Sie hat selbst erlebt, wie Migranten und die Menschen in der neuen Heimat Mühnen und Möglichkeiten erleben. Meri Uhlig, die Integrationsbeauftragte de Stadt Karlsruhe wuchs als Kind kroatischer Gastarbeiter auf. | Foto: Christian Ernst

Fachfrau für Integration

Arbeit am sozialen Frieden

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In den ersten Schuljahren habe ich schon deutlich zu spüren bekommen, dass wir aus Gastarbeiterfamilien anders sind als die anderen Kinder. Also dass wir nicht richtig dazugehören. Aber irgendwie habe ich es geschafft, das positiv zu wenden, und zu denken, ich habe manches zusätzlich“, erzählt Meri Uhlig von den 1980er-Jahren im großen Ort Kirrlach. Ihre hart arbeitenden kroatischen Eltern schotteten die Familie keineswegs ab. „Im Gegenteil“, so Uhlig, „mir und meiner Schwester wurde ein positives Bild von Deutschland vermittelt“.

Integrationsbeauftragte kennt Identitätsprobleme selbst

Verschiedener Identitäten zu spüren und zu erleben – das hat schon die Jugendliche bewegt. Was sie gefühlsmäßig beschäftigte,  ebenso wie Ursachen von Kriegen und Frieden, wollte sie nach dem Abitur in Bruchsal genauer kennenlernen. Sie studierte Sozialwissenschaften und lernte, den Perspektivwechsel immer einzusetzen. All diese Erfahrungen kommen ihr als Integrationsbeauftragen der Stadt Karlsruhe zu Gute. Seit 2013 leitet Uhlig ein Büro mit dreizehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, das seit 2015 mit der enorm großen deutschen Flüchtlingsaufnahme noch mehr von Anforderungen umtost wird.

Migranten nicht als Objekte von Migration sehen

„Bei unserer Arbeit sehen wir Migranten nicht als Objekt von Integration, sondern als Menschen, die als Karlsruher zu Karlsruhe gehören und die Stadtgesellschaft mitgestalten. Vielfalt ist der Normalzustand, denken wir nur an die Gastarbeiter, und darin steckt viel Potenzial. Gleichzeitig wollen wir vor allem den sozialen Frieden in der Stadt fördern, deshalb muss die Bevölkerung ohne Migrationsgeschichte immer einbezogen werden. In alle Bemühungen. Dieser Aspekt kommt oft zu kurz.“

Früher war die 44-Jährige schüchtern

Die eloquente Bürochefin („früher war ich dagegen ganz schüchtern“) sieht sich nicht als Anwältin von Migranten. Aber ihnen Chancen auf Chancengleichheit geben, das ist ein Ziel. „Wir beraten Ämter der Stadt, bilden weiter indem wir Vorträge halten, bieten Service und unterstützen Projekte der Integration, beispielsweise am Internationalen Begegnungszentrum“. Die 44-Jährige hat sich auch Leidenschaft für Politik erhalten. Sie ist seit sieben Jahren SPD-Mitglied und kandidierte für den Landtag.

Sie mag Musik von Klassik bis Punk

Sie vermittelt reflektierte Begeisterung und Zähigkeit in allem was sie tut. Zu Hause mit Tochter, Sohn und Ehemann, einem selbstständigen Filmemacher, findet sie die wärmende Basis für öffentliches Wirken. Plus den Rückzugsraum, um viel Musik zu hören („von Klassik bis Punk, auch ein paar Mal im Jahr bin ich auf Konzerten“), zu malen, zu nähen und Lyrik zu lesen. „Das Gedicht ‘Sils Maria’ von Nietzsche mag ich am meisten“, verrät Uhlig.