technologie geschaffen: Sie lässt zwei Künstliche Intelligenzen in einen romantischen Dialog treten. | Foto: Jörg Donecker

Digitale Romantik

Medienkunst aus Karlsruhe bei der Luminale 2020 in Frankfurt

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Die Medienkünstlerin Valeria Zitz hat mit „Do you see me?“ ein Kunstwerk an der Schnittstelle von Kunst und Technologie geschaffen: Sie lässt zwei Künstliche Intelligenzen in einen romantischen Dialog treten. Als Projektionsfläche dienen Lampen der Karlsruher Leuchten-Manufaktur Vanory. Ihr Projekt wurde als Beitrag für die Lichtkunst-Biennale „Luminale 2020“ in Frankfurt am Main ausgewählt und vertritt dort Karlsruhe als „Unesco City of Media Arts“.

Menschliche Kommunikation ist eine komplizierte Angelegenheit. Erst recht, wenn Emotionen im Spiel sind. Da sind Verständigungsfehler meist schon programmiert – im übertragenen Sinne gesprochen. Auf von Menschen tatsächlich programmierten Algorithmen beruhen die Kommunikationsmuster Künstlicher Intelligenzen. „In Filmen werden Künstliche Intelligenzen oft klischeehaft und allmächtig dargestellt“, sagt Valeria Zitz. „Das stimmt aber gar nicht.“

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Valeria Zitz lässt Künstliche Intelligenzen in einen Dialog treten

Künstliche Intelligenz sei schlichtweg maschinelles Lernen, das auf Algorithmen in Verbindung mit bestimmten Referenzdaten beruht – die von Menschen bestimmt werden. „Diese Daten bilden die Basis für die Qualität von KI“, sagt Zitz, „und somit sind auch emotionale Antworten möglich.“ In ihrem Kunstprojekt „Do you see me?“ will sie auf menschliche Kommunikationsfehler aufmerksam machen und das Publikum dazu anregen, über die eigene Kommunikation nachzudenken. Zitz lässt zwei KIs miteinander in Dialog treten, sichtbar gemacht auf Hightech-Leuchten des Modells „Estelle“ des Karlsruher Designlabels Vanory.

Die Lampenschirme beruhen auf einer innovativen LED-Technik: Insgesamt 386 Lichtpunkte gibt es auf jedem Lampenschirm, die über eine App einzeln ansteuerbar sind. So sind mehr als eine Milliarde unterschiedliche Farbtöne möglich, die einzelnen Lampen können außerdem miteinander vernetzt werden – die perfekte Darstellungsform für die Medienkünstlerin, die sich während des Studiums auch mit Programmierung und Künstlicher Intelligenz beschäftigt hat.

„Ich benutze die Leuchten als Leinwand, um eine Geschichte zu erzählen“, sagt sie. Als Kommunikationsmittel hat sie die Typografie gewählt: Die Lichtpunkte verschmelzen auf den Lampenschirmen zu einer Retro-Pixelschrift, wie sie zur Zeit der ersten Heimcomputer vor etwa 30 Jahren üblich war. „So wie man damals am Computer die Kommandozeile zur Mensch-Maschine-Kommunikation nutzte, funktioniert auch die Pixelschrift auf den Leuchten“, erklärt Zitz.

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Kommunikation wie beim Retro-Computer: „y / n“

Es können also unterschiedliche Befehle oder Fragen eingegeben werden. Wie damals am Computer wird von einer Lampengruppe eine Bestätigung des Kommandos mit „y / n“ (für yes or no, also Ja oder Nein) abgefragt. Die Künstliche Intelligenz, die mit einer anderen Lampe verbunden ist, antwortet: „y“ für „Ja“ oder „n“ für „Nein“. Die Vollversion des Dialoges wird erst ab Donnerstag in Frankfurt zu sehen sein.

„Wir sind schon sehr gespannt, wie es ankommt“, sagt Anna Sahli von der Leuchtenmanufaktur Vanory. Es sei die erste Kooperation mit einer Künstlerin, und man wolle sie gerne fortführen. Nach der Luminale soll auch eine vereinfachte Version von „Do You See Me?“ auf der Kunden-App verfügbar gemacht werden. So können Besitzer mehrerer Estelle-Lampen das Kunstprojekt im heimischen Wohnzimmer abspielen. Kooperationen in Karlsruhe, etwa mit dem ZKM oder bei der Kunst- und Kulturnacht „Ausgeschlachtet“ im Kreativpark Alter Schlachthof seien vorstellbar.

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Live zu sehen ist das Projekt „Do You See Me?“ vom 12. bis 15. März 2020 auf der Luminale in Frankfurt am Main. Bei der Sensasion Bar in der Bethmannstraße 19 wird die Installation jeweils zwischen 19.30 und 24 Uhr gezeigt.
Als Vorsichtsmaßnahme gegen das Coronavirus wurden einzelne Veranstaltungen der Messe für Lichtkunst mittlerweile abgesagt, etwa thematische Vorträge. Die Installation „Do you see me?“ war bis Redaktionsschluss nicht betroffen. Tagesaktuelle Infos unter www.luminale.de beziehungsweise unter luminale.de/projekte/do-you-see-me