Ein Eimerchen mit Meerwasser darf man sich ungestraft mit nach Hause nehmen. Aber 24000 Liter sind dann doch ein bisschen viel. | Foto: dpa

„Adria To Go“

Meerwasserdieb wurde bestraft

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„Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre, ich bin doch zu schade für einen allein“, sang einst Marlene Dietrich und erklärte eine Strophe später: „Ja soll denn etwas so Schönes nur einem gefallen? Die Sonne, die Sterne gehören doch auch allen.“ In der Tat ist niemand dafür bekannt, der rechtmäßige Eigentümer der Sonne oder der Sterne zu sein. Wie aber verhält es sich beispielsweise mit der Luft? Darf man die einfach in eine Dose packen und verkaufen? Offensichtlich schon, denn sonst hätte vermutlich irgendwann irgendjemand all den vielen Souvenirläden Berlins verboten, „Berliner Luft in Dosen“ zu verkaufen. Längst kann man auch „Alpenluft“, „Bühnenluft“, „Fresh Air“ oder würzige „Stall-Luft“ vom Bauernhof käuflich erwerben. Die meisten Käufer werden die Dosen wahrscheinlich eh nie aufmachen und vermutlich nie erfahren, wie denn die Luft in der Dose riecht.

Luft als Geschäftsidee

Luft als Geschäftsidee – das klappt nicht nur im Kleinen, sondern mittlerweile auch im Großen. In China, wo nach Berechnungen des Max-Planck-Instituts für Chemie jährlich über eine Million Menschen an den Folgen der Luftverschmutzung sterben, ist die Verzweiflung über den Smog mittlerweile so groß, dass „Sauerstoff in Flaschen“ zum Verkaufshit wurde. Eine Flasche kostet 20 Dollar, der Hersteller aus Kanada wurde quasi über Nacht zum Millionär, obwohl die Idee anfangs eigentlich nur als Scherz gedacht war. Mittlerweile hat er 20 Mitarbeiter, die unentwegt Luft in den kanadischen Rocky Mountains sammeln und diese dann in einem umständlichen Verfahren in Sauerstoff verwandeln.

24000 Liter Wasser abgepumpt

Während gute Luft also zumindest in einigen Ländern (noch) frei verfügbar ist und einfach so mitgenommen werden darf, sieht es mit dem Meer und seinem Wasser anders aus. Das wusste ein 48-jähriger Deutscher aber offensichtlich nicht, der vor wenigen Tagen mit einem Lastwagen ins italienische Triest fuhr und aus der Adria 24 000 Liter Wasser abpumpte. Mit der „Adria To Go“ befüllte er 24 Riesenkanister, doch bevor er wieder abfahren konnte, hatte ein aufmerksamer Bürger schon die Polizei alarmiert. Die Carabinieri forderten den Deutschen auf, das Wasser unverzüglich wieder ins Meer zu kippen. Der Mann, der zuhause Aquarien damit hatte befüllen wollen, musste eine Strafe von exakt 1 549 Euro bezahlen und muss sich sein Meerwasser jetzt wieder im Fachgeschäft kaufen. Oder aber er sattelt um auf Süßwasserfische oder Gummi-Entchen.