Lüpertz-Kunst für die Karlsruher U-Strab sorgt für Debatten | Foto: dpa

Kunst in U-Strab Thema im Rat

Mentrup sieht Chancen durch Lüpertz

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Lange hat er geschwiegen, während die öffentliche Debatte munter das Pro und Kontra auslotete, nun hat auch Karlsruhes OB Frank Mentrup seine Position zu dem Lüpertz-Projekt in der U-Strab gegenüber den BNN geäußert. Und Mentrups Haltung ist – im Prinzip – uneingeschränkt positiv. „Das ist in der Tat eine hochinteressante Kunstinstallation für Karlsruhe“, so der Oberbürgermeister. Seine Bedingungen für eine Realisierung sind dabei klar formuliert. Entscheidende Knackpunkte sind für ihn die private Finanzierung durch Sponsorengelder und die Vereinbarkeit mit dem einst beschlossenen Lichtkonzept.
Seitdem die BNN die Pläne Lüpertz Ende April bekannt gemacht haben, reißt die Debatte darüber nicht mehr ab. Wer allerdings einhellige Zustimmung zu den Plänen des renommierten Künstlers erwartet hätte, sah sich aber getäuscht. Zwar gibt es viel auch durchaus euphorische Zustimmung, dies auf allen Kanälen wie etwa den Leserbriefseiten der BNN oder den sozialen Netzwerken, aber auch Kritik. Die Befürworter sehen vor allem die Chancen, die ein durchgehendes Kunstwerk von Lüpertz als herausragendes Alleinstellungsmerkmal für Karlsruhe bringen könnte, sie verweisen auf das internationale Renommee des Künstlers, auch auf die Chance, ein profanes Bauwerk wie eine U-Bahn aufzuwerten.

Auf wen zielt die Kritik?

Die Kritiker wiederum sehen in Lüpertz eine Art Vertreter von „Staatskunst“, monieren die fehlende öffentliche Ausschreibung, sehen gar eine Art Überbetonung christlicher Aspekte in der Lüpertzschen Idee von den „Sieben Tagen der Schöpfung“. Dies bringt die Befürworter wiederum dazu, auf die Schöpfungsgeschichte in allen großen Weltreligionen zu verweisen. Die Haltung des OB dabei: „Ich fände es anmaßend, Lüpertz hier irgendetwas vorzuschreiben, was ich lieber hätte.“ Nicht immer ist auch klar, worauf die Kritik zielt. Gilt sie etwa eher dem allgegenwärtigen und gelegentlich überagierenden Promotor der Idee, Anton Goll? Er gilt so manchem, vor allem nach seiner wenig glanzvollen Vergangenheit als Majolika-Geschäftsführer, als zu marktschreierisch. „Goll vertritt die Idee semiprofessionell, verdient auch sein Geld damit,“ so der OB über den Kunstpromotor.
Doch Goll ist wiederum zu verdanken, dass Lüpertz nach dem ersten gescheiterten Anlauf seine Vorstellungen präzisierte. Seit Jahren ist Goll in der Stadt mit dieser Idee unterwegs. Die Pläne hatten zu Beginn noch deutlich größere Dimensionen. Auch Frank Mentrup zeigte sich 2015 in den Tagen des Stadtgeburtstags angetan von der Idee, dass Lüpertz seiner Heimatstadt ein künstlerisches Geschenk machen wolle. Lüpertz und mit ihm Goll wollten zunächst ganze Haltestellen gestalten. Der Zug dafür war alleine schon technisch abgefahren. Doch Lüpertz dachte neu nach und speckte die Pläne ab. Es verblieb nun die immer noch spektakuläre Idee von 14 Reliefs, die jeweils zwei mal vier Meter groß sind. Sie sollen nun an die Stelle von ursprünglich geplanten Werbevitrinen – und nicht Videowänden, wie es ursprünglich hieß – auf den Bahnsteigen der sieben Haltestellen treten.

Politik sortiert sich in Sachen Lüpertz

Technisch machbar, hieß es darauf bei der Kasig. Bekanntlich hat der Gemeinderat schon 2005 für eine Lichtinstallation des Künstlers Ingo Maurer in den U-Bahn-Haltestellen votiert. Angesichts der Dimensionen der Lüpertz-Reliefs ist offensichtlich klar, dass dieses Lichtkonzept davon völlig unberührt ist. Die Kommunalpolitik sortiert sich nun. Zustimmung gibt es bei den Christdemokraten, die im Lüpertz-Projekt eine einmalige Chance sehen. Auch der FDP-Fraktionsvorsitzende hat Zustimmung signalisiert. Als Gegner haben sich eindeutig die Grünen positioniert. „Die von Lüpertz geplante Majolikakunst mit Motiven aus der biblischen Schöpfungsgeschichte ist für uns mit dem grundlegenden Gestaltungskonzept der Haltestellen nicht vereinbar,“ so die Fraktionsvorsitzende Ute Leidig. Die Grünen betonen zwar, dass sie künstlerischen Inszenierungen in den Haltestellen offen gegenüberstehen. Aber diese müssten temporär angelegt sein, zum generellen Gestaltungskonzept passen und sollten den Charakter von Karlsruhe als moderne Stadt unterstreichen. Das „temporär“ ist offenbar gelöst. Laut Mentrup hat sich Lüpertz damit einverstanden erklärt, dass die Kunstwerke zunächst einmal für sechs Jahre installiert würden. „Das könnte die Akzeptanz der Installation sogar noch erhöhen,“ sagt Mentrup. Danach könne man neu entscheiden.
Jetzt geht das Projekt erst einmal in die Aufsichtsgremien von VBK, Kasig und in die Kunstkommission, die Sitzungen dafür sind in den kommenden Wochen terminiert, als letztes wird der Gemeinderat am 25. Juli abstimmen. Ein positiver Beschluss wird einen neuen Schub für Sponsorengelder aus der Wirtschaft bringen, ist der OB überzeugt. Deshalb hält er nichts von der Idee, dass Anton Goll vor Beschlüssen der Gremien eindeutige Zusagen aus der Wirtschaft vorlegen soll.