Baden-Marathon 2019 in Karlsruhe | Foto: Stenftenagel

Sportereignis für Läufer

Mehr als 8.500 Läufer beim Baden-Marathon in Karlsruhe

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Aus allen Richtungen pilgern an diesem kühlen Sonntagmorgen sportlich gekleidete Menschen auf die Karlsruher Europahalle zu – die 37. Ausgabe des Fiducia GAD Baden-Marathons zieht am Sonntagmittag mehr als 8.500 Läuferinnen und Läufer in die Fächerstadt.

Von Karin Stenftenagel und Ekart Kinkel

Marathon, Halbmarathon, Drittelmarathon oder Staffel – alle müssen zunächst ihre Unterlagen im Foyer der Europahalle abholen. „Wir liegen mit den Startnummern erwartungsgemäß wieder im oberen Bereich“, erklärt Werner Prokopp am Infostand. Durch das schöne Wetter hätten sich wieder viele noch spontan angemeldet. „Wir merken, dass die Läufer es toll finden, wieder in der Stadt zu laufen und nicht von der dm-Arena aus“, erklärt Prokopp. Dass die Europahalle selbst wegen Brandschutzvorschriften immer noch nicht wieder nutzbar sei, mache besonders den Ausstellern zu schaffen, die nun draußen unter Zelten vom Wetter abhängig seien. Versicherungen, veganes Fingerfood, Nahrungsergänzungsmittel, Sportkleidung und Laufschuhe werden dort etwa gezeigt.

„Spaß haben, irgendwie durchkommen, und keine Verletzten“

Vor dem Lauf-Start werden hastig noch letzte Bananen verdrückt, deren Schalen sich auf den Mülleimern stapeln. An den Toiletten bilden sich Schlangen. Die Laufteams machen noch ein paar Gruppenfotos.

„Run Uschi Run“ nennt sich eine knallpink gekleidete Läuferinnengruppe. „Wenn wir nicht wissen, wie du heißt, bist du eben Uschi“, sagt Simone zur Erklärung. Sie läuft 13 Kilometer wie ihre Mitstreiterin Andrea, Sandy und Stefanie jeweils acht Kilometer. „Spaß haben, irgendwie durchkommen, und keine Verletzten“, lautet das erklärte Ziel der Hobby-Läuferinnen. Übers Wetter machen sie sich keine Sorgen: „Wenn die Uschis laufen, passiert da nix!“

Die Sportler vom KIT SC Engineers mischen beim Marathon mit. | Foto: Stenftenagel

Beim Start setzen sich nach und nach immer mehr Füße in neonfarbenen Laufschuhen in Bewegung. In voller Football-Montur mit Helm und Schulterpolsterung nehmen 20 Mitglieder der KIT SC Engineers teil – zugunsten der Stiftung Laufen mit Herz. Extra Lauftrainig gab’s aber keines: „Wir haben grade Sommerpause“, sagt Falco Böll und lächelt.

Das Kung-Fu-Zentrum am Ludwigsplatz feuert die Läufer an | Foto: Steftenagel

In Kurven und Schlaufen geht es für die Ausdauersportler durch die Stadt. An der Beiertheimer Allee soll ein Clown gesichtet worden sein, der die Läufer bei Laune hält – genauso wie viele Gruppen von Ehrenamtlichen, die Applaus für die Vorbeigehenden spenden oder beim Tanzmarathon mitwirken. Am Ludwigsplatz tobt und tänzelt ein chinesischer Löwe, zum Leben erweckt von zwei Männern des Kung Fu Zentrums Karlsruhe. Mal springt er auf die Läufer zu, mal verneigt er sich, während sie vorüberhasten. Auf einen Hund hinter der Absperrung wirkt er so lebensecht, dass sein Frauchen sicherheitshalber mit dem Vierbeiner davonspaziert.

Gaudi am Streckenrand

Beim Friedrichsplatz zeigt ein Kinder-Tanzpaar des Tanzstudios Magic Dance einen Chachacha mit schnellen Schritten, bei der Kleinen Kirche wirbeln Mädchen und Frauen vom Palladium Tanzstudio in wehenden Röcken und klimpernden Goldpailletten beim orientalischen Tanz umher. Mit Rock’n’Roll und fliegenden Petticoats sorgen am Kronenplatz der Fancy Fan Round Dance Club, die Charly Mixers und die Kut-Ups für Stimmung. „Wir sind seit dem ersten Tanzmarathon von 16 Jahren mit dabei“, erklärt Gaby Sembritzki.

An der Verpflegungsstation kurz vor der Brücke der Zähringerstraße über die Fritz-Erler-Straße will einer fast aufgeben. „Ich bleib’ jetzt bei euch“, sagt Jason. „Du bist fast im Ziel, los, du schaffst das!“ rufen ihm die freiwilligen Helferinnen entgegen. Er trinkt einen der bereitgestellten Becher leer und joggt schließlich weiter. Der Marathon kostet viele Sportler vor allem mentale Kraft. An der Steigung der Brücke verzieht ein Mann fluchend das Gesicht. „Für alle, die sich den Nachtisch heute noch nicht verdient haben“, gibt es Fitnessprogramm in der Südoststadt: Kniebeugen für ein wohlgeformtes Hinterteil sind die gewählte Methode der Trainerin aud dem Studio Pfitzenmeier.

Inklusion auf der Strecke

Vor dem Karlsruher Schloss machen sich inzwischen die Zweierteams des Inklusionslaufs bereit. „Ich trainiere normalerweise am Laufband“, erzählt Elke Wagner. „Die sechs Kilometer sollten kein Problem sein.“ Ihre Laufpartnerin Meftune Ippolito sitzt im Rollstuhl. „Sie muss die Richtung vorgeben, ich laufe hinterher“, erkärt Wagner – denn sie selbst ist blind. Und so bilden die beiden Frauen ein ganz besonderes Zweiergespann, in dem jede die andere auf ihre Weise unterstützt. „Es ist wichtig, hier dabei zu sein“, findet Wagner, „um zu zeigen, dass auch Menschen mit Behinderung Sport treiben.“

Und während die Läuferinnen und Läufer, jeweils zu ihrer ganz persönlichen Zeit, im Beiertheimer Stadion ins Ziel einlaufen, zieht sich das Marathon-Fieber langsam aus der Innenstadt zurück. Kurz vor 15 Uhr sammeln Mitarbeiter des Tiefbauamts die Hinweisschilder und Pilonen wieder ein, die den Weg des Spektakels markiert haben.

An der Strecke gibt’s Verstärkung für die Läufer. | Foto: Stenftenagel

27-Jähriger ist der Schnellste

Sieger des Fiducia & GAD Baden-Marathons wurde Jannik Arbogast. Beim obligatorischen Siegerfoto lächelte der 27-jährige Langstreckenläufer der LGR Karlsruhe noch etwas gequält in die Kamera. „Das war ein hartes Stück Arbeit. Und ab Kilometer 35 hat dann noch das Zwerchfell zugemacht“, sagte ein atemloser Arbogast nach dem Rennen über 42,195 Kilometer, und am Ende hätten ihn dann sicherlich auch die zahlreichen Zuschauer am Streckenrand und im Stadion ins Ziel getragen. Ansonsten lief Arbogast bei seiner Premiere aber ein einsames Rennen. Wie ein Uhrwerk absolvierte er fast jeden einzelnen Kilometer in einer Zeit von 3,30 Minuten und mit seiner Siegerzeit von 2:28,57 Stunden blieb er nur knapp hinter der eigenen Zielvorgabe zurück.

Über sechseinhalb Minuten hinter dem Sieger kam Robert Wilms von der SG Wenden in einer Zeit von 2:35:32 Stunden als Zweite ins Ziel. „Ich bin das Rennen etwas defensiv angegangen, konnte das Tempos dafür an Ende gut halten“, so Wilms. Auf Rang drei landete in einer Zeit von 2:47:07 Tilo Minges vom SC Oberwinden.

Schnellste Frau kommt aus Brasilien

Bei den Frauen lief Siegerin Gabriela Rocha ebenfalls ein einsames Rennen. Fast 40 Kilometer lang war für die Brasilianerin bei ihrer Marathonpremiere eine Zeit von unter drei Stunden in Reichweite. Doch auf den letzten beiden Kilometern hatte die 26-Jährige mit Krämpfen zu kämpfen und am Ende rettete sie in einer Zeit von 3:02:03 Stunden nur noch gut zwei Minuten Vorsprung auf die zweitplatzierte Ann-Katrin Hellstern ins Ziel. „Natürlich wäre ich gerne etwas schneller gelaufen. Aber den ersten Marathon gleich zu gewinnen, ist eine super Sache“, sagte Rocha. Platz drei belegte Jennifer Honek von der LSG Karlsruhe in einer Zeit von 3:07:59.

Auf der Halbmarathondistanz feierten Yassin Osman vom LAZ Ludwigsburg und Isabel Leibfried von der TSG Heilbronn ebenfalls souveräne Siege. Osman gewann sein Rennen in einer Zeit von 1:07:20 Stunden klar vor Jasper Püschel (1:08:42) von der LGR Karlsruhe. Leibfried wies über die gut 21 Kilometer lange Halbmarathonstrecke in einer Zeit von 1:17:00 Stunden ihre Vereinskameradin Veronica Clio Hähnle-Pohl (1:19:15) klar in die Schranken. Bei den Staffeln hatte das Team vom Geflügelhof Zapf mit Jonas Bender, Jan Discher, Florian Walz und Daniel Zahn in einer Zeit von 2:39:19 die Nase vorn.