Marktplatz in Zukunft
MIT NEUEN STEINEN eingerichtet – so sieht die geplante Zukunft des Marktplatzes aus. Weinbrenners Stadtkirche und die Pyramide bleiben die Attraktionen. Die Brüstungen der U-Strab-Treppen ergänzen das Bild aus Stein. | Foto: Entwurf: Mettler/Stadt Karlsruhe

Mehr oder weniger Weinbrenner?

Die künftige Gestaltung des Karlsruher Marktplatzes ist umstritten

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Sechs Jahre war er eine U-Strab-Baustelle. Jetzt zeichnet sich die Zukunft des Marktplatzes ab: 2018 werden die Transportluken in die U-Strab-Welt geschlossen, die BeMo Tunnelling räumt an der Pyramide vollständig die Platte – und der U-Strab-Rohbau ist geschafft.

Neugestaltung 2020

2019 folgt die dem klassizistischen Erbe verpflichtete Neuanlage des Marktplatzes. 2020 soll er fertig sein. Dann ist die nach Stadtbaumeister Weinbrenner mit den klassizistischen Bauten Stadtkirche und Rathaus bestückte gute Stube der Fächerstadt frisch versiegelt.

Wie der Marktplatz künftig aussehen soll, ist seit 2005 beschlossene Sache. Damals gewann das Büro Mettler den Gestaltungswettbewerb für die Kaiserstraße und den Marktplatz.

Ist Versiegeln eine Sünde?

Doch nun mehren sich die Stimmen, denen aus unterschiedlichem Motiv diese Zukunft „ihres“ Marktplatzes gar nicht passt. Ökologiebewusste prangern das Versiegeln mit hochwertigen Natursteinplatten und edlen Pflasterbänden als Sünde gegen das Stadtklima an.

Angesichts des verschärften Aufheizens der Innenstadt im Klimawandel sehen die Kritiker in dem nachträglich beschlossenen Einbau von 34 Wasserstrahlern aus Bodenlöchern nur ein alibimäßiges Düsen auf die heißen Steine. Folglich werden weiter mehr Schatten durch Bäume und mehr Wasser durch Becken statt nur Kübelpflanzen und Wasserspritzer gefordert.

U-Strab-Abgang
DIE BRÜSTUNG der U-Strab-Treppe vor den Säulen der Weinbrennerschen Stadtkirche sorgt für Entrüstung. | Foto: jodo

Auf der anderen Seite greifen Ästheten und Traditionalisten die Gestaltung des „Neuen Marktplatz“ von 2020 an. Ihnen ist schon zu viel Veränderung gegenüber der historischen Architektur.

Besonders die auf den Platz herausragenden Brüstungen der U-Strab-Treppen und ein U-Strab-Aufzug sind ein Dorn in ihrem ganz der Stadtbildpflege verpflichteten Auge. Nach dem Karlsruher Kombi-Konzept werden die nackten Betonbrüstungen noch mit Natursteinen verklinkert.

Harmonie des Bauwerks zerstört

Ausgerechnet vor der Stadtkirche, „dem Hauptwerk von Weinbrenner“ kommt „ein wuchtiger Treppenabgang“, protestiert BNN-Leser Hans-Jürgen Dietrich. Er ist „entsetzt“ darüber, „dass dadurch die ganze Harmonie des Bauwerks zerstört wird und sich Weinbrenner sicher im Grabe rumdrehen würde“.

Überhaupt werde der ganze Marktplatz durch die U-Strab-Aufbauten in seiner Symmetrie zerstört, meint Dietrich. Statt dieser „Verunstaltung“ empfiehlt er, „die Treppen und den Fahrstuhl ein paar Meter weiter um die Ecke in die Hebel- oder in die Zähringer Straße zu verlegen.

Leipzig
WÄNDE AUS GLAS hat die Rolltreppe zum Citytunnel der S-Bahnen vor dem Hauptbahnhof in Leipzig. | Foto: Dietrich

„Was sind ein paar Meter gegenüber den langen Gängen in Berlin, Paris oder New York?“, setzt er die U-Strab mit diesen Welt-Subways in Beziehung, um Weinbrenners Erbe in seinem Sinne zu wahren.

Zudem hält er die Treppenabgangwände für zu wuchtig. „Warum nimmt man nicht Glas wie beim Citytunnel in Leipzig?“, fragt Dietrich. Am Marktplatz gibt es fünf U-Strab-Aufbauten: die von Dietrich besonders angeprangerte Treppe nahe der Front der Weinbrenner-Bauten Stadtkirche und Sozialgericht.

Diagonal über den Platz gibt es vor der Front Café Böckeler/Sparkasse/Marktlücke von Nord nach Süd eine Rolltreppe, eine Treppe und einen Aufzug. Dazu kommt noch eine Rolltreppe in der Kaiserstraße vor dem Café am Markt.