Tiermodell an Kranarm
Eingehüllte Urviecher für die Sonderschau „Flusspferde am Oberrhein – Wie war die Eiszeit wirklich?“ sind über den Balkon in den Westflügel des Naturkundemuseums eingeschwebt. Zwei urtümliche Nashornarten und weitere imposante Tiermodelle sind dort als Stars der Großen Landesausstellung ab 21. Juni zu sehen. | Foto: Sandbiller

Im Museum rollen die Köpfe

Mega-Tiermodelle für Sonderschau in Karlsruhe

Beklemmend echt wirkt der Nashornschädel auf dem Rollwagen. Vier starke Männer schieben ihn durchs Naturkundemuseum am Friedrichsplatz. Zum Glück waren nicht Wilderer am Werk, sondern Spezialisten für lebensechte Modelle heutiger und ausgestorbener Tierarten. Ramon López hat sein Atelier in Barcelona. Der Katalane hat drei Urviecher via Lyon in die Fächerstadt verfrachtet für die Große Landesausstellung „Flusspferde am Oberrhein – Wie war die Eiszeit wirklich?“

Nashörner und Wasserbüffel

Die bis zu zwei Meter hohen Rümpfe eines Wollhaarnashorns, eines Waldnashorns und eines Wasserbüffels hievt Kranführer Reiner Speck aus Baden-Baden mit Fernsteuerung und Feingefühl über den Museumsbalkon.

Flusspferd reißt das Maul auf

Ein Flusspferdmodell reißt im Cargolift des Museums das Maul auf. Dieses Exponat ist vergleichsweise handlich. Denn das Tier wird in der Sonderschau im Rhein schwimmen – das spart den massigen Körper. Solche Kolosse wären in den Auwäldern zwischen Schwarzwald, Vogesen und Pfälzer Bergland satt geworden, bis Tulla den Rhein begradigte, erklärt die Geologin Ute Gebhardt.

Flusspferd-Modell
Das Modell eines Flusspferds, wie es einst auch im Oberrhein schwamm, wirkt lebensecht. | Foto: Sandbiller

Nicht von ungefähr hütet das Naturkundemuseum auch einen Nashornschädel, den Bauarbeiter im Jahr 1802 in Daxlanden ausgruben. Er wird ein weiteres Prunkstück der Großen Landesausstellung. Die Karlsruher sind mächtig stolz, die Sonderschau weitgehend mit eigenen Kostbarkeiten aus ihrem berühmten Naturalienkabinett zu bestücken.

Eintauchen in den Oberrheingraben

Besucher der 670 Quadratmeter im Obergeschoss des historischen Gebäudes treten ein in die Kulisse des Oberrheingrabens, in dem vor etwa 12 000 Jahren Temperaturen wie heute herrschten und in dem seinerzeit noch urige Nashörner lebten. So blicken dem Betrachter von einer Seite Tiere der jüngsten Warmzeit entgegen, von der anderen Lebewesen der Würm-Kaltzeit, als der Oberrhein durch eisige Steppe floss. Da war ein wärmendes Fell lebenswichtig. Und tatsächlich: Aus einer Schutzfolie lugt es hellblond hervor.

Weiche Lippen aus Silikon

Zwischen struppiger Wolle aufmerksam spitze Ohren, dazu weiche Lippen aus Silikon: Das Wollhaarnashorn wirkt anschmiegsam und sympathisch.

Das wird eine tolle Ausstellung

Till Kirstein und Sabine Mahr vom Kuratorenteam ist ihre Begeisterung am Gesicht abzulesen. „Das wird eine tolle Ausstellung“, schwärmt auch Museumsdirektor Norbert Lenz. Er genießt den spannenden Tag. Passanten stoppen vor dem Museum und beobachten, wie ein verpacktes Tiermodell nach dem anderen einschwebt.

Jetzt der Endspurt

Seit Frühjahr 2017 knobeln Biologen, Geologen und Museumspädagogen an der Sonderschau – ein kurzer Vorlauf angesichts der Dimension, sagen die Beteiligten. Jetzt also der Endspurt: Scheinwerfer, Holzaufbauten, raffinierte Oberflächen aus Kunstharz – noch ist viel zu tun, bis sich in zwölf Wochen im Staatlichen Naturkundemuseum Karlsruhe die Türen zu Wollnashorn und Co. öffnen.

Die Große Landesausstellung „Flusspferde am Oberrhein – Wie war die Eiszeit wirklich?“ ist ab Donnerstag, 21. Juni, im Naturkundemuseum Karlsruhe am Friedrichsplatz, Erbprinzenstraße 13, zu sehen. Geöffnet ist das Museum mit der Dauerausstellung „Form und Funktion – Vorbild Natur“ dienstags bis freitags von 9.30 bis 17 Uhr, samstags, sonntags sowie an Feiertagen (darunter Karfreitag, Ostersonntag und Ostermontag) von 10 bis 18 Uhr.