DAS KONGRESSZENTRUM KARLSRUHE: Die Stadthalle (vorne) wird derzeit innen saniert und fällt länger für die Mieterin Karlsruher Messe- und Kongress GmbH aus als geplant. Das bereitet Ärger. Dabei hat sich die KMK gut entwickelt. | Foto: jodo

Karlsruher Messegesellschaft

Mehrere Rekorde für die KMK – und ein gewichtiges Problem

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Gleich mehrere Rekorde hat die Karlsruher Messe- und Kongress GmbH (KMK) im Geschäftsjahr 2017 erreicht: Mit 800 174 Menschen waren nach laut KMK noch nie so viele Messe- und Kongressbesucher bei ihr zu Gast. Die Umsätze stiegen erstmals auf 33 Millionen Euro – allein die Messe steuerte dazu noch nie da gewesene 23,2 Millionen Euro bei. Und auch das operative Ergebnis von 8,1 Millionen Euro ist ein Top-Wert in der Historie der 1950 gegründeten Tochtergesellschaft der Stadt Karlsruhe.

Schöne Zahlen also, über die KMK-Chefin Britta Wirtz und Aufsichtsratsvorsitzende Gabriele Luczak-Schwarz auf BNN-Anfrage berichten. – Wäre da nur nicht das Problem mit der Stadthalle.

Das Herzstück des Kongresszentrums ist in die Jahre gekommen und sollte ursprünglich bis 2019 für rund 60 Millionen Euro in Schuss gebracht werden. Nach Beginn der Sanierung wurde aber festgestellt: Bestandspläne haben nichts mit der Realität zu tun. Vor allem bei der Lüftungstechnik muss umdisponiert werden. Im Raum stehen Mehrkosten von 18 Millionen Euro. Das trifft die Stadt Karlsruhe heftig, der die Hallen am Festplatz gehören. Aber eben auch die KMK, weil bei ihr für 2020 schon Veranstalter gebucht hatten. Die Halle kann frühestens 2021 wieder eröffnet werden.

Der ein oder andere Kunde werde sich zumindest vorerst vom Standort Karlsruhe verabschieden, sagt Wirtz. Es gebe aber auch „erste positive Reaktionen“, also Kunden, die mit der Interimslösung Gartenhalle länger leben könnten.

Welt-Kirchen-Kongress gewonnen – für die KMK Erfolg und Herausforderung zugleich

Der Druck, dass die Stadthalle bis spätestens September 2021 wieder zur Verfügung steht, ist dieser Tage enorm gestiegen: Karlsruhe hat sich gegenüber dem Kongressstandort Kapstadt durchgesetzt: Tausende Vertreter der Kirchen aus der ganzen Welt werden dann in der Fächerstadt tagen.

Mittelfristig sollte – auch dank einer modernisierten Stadthalle – der KMK-Jahresfehlbetrag bis 2021 auf 10,2 Millionen Euro heruntergefahren werden. „Das ist eine Herausforderung“, räumt Luczak-Schwarz ein. Letztlich bleibe das Ziel: Mit eine modernisierten Stadthalle will Karlsruhe wieder zurück in die Top Ten der deutschen Kongressstädte. Die innerstädtische Lage mit Nähe zum Hauptbahnhof, zur Einkaufszone und zum Zoologischen Stadtgarten sei ein Standortvorteil, den andere Kommunen nicht hätten.

„Kongressstadt braucht weitere Hotels“

Parallel brauche Karlsruhe – auch wegen des Tourismus – fünf weitere Hotels, so Luczak-Schwarz, die auch Erste Bürgermeisterin ist. Das belege ein Gutachten. Ein erster Investor wird in der Nähe des Einkaufszentrums „Ettlinger Tor“ ein Motel One errichten. Die Stadtverwaltung bietet ein weiteres Areal für ein Hotel beim Hauptbahnhof-Süd an.

Doch zurück zur KMK selbst: Weil viele Messen bei Aussteller-, Besucherzahl und Fläche deutlich besser gelaufen seien, kam die Messe auf 23,0 Millionen Euro Umsatz. Das sind 2,4 Millionen Euro mehr als im bisherigen Rekordjahr 2015. Die Kongress-Sparte lag bei den Erlösen mit 9,1 Millionen Euro nur 0,3 Millionen Euro unter dem Vorjahreswert – obwohl die Stadthalle da bereits ein halbes Jahr lang als Einnahmequelle ausfiel.

Zum Gewinn: Die KMK erzielte ein operatives Ergebnis von 8,1 (2016: 7,5) Millionen Euro. Das sind laut Wirtz zwei Millionen mehr als geplant.

Anders als andere Messegesellschaften hübscht die KMK ihre Bilanz nicht auf – sie muss Hallenkosten von 9,2 Millionen Euro für die Messe und 1,3 Millionen Euro fürs Kongresszentrum schultern.
Unterm Strich steht ein Verlust von 11,2 Millionen Euro. Das sind 0,8 Millionen Euro weniger, als von der Politik vorgegeben. Wirtz und Luczak-Schwarz verweisen auf Rückstellungen für das Messegelände und für die Stadthalle. Dadurch habe sich der Jahresfehlbetrag gegenüber dem Vorjahr um insgesamt eine Million Euro verschlechtert. 2018 bleibt eine Herausforderung: Die Stadthalle bleibt zu, und es ist turnusbedingt ein schwächeres Messejahr.

Trend zu cooleren Messen

Spannend bleibt der Messe-Markt generell: Viele Veranstalter setzen auf mehr Coolness oder Festival-Charakter, wie es etwa das Elektronikspektakel CES in Las Vegas vormacht. Auch die Cebit hat ihr Konzept umgekrempelt und versucht sich nun als hippes Tech-Festival. Messen sollen so emotional sein, dass sie auch in sozialen Netzwerken wie Facebook ein Thema sind – Veranstaltungen also, die man nicht verpassen will. Die KMK greift diesen Branchentrend schon seit geraumer Zeit auf: Partys auf Fachmessen sind bei ihr schon seit Jahren gefragt. Bei der jüngsten Eunique/Loft gab es ein „Tiny House-Festival“. Blogger wurden eingeladen, über dieses Spektakel rund um die Mini-Häuser zu berichten, erinnert KMK-Pressesprecherin Maren Mehlis.

Zum Messe- und Kongress-Erlebnis tragen laut Wirtz und Luczak-Schwarz auch eine Gartenhalle mit Blick in den Stadtgarten bei oder eine Verbrauchermesse offerta mit digitaler Schnitzeljagd.
Es ist nicht ausgeschlossen: Vielleicht hat einmal auch eine angesagte Influencerin auf der offerta ihre Bühne – und bringt der regionalen Verbraucherschau auf diese Art bundesweites Interesse.

 

• Karlsruher Messe- und Kongress-GmbH (Karlsruhe)
• Gründungsjahr: 1950
• Produkte: Messen, Kongresse, Gastveranstaltungen
• Geschäftsführung: Britta Wirtz
• Umsatz: 33,0 (2016: 30,6) Millionen Euro
• Jahresfehlbetrag: 11,2 (2016: 10,2) Millionen Euro
• Mitarbeiterzahl: 128 (2016: 133)
• www.messe-karlsruhe.de