Ein Bisonskelett wird ausgepackt.
Ein Bisonskelett packen Sarah Stinnesbeck und Dieter Schreiber im Obergeschoss des Westflügels für die Sonderausstellung "Amerika nach dem Eis" im Naturkundemuseum Karlsruhe aus. | Foto: jodo

Sonderschau in Karlsruhe

Mega-Skelette fürs Naturkundemuseum

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Einen spannenden Moment am Naturkundemuseum Karlsruhe erwischen Ernst Martin aus Sindelfingen und Jürgen Thiele, sein Gast aus Norddeutschland. Vor den Augen der beiden Männer nehmen Experten des wissenschaftlich ausgerichteten Schauhauses am Friedrichsplatz vier Mega-Pakete in Empfang. Der Inhalt: kostbare Skelett-Abgüsse. Aus Mexiko kommen das Skelett eines Riesengürteltiers und das Knochengerüst eines Stegomastodons – mit deutschem Namen „Dachzitzenzahn-Elefant“ – aus der Zeit, als der Mensch erstmals nach Amerika vordrang.

Skelette zeigen die ganze Größe ausgestorbener Säugetiere

Mit der Ankunft der voluminösen Leihgaben beginnt der Endspurt. Denn ab Donnerstag, 6. April, beleuchtet die neue Sonderausstellung „Amerika nach dem Eis“ im XXL-Saal im Obergeschoss des Westflügels unter anderem ein neuerdings wieder ungelöstes Rätsel. Als vor Jahrtausenden Menschen in den Norden Amerikas gelangten, starben viele Großsäugetiere aus. Geschah dies, weil sie den messerscharfen Waffen der eingewanderten Jäger zum Opfer fielen, wie man lange glaubte? Oder gab es doch noch andere Gründe?

Zeitpolster für Restaurierungen nach der Seereise

Die erste Holzkiste schwebt am Haken von der Ladefläche eines Transporters, nach einer Nachtfahrt aus dem Hamburger Überseehafen nach Karlsruhe. „Hoffentlich ist der Inhalt nach der Seereise heil“, sagt Ute Gebhardt, die Haus-Geologin des Naturkundemuseums. Notfalls haben die Experten für Restaurierungen noch ein Zeitpolster.

Skelett des Bisons ist überraschend schmal

Weniger Sorgen macht dem Karlsruher Ausstellungsteam eine überraschend schmale, aber hohe Kiste aus hellem Holz, die schon am Fuß der klassizistischen Museumsfassade wartet. Sie enthält das Skelett eines amerikanischen Bisons, das dem Naturkundemuseum Basel gehört. Ohne Fell und Muskeln ist das in natura mächtig imposante Tier einigermaßen schmalbrüstig.

Für uns ist das wie Weihnachten

„Für uns ist das heute wie Weihnachten“, erklärt der Museumsdirektor Norbert Lenz. Stundenlang zirkeln die Fachleute um Sarah Stinnesbeck, die den Aufbau leitet, mit Kranarm und Kisten, bis alles durch die verglasten Flügeltüren des Balkons in den vordersten Schausaal bugsiert ist. „Wir sind ein tolles Team, dafür bin ich sehr dankbar“, betont sie, als endlich das große Auspacken beginnt. Die Seitenwand wird abmontiert und gibt den Blick frei auf ein vollständiges, mit Styropor und Plastikbahnen gepolstertes und stabilisiertes, wenn auch kopfloses Knochengerüst. Der schwere Schädel liegt separat verpackt zwischen den Vorderhufen.

Ein Riesenfaultier ist ebenfalls Teil der Sonderausstellung.
Ein Riesenfaultier wird für die europaweit einzigartige Schau zu Mensch und Megafauna in der Neuen Welt in Szene gesetzt. | Foto: jodo

Die Erleichterung unter den Umstehenden ist spürbar. Mit Fotos dokumentieren sie den Zustand bei der Ankunft. „Wir müssen ja wissen, wie wir es nachher wieder richtig einpacken“, erklärt der Paläontologe Dieter Schreiber.

Original-Schädel eines Mammuts wiegt über 100 Kilo

Ob Mammut oder Säbelzahnkatze – für Säugetiere des Pleistozän, des „Eiszeitalters“, ist der ehrenamtliche Mitarbeiter des Museums Spezialist. Das Riesenfaultier, zu dessen Füßen „Monsieur Marcel“ als einer von vielen Fachleuten im Hintergrund an der Vervollständigung der Schau arbeitet, sei „gar nicht mal eines der größten“, erklärt Schreiber. Viel größer als heute lebende Faultiere ist es aber doch. Und über den Original-Mammutschädel mit über 100 Kilo Gewicht, der übergangsweise noch vor einem Panorama mit Amerikas ausgestorbenen Mega-Säugetieren in der Luft hängt, kann Schreiber verraten: „Er kommt sozusagen aus Mannheim. Das Tier lebte in der letzten Kaltzeit im Oberrheingraben.“ Mindestens 10 000, vielleicht auch 90 000 Jahre ist das her.

Schau nach eigenem Konzept ist in Europa einzigartig

Museumsdirektor Lenz und der Saurierexperte des Hauses, Eberhard „Dino“ Frey, haben die Sonderausstellung „Amerika nach dem Eis – Mensch und Megafauna in der Neuen Welt“ gemeinsam konzipiert. Es sei „die erste umfassende Sonderausstellung zu diesem faszinierenden Thema, die in Europa zu sehen ist“. Informationen rund um das Naturkundemuseum und die Sonderausstellung finden Sie auch hier im Internet.

Eröffnet wird die Sonderausstellung „Amerika nach dem Eis“ im Naturkundemuseum Karlsruhe am Friedrichsplatz am Mittwoch, 5. April, um 18 Uhr. Sie ist ab Donnerstag zu sehen und läuft bis Ende Januar 2018.