Hans Rastetter Junior und Ehefrau Barbara gehen Ende des Jahres in Rente. Nach drei Generationen bedeutet dies auch das Ende der Metzgerei in Daxlanden.
Hans Rastetter Junior und Ehefrau Barbara gehen Ende des Jahres in Rente. Nach drei Generationen bedeutet dies auch das Ende der Metzgerei in Daxlanden. | Foto: Jörg Donecker

Ende eines Familienbetriebs

Metzgerei Rastetter in Daxlanden schließt: Was bleibt, sind die Bratwürste

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In Daxlanden scheint die Welt noch in Ordnung: Kleine Straßen ziehen sich durch den Stadtteil, in den es viele junge Familien zieht, und selbst Fremde grüßt man mit einem freundlichen Nicken. Doch auch hier macht sich der Wandel der Zeit bemerkbar, verschwinden Traditionen. Die Metzgerei Rastetter, an einer Straßenkreuzung mit Bäckerei und Eisdiele und nur wenige Schritte von der Heilig-Geist-Kirche entfernt, wird nur noch bis zum 17. November ihre Kunden mit frischen, selbst hergestellten Fleisch- und Wurstwaren versorgen.

Nach drei Generationen fehlt ein Nachfolger für die Metzgerei

Bereits in dritter Generation führen Hans und Barbara Rastetter den Handwerksbetrieb, der 1923 von Großvater Ludwig Rastetter in der Agathenstraße begründet wurde. 1954 eröffnete Hans Rastetter Senior zudem das Gasthaus „Lamm“. 1958 zog die Metzgerei in die Krämerstraße 43 um, 1989 übernahm Hans Junior. Ihm fällt jetzt die schwere Aufgabe zu, den Familienbetrieb einzustellen. Denn einen Nachfolger gibt es nicht, weder in der Familie noch außerhalb.

Seine Eltern standen noch bis Juni täglich mit in der Metzgerei, mit stolzen 84 und 88 Jahren. „Unsere Töchter sollten von Anfang an ihren eigenen Weg gehen“, sagt Hans Rastetter. „Uns war klar: wenn keine von beiden weitermachen will, dann können wir den Laden auch zumachen, wann wir wollen.“ Hans Rastetter wird im September 65 Jahre alt – nach 50 Jahren im Beruf ist es für ihn und seine Frau der richtige Zeitpunkt, in Rente zu gehen.

Nur noch Bratwurst aus dem Hause Rastetter

Dann gibt es in Daxlanden einen Familienbetrieb weniger, für handgemachte Fleisch- und Wurstwaren müssen die Kunden künftig nach Mühlburg oder auf den Markt auf dem Gutenbergplatz ausweichen. Allein die Bratwürste aus dem Hause Rastetter bestehen noch weiter: Er werde weiterhin „Curry 76“ in der Rheinstraße sowie die Gastronomie im Rheinstrandbad Rappenwört beliefern, sagt Hans Rastetter. Auf die selbst gemachten Maultaschen, Wienerle und die Hausmacher-Leberwurst müssen Rastetters Kunden ab Mitte November verzichten.

Und es sind viele. „Wir haben rund 1 500 Kundenkarten ausgegeben“, sagt Hans Rastetter, „manche Leute kommen schon seit 50 Jahren zu uns.“ Auch von außerhalb kämen die Leute, extra für das schwäbisch-hällische Landschwein etwa. „Darauf haben wir uns vor ein paar Jahren bewusst spezialisiert“, sagt der Metzgermeister. Wobei die Kunden vor allem um die Wurst besorgt seien – gutes Fleisch bekämen sie auch anderswo.

Die Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten

„Aber der Supermarkt macht schon auch richtig gute Sachen“, räumt Rastetter ein. Die großen Filialisten würden immer besser in ihrer Wurstwarenproduktion, und durch Mischkalkulation mit anderen Produkten drückten sie die Fleischpreise. Aufs Geld achteten die Deutschen beim Essen eben besonders, meint Hans Rastetter: „Wer Salatöl einkauft, sucht das Regal nach dem Billigsten ab. Aber an der Tankstelle wird der teuerste Sprit getankt.“

Auch die immer stärker geforderten längeren Öffnungszeiten und die Erwartung, jedes Produkt an jedem Tag frisch zu bekommen, mache den Familienbetrieben zu schaffen. Deshalb verschwänden sie nach und nach, meint er. „Die Entwicklung in diese Richtung ist nicht mehr aufzuhalten.“