Lebt seit 32 Jahren in Deutschland: Mehrschad Zaeri Esfahani zeigt seinen Kunden, wie sie einen Mehrwert aus ihren Daten ziehen können.
Lebt seit 32 Jahren in Deutschland: Mehrschad Zaeri Esfahani zeigt seinen Kunden, wie sie einen Mehrwert aus ihren Daten ziehen können. | Foto: Fabry

Digitaler Kopf

Mehrschad Zaeri Esfahani: „Wir müssen fokussierter sein“

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Die Digitalisierung stellt Menschen und Unternehmen vor immer neue Herausforderungen. Große Datenmengen gehören beispielsweise dazu. Wie mit diesen Massen umgegangen und wie Projekte optimal technisch und methodisch organisiert werden, erklärt Mehrschad Zaeri Esfahani mit seinem Karlsruher Unternehmen Parsqube.

Der Zweck steht an erster Stelle

Der IT-Experte hat mehr als zehn Jahre Erfahrung im Bereich der Datenanalyse und Datenverarbeitung. Er zeigt Unternehmen, wie sie mit Java- oder XML-Datenbanken einen Mehrwert für sich herausziehen. Ein einfacher Tipp für die effiziente Nutzung und Verarbeitung großer Datenmengen ist zum Beispiel, dass man so früh wie möglich Struktur schaffen sollte. Zuvor müsse man sich allerdings über ihren Zweck klar werden.

Wir haben die Bedeutung der Verbindlichkeit vergessen.

„Projekte scheitern nicht, weil wir fachlich schlecht sind“, weiß der 44-Jährige, der täglich zu Fuß von der Karlsruher Weststadt ins Büro in die Innenstadt geht. „Wir haben die Bedeutung der Verbindlichkeit vergessen. Wir müssen fokussierter sein. Wir können nicht mehrere Dinge gleichzeitig tun.“ Je weniger Werkzeuge dabei im Einsatz sind, desto mehr Transparenz gebe es. Diese will er auch bei seinen Kunden, darunter die EnBW, der Klett-Verlag oder SAP, schaffen. Sie sollen verstehen, was er als Dienstleister tut und mit ihm neue Ideen verwirklichen.

Die eigenen Wünsche ausleben

Der Diplom-Informatiker schätzt an seiner Arbeit, dass er ausleben kann, was er sich wünscht. Heute ist er weniger im IT- und mehr im strategischen Bereich tätig und gibt zu, dass er mit seinen Mitarbeitern nicht mehr mithalten kann: „Die sind operativ einfach fit.“

Spannende Lebensgeschichte

Wenn jemand anderem Ungerechtigkeit widerfährt, hat Mehrschad Zaeri Esfahani das Gefühl, sich einschalten zu müssen. Sein Werdegang hat ihn verstehen lassen, was es bedeutet, wenn wirklich Gefahr droht. Viele Dinge sieht er daher differenzierter oder anders als andere.

Der gebürtige Iraner mit deutschem Pass hat eine spannende Lebensgeschichte: Die sechsköpfige Familie flüchtete aus dem Iran, als er zwölf Jahre alt war und kam über die ehemalige DDR nach Baden-Württemberg. Die Bedingungen waren mehr als schwierig: „In der Heimat wurde ich mit dem Chauffeur zur Schule gefahren. Mein Vater war Neurochirurg. Das war ein harter Absturz“, blickt der Iraner zurück und erinnert sich an verschimmelte Fenster in unterschiedlichen Karlsruher Unterkünften. Von 1986 bis zum Abitur 1993 lebte seine Familie dann in Heidelberg. Zurück nach Karlsruhe zog es ihn wieder wegen des Informatikstudiums. Nachdem er von der Universität auf die Hochschule gewechselt war, kam mit Philosophie ein Zweitstudium hinzu. Beruflich ging es für ihn dann als Software-Entwickler bei Cluetec und als Leiter Portal-Vertriebe des Handels bei der EnBW weiter.

Seit 2013 selbstständig

2013 wagte Zaeri Esfahani schließlich mit Parsqube den Schritt in die Selbstständigkeit. Eine Entscheidung, die er ohne die Unterstützung seiner Frau nicht getroffen hätte. Er weiß, dass ein Unternehmen drei bis fünf Jahre benötigt, um erfolgreich zu sein. Seine Frau, seine Tochter und seine beiden Söhne bezeichnet der Gründer daher als Anker, die ihm die eigenen Grenzen aufzeigen.

Ordnungsliebend, aber nicht fanatisch

Aus der Ruhe bringt ihn so schnell nichts. „Vielleicht nur, wenn die Toilettenpapierrolle zur Wand zeigt. Das muss sofort gedreht werden“, erklärt der Familienvater seine Macke. Er mag Ordnung, sei jedoch kein Ordnungsfanatiker.

Leidenschaftlicher Besucher von Filmfestivals

Entspannen kann der Unternehmer bei einer Tasse Tee, bei einer Shisha, bei einem guten Buch oder bei Schokolade. Falls das nicht genügen sollte, geht er joggen oder spielt Basketball beim Männerturnverein Karlsruhe. Einmal im Jahr nimmt er sich außerdem ein paar Tage Zeit, um mit seinem Bruder, der Illustrator ist, gemeinsam Filme zu schauen oder Filmfestivals zu besuchen. 60 Filme in neun Tagen waren das Maximum.„Wir können uns sehr gut austauschen“, so der Berater. Beide genießen es, dabei die Perspektive zu wechseln